Sex-Kolumne

Sex gegen Bezahlung Träumt wirklich jeder Mann von einem Leben als Callboy?

Der Callboy: Bezahlter Sex mit Männern

Ich denke jeder Mann kennt das: Man sitzt in einer gemütlichen Runde zusammen, hat schon ein paar Bierchen getrunken und das Nächste steht schon vor einem. Das Thema der Gruppe landet bei Sex und plötzlich sind sich alle einig: Für Sex bezahlt werden, das wäre was. Man könnte seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen und bekäme sogar noch Geld dafür. Natürlich ist dieser kleine Ausschnitt eines Männerabends stereotyp. Allerdings beherbergt er auch ein gewisses Maß Wahrheit. Tatsächlich scherzt man mal, dass das Leben eines Callboys doch der Himmel auf Erden sein muss. Wirklich ernst meint aber kein Mann seine Worte. Denn garantiert gibt es auch Schattenseiten oder? Um das herauszufinden habe ich einmal nachgefragt.

Das Leben eines Callboys

Alexander Scherb

Alex ist Germanist mit Leidenschaft und bei der Petra für die Themen Sex und Liebe zuständig. Was ihn daran fasziniert? Ganz einfach: Nichts kann so schön aber auch so schmerzvoll sein.

Bernard (Name von der Redaktion geändert) ist 26 und Callboy. Er verdient sein Geld mit dem Beglücken von Frauen. Man kann diesen Beruf nicht mit dem einer Prostituierten gleichsetzen. Bernard muss nicht auf die Straße gehen und Frauen ansprechen. Ein Foto von ihm findet man auf der Webseite seiner Agentur. Zusammen mit 20 anderen Bildern bietet er die Auswahl des Escort-Services. Hier zeigt sich wohl direkt der wichtigste Unterschied zwischen Männern und Frauen. Das weibliche Geschlecht mag es nämlich lieber diskret. Wird er von einer Dame gewählt, trifft Bernard sie meist zunächst in einer Bar oder einer Hotellounge. Hier kann sie erst einmal herausfinden, ob er ihr zusagt. Eigentlich wie bei einem Date, grinst der Callboy. Erst später geht es dann auf ein Zimmer. Die wichtigsten Eigenschaften, sagt Bernard, seine dabei Höflichkeit, Gepflegtheit und Zurückhaltung. Wer nicht höflich ist und zu offensiv an das Treffen geht, ist schneller raus, als er gucken kann. 

Niemals würde sich Bernard als Stricher sehen. Er geht nicht anschaffen. Er gibt den Frauen etwas, was sie sonst nicht bekommen. So kann es auch schon mal sein, dass die Kundin nur reden möchte. Dann hört Bernard zu. So läuft das nun mal im Escort. Zwar habe er schon alle Altersgruppen im Bett gehabt, die meisten Kundinnen seien aber zwischen 35 und 45 Jahren. Gepflegt sind die Frauen immer. Und meistens auch hübsch. Frauen seien immer darauf bedacht, was er von ihnen halte, meint Bernard. So manche Kundin habe einen Partner, der ihr nicht das gibt, was sie benötigt. Zärtlichkeit zum Beispiel. Oder Aufmerksamkeit. Für diese Frauen nimmt sich der Gigolo dann extra viel Zeit. Natürlich nur mit Erlaubnis dieser, denn Bernard ist teuer. 250 Euro kostet er die Stunde. Das vorherige Treffen ist nicht mit inbegriffen und wird pauschal abgerechnet. Schließlich kann es ja sein, dass die Kundin doch kein Gefallen an ihm findet. Allerdings würde das nur sehr selten passieren, gibt Bernard zu verstehen.

Die Schattenseiten eines Callboys

Jetzt mag mancher Mann denken, dass sich dies alles doch gar nicht so schlecht anhört, allerdings gibt es natürlich auch Schattenseiten. Manchmal sei eine Kundin eben doch nicht hübsch oder entspreche einfach nicht seinem Geschmack. Dann konzentriere er sich auf den Teil der Frau, der ihm Gefalle, so Bernard. Sei es der Geruch, die Haare oder die Hände. Denn schließlich müsse er ja seinen Mann stehen. Ob er jemals Potenzmittel genommen habe, frage ich ihn. Bernard schaut angewidert weg. Sowas gäbe es in der Branche, gibt er zu, allerdings habe er das nicht nötig. Mit Selbstkontrolle sei es ihm bisher jedes Mal gelungen seine Kundinnen zufrieden zu stellen. Auch in anderen Momenten ist der Callboy nicht zu beneiden. So wurde Bernard schon für eine BDSM-Swingerparty gebucht. Sein persönlicher Geschmack ist dies allerdings nicht. Aber Geld sei eben Geld. 

Und dies ist nur ein kleiner Teil der Erfahrung, die Bernard schon gemacht hat. Welche anderen Dinge der Callboy erlebt hat, möchte ich gar nicht wissen. Außerdem gibt es da noch eine Sache: Auch wenn die Zahl der Frauen, welche die käufliche Lust suchen, steigt, leben kann Bernard davon nicht. Hauptberuflich ist er Versicherungsangestellter. Zudem muss ein Callboy eine hohe Reisebereitschaft besitzen. Denn die Kundschaft kommt aus ganz Deutschland. Ob auch schon Männer seine Dienste in Anspruch nehmen wollten, frage ich ihn. Bernard bejaht, allerdings habe er diese Angebote immer abgelehnt. Schließlich sei er nicht schwul oder bi. Zuletzt frage ich ihn, ob er eigentlich eine Beziehung habe. Der 26-Jährige verneint. Das ginge gar nicht. Er wüsste überhaupt nicht, wie er seiner Freundin dies klarmachen sollte. Zudem habe er auch gar kein Interesse an einer Beziehung. Das Geschäft mit dem Sex verlangt eben auch Opfer.

Am Ende verlasse ich Bernard mit gemischten Gefühlen. Einerseits scheint sein Beruf bei weitem nicht so schlimm zu sein, wie der seiner weiblichen Pendants. Andererseits möchte ich mir meine Sexpartner selbst aussuchen und nicht auf Abruf bereitstehen. Apropos: Zwar kann ein Callboy mal einen Auftrag ablehnen, zu oft sollte dies allerdings nicht vorkommen. Denn natürlich verdient auch die Agentur mit den Callboys ihr Geld. Nach einem Blick hinter die Kulissen bin ich mir sicher: Das Leben eines Callboys? Für mich wäre das nichts.

Promotion
Anzeige
Schlagworte
Frauen | Kolumne | Liebe Home | Lust | Sex
Autor
Alexander Scherb