Sex-Kolumne

Liebe für den Augenblick Mehr Mut zum One-Night-Stand

One Night Stand

Mit einem One-Night-Stand verhält es sich wie mit Nasebohren. Jeder macht es oder hat es schon mal gemacht, doch man redet nicht darüber. Fällt doch einmal ein Wort, wird verschämt drüber gewitzelt oder peinlich berührt weggeschaut. Nein, ein gutes Ansehen besitzt der One-Night-Stand wirklich nicht. Woher kommt das? Ist es das Wissen um die Unzurechnungsfähigkeit durch Alkoholeinfluss? Schämt man sich deswegen? Und wenn ja, warum? 

Der One-Night-Stand und der Walk of Shame

Alexander Scherb

Alex ist Germanist mit Leidenschaft und bei der Petra für die Themen Sex und Liebe zuständig. Was ihn daran fasziniert? Ganz einfach: Nichts kann so schön aber auch so schmerzvoll sein.

 In Zeiten von Dating-Shows, Beziehungs-Ratgebern und natürlich dem Internet, ist es kein Geheimnis mehr, was Männer und Frauen von One-Night-Stands halten. Während Männer ihr reges Sexleben feiern und unter Freunden als Hengste gelten, müssen sich Frauen schnell den Ruf als "leichtes Mädchen" gefallen lassen. Sind diese Klischees eigentlich noch up to date? So wirklich nicht. Mittlerweile genießen auch viele Frauen ihre Lust am Gelegenheitssex mit Fremden. Wobei das mit dem Fremdsein ja nicht so ganz stimmt. Es ist ja nicht so, als würde man sich auf irgendeinem Parkplatz treffen und sofort loslegen (das so genannte Dogging ist allerdings auch ein bekannter Fetisch bei dem sogar Voyeurismus erwünscht ist). Es gibt also schon ein gewisses Vertrauen und natürlich auch Sympathie. 

Sicherlich hat auch die fortschreitende Emanzipation mit der Häufigkeit zu tun, mit der Frauen in zunehmendem Maße ihre sexuelle Lust völlig unverfänglich ausleben. Gut so! Denn natürlich haben Frauen genauso Recht darauf ihr Verlangen auszuleben wie Männer. Garantiert spielt Alkohol dabei eine Rolle. Und bestimmt hat nicht jede Frau vor am nächsten Morgen neben einem fremden Mann aufzuwachen. Doch wenn dies dann doch mal passiert, sollten sich Frauen deswegen nicht schämen müssen. Sex und vor allem auch das Verlangen nach Zweisamkeit und Nähe ist nichts, wofür man sich schämen muss. Dass das Gefühl der Scham allerdings noch weit verbreitet ist, erkennt man an einem simplen Begriff: Den Walk of Shame. 

Nach dem One-Night-Stand: Lieber Walk of Fame

Männer würden den Gang nach Hause, nach einer Nacht voller Leidenschaft und Erotik, niemals als Walk of Shame bezeichnen. Im Gegenteil. Mit Stolz geschwellter Brust kann der Bürgersteig gar nicht breit genug sein. Für einen Mann ist es keine Schande wöchentlich wechselnde Sexpartner zu haben. Ein One-Night-Stand muss dabei nicht unbedingt etwas mit dem Ausleben von erotischen Wünschen zu tun haben. Es ist vielmehr der Reiz der Eroberung, welcher Männer zu diesen Abenteuern verleitet. Vielleicht steckt in Männern ja tatsächlich noch der wilde Jäger aus der Urzeit, der in solchen Nächten wieder ausgelebt werden kann. Und wenn ich gerade bei Spekulationen bin: Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich einige Frauen mit unverfänglichem Sex so schwertun. Das Bild von Beziehung, Monogamie und dem einen Traummann ist vielfach immer noch fest verankert. Es entstand während der Romantik und hält sich hartnäckig bis heute. Nur langsam weicht es aus den Köpfen der Frauen.

Ich möchte hier nicht zu Untreue oder einem Seitensprung aufrufen. Der Gedanke ans Fremdgehen liegt mir hier völlig fern. Ich wünsche mir nur einen freien Umgang mit Sexualität. Auch Frau sollte am nächsten Morgen mit vollem Selbstbewusstsein nach Hause gehen können. Denn ein One-Night-Stand kann auch in der Nachbetrachtung viel mehr sein, als der betrunkene Austausch von Körperflüssigkeiten. Vielleicht erlebt Frau ja bis dato den besten Orgasmus ihres Lebens. Vielleicht konnte sie endlich einmal versteckte Sehnsüchte ausleben. Es ist doch schade, dass solch sinnliche Geschichten kaum erwähnt werden, weil sich Frauen für die Art dieses körperlichen Erlebnisses schämen. Deswegen bin ich dafür, dass auch Frauen klar zu ihren One-Night-Stands stehen sollten und dürfen. Ohne Schande, ohne Unwohlsein. Mit Stolz geschwellter Brust. Wie wäre es mit dem Begriff Walk of Fame, statt Walk of Shame? Ich wäre dafür! Natürlich gilt dabei: Nur mit dem richtigen Schutz.

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Schlagworte
Lust | Sex | Single
Autor
Alexander Scherb