Sex-Kolumne

Sex ohne Liebe Friends with Benefits: Funktioniert das?

Freundschaften mit Sex

Man kann ja nicht abstreiten, dass zwangloser Sex in den letzten Jahren zugenommen hat. Immer öfter wird von Friends with Benefits oder auch Freundschaft Plus gesprochen und die Vorteile dieser lockeren Art der Zwischenmenschlichkeit aufgezählt. Und irgendwie klingt es alles auch zu schön um wahr zu sein: Man kann in den richtigen Momenten Zweisamkeit und damit die Vorteile einer Partnerschaft genießen. Andererseits hat man keinerlei Verpflichtungen und muss niemandem Rede und Antwort stehen. Zudem versteht man sich mit der Person auch noch gut. Streitereien gibt es nicht. Friends with Benefits passt in den neuen Lebensentwurf einer Generation, welche versucht sich in allen Bereichen des Lebens Türchen und Törchen offen zu halten. Sei es im Beruf oder im Privaten

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Sex ohne Liebe?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass der Begriff "Sex ohne Liebe" für mich in dem Zusammenhang etwas verwirrend erscheint. Denn anders als beim One Night Stand, sind sich Friends with Benefits nicht völlig fremd. Vielmehr handelt es sich durchaus um zwei Menschen, die Gefühle für einander hegen. Wenn es dann vielleicht sogar Menschen sind, die sich schon lange kennen, ist es etwas vermessen, von Lieblosigkeit zu sprechen. Wir alle wissen, dass man auch Liebe für seine Freunde empfinden kann. Oder man zumindest eine emotionale Bindung zum anderen hat. Völlig gefühlsfrei ist das ganze Thema also nicht. 

Liebesleben
Alexander Scherb

Alex ist Germanist mit Leidenschaft und bei der Petra für die Themen Sex und Liebe zuständig. Was ihn daran fasziniert? Ganz einfach: Nichts kann so schön aber auch so schmerzvoll sein.

 Mittlerweile wird ja oft genug postuliert, dass eine Freundschaft zwischen einem Mann und einer Frau durchaus möglich ist. Der Gedanke, dass Männer und Frauen nur durch sexuelle Anziehung zueinander finden, ansonsten aber nichts miteinander teilen, gilt als überholt und rückständig. Komischerweise ist es gerade die neu aufkommende Form der Friends with Benefits, welche eine Lanze für dieses "rückständige" Denken bricht. Denn es lässt sich wohl nicht abstreiten, dass diese besondere Art der Freundschaft hauptsächlich zwischen Männern und Frauen praktiziert wird. Natürlich wird es auch die einen oder anderen homosexuellen Friends with Benefiits geben. Ich meine hier allerdings nur die Freundschaft zwischen heterosexuellen Personen. 

Und ist es nicht seltsam, dass einerseits Freundschaft Plus immer größeren Anklang findet und andererseits behauptet wird, dass auch eine nicht sexuelle Freundschaft zwischen den Geschlechtern möglich ist? Beide Aussagen stehen meiner Meinung nach im krassen Gegensatz zueinander. Anscheinend ist es bei unterschiedlichen Geschlechtern eben doch nicht so einfach möglich nur platonisch befreundet zu sein. Dies steht natürlich im Kontrast zu einer Freundschaft gleichgeschlechtlicher Menschen. Ich kenne keinen heterosexuellen Mann (mich eingeschlossen), der just for fun mit seinem besten Kumpel geschlafen hat.  

Freundschaft mit Intimität: Geht das gut?

Als Mann in einem gewissen Alter habe natürlich auch ich schon Friends with Benefits im Freundeskreis gehabt und auch schon selbst erlebt. Und ich kann nur jedem davon abraten, der jetzt mit diesem Gedanken spielt. Klar, es klingt alles so toll. Man hat Spaß zusammen, man versteht sich gut und trotzdem hat man keinerlei Verpflichtungen. Die Vorteile einer Beziehung ohne die Nachteile. Die Wahrheit ist allerdings eine völlig andere. Meist geht Freundschaft Plus nur so lange gut, bis einer von beiden sich in eine dritte Person verliebt oder eine Affäre mit einer dritten Person beginnt. Schnell fühlt sich der andere betrogen, ja sogar verletzt. Als würde die Person Fremdgehen oder hätte einen Seitensprung. Ein Anrecht auf diese Gefühle hat der- oder diejenige allerdings nicht.

Doch warum ist das so? Ich denke, diese Empfindungen kommen deswegen auf, weil eine Freundschaft Plus eben doch nicht völlig ohne Emotionen abläuft. So sehr man sich das vielleicht vorher gesagt oder man es sich vorgenommen hat. Man darf nicht vergessen, was man miteinander teilt. Der gemeinsame Orgasmus, das gemeinsame Erleben der Sexualiät, die Offenbarung der eigenen Leidenschaft. Das alles sind sehr intime Dinge, die man vielleicht eben nicht mit jedem teilen sollte. Eben auch nicht mit dem besten Freund oder der besten Freundin. Manche Dinge sollten vielleicht doch – auch bei der innigsten Freundschaft – im Verborgenen bleiben. 

Freundschaft Plus mit Folgen

Nun mag ich mit meiner Annahme falsch liegen. Meine Erfahrungen haben mich aber eben genau dies gelehrt. Ich finde das Aufkommen von Gefühlen auch überhaupt nicht verwerflich. Liebe, Erotik und Lust sind mächtige Gefühle, die man niemals unterschätzen sollte und für die man sich auch nicht zu schämen braucht. Lustigerweise sind es unter meinen Bekannten tatsächlich eher die Männer, welche mit Verliebtheit und der Trennung zwischen Liebe und Sex zu kämpfen haben. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich schon Freunde trösten musste, die sich im Laufe einer Freundschaft Plus eben doch in die "nur Freundin" verliebt haben. Und dann am Boden zerstört waren, als sie auf die harte Tour erkennen mussten, dass ihre Gefühle nicht erwidert werden. Natürlich erliegen auch Frauen diesem allzu starken Gefühl von Liebe und Romantik.

Deswegen kann ich am Ende nur eine Warnung aussprechen. Friends with Benefits geht niemals gut. Eine Seite wird über kurz oder lang immer verletzt. Man muss sich fragen, ob der Kick einer solch besonderen Freundschaft das anschließende Leid wert ist. Denn eines ist klar: Niemand mag es, wenn ein guter Freund oder eine gute Freundin leidet. Wenn man dann auch noch selbst daran die Schuld trägt, ist das Gefühlschaos vorprogrammiert. Zudem verliert man ja meist noch einen Menschen, mit dem man sich vorher gut verstanden hat. Wenn Sie also vor der Situation stehen sich das Bett mit einem Freund zu teilen, gehen Sie auf Nummer sicher, dass dies auch wirklich ein gutes Ende nehmen wird. Und ob Sie notfalls auf die Person als Freund verzichten können. 

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Schlagworte
Freundschaft | Liebe | Liebe Home | Sex
Autor
Alexander Scherb