Verhütung und Babywunsch

Psychologie Kind Ja, Mann Nein

PETRA-Mitarbeiterin Claudia Thesenfitz protokollierte die Geschichte einer Frau, die eine Entscheidung treffen will, während ihr Freund immer noch zögert.
Kind Ja, Mann Nein
    

Die Nachricht, dass Schauspielerin Jennifer Aniston ihre Eizellen hat einfrieren lassen, rüttelte mich endgültig wach. Ich war also nicht die einzige Frau, die Angst vor ihrem Fortpflanzungs-Verfallsdatum hatte. Wenn sogar Hollywood- Stars, die nur ein paar Jahre älter waren als ich, anfingen, vorsorglich ihr Ergut zu sichern, war es wohl auch für mich höchste Zeit, endlich die Entscheidung zu fällen, die ich seit Jahren vor mir her schob. Eine Familie gründen, Kinder kriegen, Mutter werden, das empfand ich immer als Selbstverständlichkeit – für die ich allerdings noch jede Menge Zeit hatte.

Volle Windeln und durchbrüllte Nächte würde es auch in meinem Leben geben. Irgendwann. Später. Erst mal wollte ich Karriere machen, Liebe leben, mich selbst finden. Aber später war jetzt! Ich war 34, und meine biologische Uhr tickte mittlerweile lauter als ein russischer Billig-Wecker. Meinem Kind später erklären zu müssen, dass sein Dasein auf diesem Planeten bei Minus 220 Grad in einer Tiefkühltruhe begonnen hatte, kam für mich nicht in Frage. Wenn überhaupt ein Kind, dann jetzt oder nie. Es gab nur ein Problem. Das Problem hieß Lutz. Lutz, mit dem ich seit über sieben Jahren zusammen war.

Ich bin doch noch nicht mal selbst erwachsen, Schatz“, lautete seine Standard-Antwort auf meine Andeutungen Richtung Nachwuchs. Wir hatten uns aneinander gewöhnt – vielleicht zu sehr. Es war selbstverständlich, dass er da war, morgens am Frühstückstisch seine Zeitung las und abends auf dem Sofa neben mir einschlief. Unsere Beziehung war gemütlich wie ein paar alte Jeans – aber würde sie ein Kind tragen können?


Vor meinem inneren Auge wechselten Bilder mit Weichzeichner und Geigenuntermalung, in denen Lutz und ich im Hechel-Kurs lagen oder fröhliche Ausflüge im Familien-Van unternahmen, mit Horror-Visionen von allein gelassenen, überforderten Müttern, deren Augenringe tiefer hingen als ihre vom ewigen Stillen gebeutelten Brüste.

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