Verhütung und Babywunsch

Partnerschaft Was, wenn er keine Kinder mehr will?

Liebe oder Lebenstraum? Sandra, 39, liebt einen Mann, der nicht noch mal Vater werden möchte. Mark, 36, hat eine Tochter und will nicht wieder scheitern. Hier erzählen ein Mann und eine Frau von ihrer Suche nach dem richtigen Weg.
Mann Kind
   

Vielleicht ist es das schwierigste Entweder-oder in der Liebe: als Frau zu wissen, dass man mit einem Mann zusammenlebt, der kein Kind (mehr) will. Und sich als Mann dafür rechtfertigen zu müssen, dass die Kinderfrage bereits beantwortet ist. Passieren kann das wohl jedem von uns, gerade wenn wir die 30 überschritten haben. Denn je älter wir werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen Mann mit Vergangenheit treffen – mit Ehe und Kindern. Was tun: sich erst gar nicht verlieben? Der Verstand zieht meist den Kürzeren, wenn uns jemand begegnet, der uns umhaut. Schluss machen, wenn wir feststellen, dass die Lebenspläne nicht zusammenpassen? Leicht gesagt – aber Liebe hört ja nicht einfach auf. Wahrscheinlich lehren uns die beiden folgenden Geschichten vor allem eins: In der Liebe gibt es Entscheidungen, die einem keiner abnimmt. Für die keiner die Garantie übernimmt. Die einzige Gewissheit liegt darin, dass man sie irgendwann treffen muss...

Für Sandra, 39, gehörten Kinder immer zum Lebensplan

Ob ich mich in dieser Gegend auskenne – das war die erste Frage, die Thomas mir stellte, als wir uns vor vier Jahren begegneten. Ich mochte ihn sofort. Er war keiner der Schönlinge, in die ich mich bis dahin verliebt hatte. Eher die Art Mann, der seinen Kindern das Radfahren beibringt. Vermutlich war das der Grund, warum ich ihm meine Nummer gab. Am nächsten Abend gingen wir essen. Thomas legte die Karten sofort auf den Tisch: Er erzählte mir von seiner Ehe, seinen zwei kleinen Töchtern, von seiner Scheidung nach Jahren voller Streit. An meiner Begeisterung für ihn änderte das nichts. Nach diesem Abend ging es ziemlich schnell, wir wurden ein Paar. Ich war total verliebt. Thomas schien nicht anders zu empfinden, denn nach zwei Wochen stellte er mir seine Töchter vor. Zwei entzückende Mädchen. Die beiden mit ihrem Vater toben zu sehen steigerte meine Gefühle für diesen Mann umso mehr. Wohl der Grund, weshalb ich schon am nächsten Abend mit ihm über all das sprach, was ich mir für mein Leben erträumt hatte. Klischee? Von mir aus, ich wollte aber das ganze Programm: das kleine Haus, den Hund und meine eigenen Kinder. Schon in der Schule hatten meine Freundin und ich uns Namen für die Kinder überlegt, die wir später mal haben würden. Und heute? Natürlich wollte ich weiter als Lehrerin arbeiten, aber eine Familie war mein klares Lebensziel. Als Thomas mir dann in die Augen sah, fühlte ich mich eiskalt erwischt. Er machte mir unmissverständlich klar, dass er diesen Teil seines Lebens abgehakt habe. Wiederholung ausgeschlossen.

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Die nächsten Tage nahm ich Schüler, Kollegen, den Klassenlärm so gedämpft wahr, als wäre ich mit dem Kopf unter Wasser. Mechanisch kratzte ich Buchstaben an die Tafel, während in meinem Schädel nur eine Frage von links nach rechts und wieder zurück wanderte: „Was machst du jetzt?“ Ich fuhr heim und legte mich ins Bett. Das Kissen neben mir roch noch nach Thomas. Er fehlte mir wahnsinnig, aber ich wollte ihn nicht sehen. Ich erklärte ihm, ich hätte Zeugnisstress und bräuchte die nächsten Abende für mich. Dabei saß ich jeden Abend bei einer anderen Freundin auf dem Sofa und starrte in ein volles Glas Wein. Meine Freundinnen relativierten meine Ängste: „Sandra, der Mann kommt aus einer Scheidungsschlacht. Stress, Streit und Unterhalt. Es ist doch völlig normal, dass ihn die Idee einer zweiten Familie abschreckt. Du bist erst 35. Lass ihn doch erst mal durchatmen, bevor er wieder Windeln wechselt. Dass er Kinder liebt, weißt du doch!“ Natürlich stimmte das. Thomas hatte gerade ein Drama hinter sich gelassen. Und da wollte ich ihn gleich wieder zum Vater machen? Fast musste ich über mich selber lachen. Noch am gleichen Abend fuhr ich zu ihm. Wir sprachen wenig, aber ich merkte ihm das Glück darüber an, mich wiederzuhaben.

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Schlagworte
Beziehung | Familie | Kinder | Kinderwunsch | Partnerschaft
Autor
Kai Franke