Liebe & Psyche

Freundschaft und Liebe Meine Freundin, ihr Mann und ich

Paar mit unbegeisterter Freundin

Jens ist wie das pinke, viel zu enge Etuikleid in meinem Kleiderschrank: grell, etwas geschmacklos, zwickt hier und da, und egal, was ich versuche: Er passt mir nicht. Seine Kalauer, die haarscharf an Beleidigungen vorbeischrammen, die Art, wie er sich Beifall heischend umblickt, das Nichtlocker-lassen-Können, selbst wenn ich das Thema wechsle. Wäre ja nicht weiter schlimm. Rangiere ich Jens aus meinem Leben eben aus wie den Fehlgriff aus meinem Kleiderschrank. Doch er klebt an mir wie ein nerviger Trend, den ausgerechnet meine Freundin Cécile total hip findet. Denn: Jens ist nicht irgendwer, er ist ihr Freund. Dem sie nicht von der Seite weicht, mit dem sie Reihenhäuser besichtigt und zu dem sie demnächst Ja sagen will. Oh nein! Wir haben sie uns nicht ausgesucht, trotzdem führt an ihnen kein Weg vorbei: die Männer unserer Freundinnen. Meist sind es nette Kerle, manchmal sogar echte Schmuckstücke. Aber ab und zu leider Typen, bei denen man schon beim ersten Händeschütteln denkt: Was findet sie nur an dem? Merkt sie nicht, dass sein Humor nicht mal mehr in Ostfriesland ankommt? Oder er sich selbst für den Größten hält, und dahinter kommt erst mal lange nichts? Nein, tut sie nicht. Sie sieht ihn rosarot. Fehlerlos. Verliebt.

Beste Freundin
Die beste Freundin

Warum mag meine Freundin einen Mann den ich nicht leiden kann?

Aber: "Man erlebt nur seine Vorderansicht, die Freundin kennt auch die Rückseite", sagt Barbara Berckhan, Kommunikationscoach und Autorin von "Wie Sie anderen den Stachel ziehen, ohne sich selbst zu stechen" (G&U, 14,99 Euro). Die Freundin weiß, dass sein Hang zur Erbsenzählerei dafür sorgt, dass stets ihr Lieblingsjoghurt im Kühlschrank ist. Oder hat zu schätzen gelernt, dass man mit dem schluffigen Typ wunderbar in den Tag hineinleben kann. "Es bringt nichts, zu sagen, er soll sich ändern. Macht er eh nicht", meint Barbara Berckhan. "Fragen Sie sich lieber: Wieso hakt der bei mir so ein? Was tut der mir wirklich?" Meist ist es nicht mehr, als dass er enttäuscht. Dass er nicht dem entspricht, was man sich für die Freundin wünscht. "Man identifiziert sich mit der Freundin und fragt sich: Würde ich den auch nehmen?", so die Kommunikationstrainerin. "Die Antwort ist oft: Nein, und ich will auch nicht, dass sie ihn nimmt." Dabei vergisst man: Auch wenn sie die beste Freundin ist, sie ist ein eigenständiger Mensch. Die eben giftgrünen Wackelpudding hinunterschlingt (igitt!) und der es schmeichelt, wenn ein Mann im Restaurant für sie bestellt (Macho!). Hinzu kommt: "Oft dockt ein Mann an ein Bedürfnis an, das Sie als Freundin gar nicht kennen", sagt Lisa Fischbach, Diplom-Psychologin und Paartherapeutin bei ElitePartner. "Er aktiviert den Intimitätsbereich, der Ihnen verschlossen bleibt." Und in dem braucht sie vielleicht einen Kerl, der ihr zeigt, wo es langgeht. Auch wenn sie sich sonst gut allein zurechtfindet.

Freundschaft mit Paaren

Warum finde ich den Mann meiner Freundin so doof?

Vielleicht trifft ihr Geht-gar-nicht-Typ einen aber auch an einer verletzlichen Stelle. Wirkt genauso unreif wie der eigene Exfreund, über den man noch nicht hinweg ist. Stiehlt Zeit mit der Freundin, die einem auch nachts um drei Uhr zugehört hat. Oder er erwischt einen in der eigenen Oberflächlichkeit, mit einem Musikgeschmack, der eher zu Stefanie Hertel als zur besten Freundin passt. Alles Gründe, ihn nicht zu mögen – für die er aber nichts kann. Mit denen man also versuchen muss klarzukommen. Indem man sich in Toleranz übt. Und indem man ihm eine zweite, dritte und – ist es die Freundin wert – zehnte Chance gibt. "Manche Männer entpuppen sich, wenn man aktiv was unternimmt", so Berckhan. Plötzlich ist derjenige, der im Restaurant noch mit Wein-Wissen genervt hat, ein Kochfan, mit dem es Spaß macht, Vier-Gänge-Menüs zu zaubern. Der stumme Fisch ist König im Radflicken, der elendige Witzbold ein Filmfan. Und man versteht ein Stück weit mehr, was an ihm fasziniert.

Was kann ich tun, wenn ich den Mann meiner Freundin nicht leiden kann?

Doch wenn nicht? Muss man gute Miene zum bösen Typen machen? "Natürlich darf Ihre Freundin wissen, inwieweit Sie nicht mit ihrem Mann zurechtkommen", räumt Berckhan ein. Nicht sofort, aber nach ein paar Monaten, wenn keine Besserung in Sicht ist. "Ich kann ihn nicht ausstehen" ist keine gute Ansage, besser ist: "Du musst mir für ihn mal eine Gebrauchsanweisung geben." Ich habe ein Problem, hilf mir. Statt: Du hast dir den Falschen ausgesucht. Vielleicht rückt sie dann sein Macho-Gehabe in ein anderes Licht ("Er quatscht nicht nur, er packt auch an"). Oder man erkennt, dass seine Wortkargheit bedeutet, er redet nicht gern über Belangloses. Was an sich doch sympathisch ist. Womöglich sagt sie auch schlicht und ergreifend: Ich weiß, aber mich stört’s nicht. "Vielleicht hilft Ihnen das, sein Verhalten auch nicht mehr so hoch zu hängen. Sich nicht zu stressen, nur weil er Ihnen nicht ins Konzept passt", gibt Barbara Berckhan zu bedenken.

So sagen Sie es Ihrer Freundin...

Auf diese Art überbrückt man sogar die anfängliche Verliebtheit der Freundin, die man ihr auf keinen Fall madig machen sollte. Fragt sie schon nach dem ersten Treffen: "Und, wie findest du ihn?", muss man nicht lügen, darf sich aber heraus reden. Wer sich zu einem "Meinen Segen hast du" nicht verbiegen mag, kann mit "Er ist ganz anders als die Männer, die du sonst hattest" ein bisschen Argwohn (oder Verwunderung) durchblicken lassen – aber mehr auch nicht. Paartherapeutin Fischbach rät davon ab, sich einzumischen. Auch wenn die Freundin bei ihm zum Mäuschen mutiert oder über den Haufen wirft, was ihr mal wichtig war. "Jeder zieht seine eigene Beziehungsbilanz, die Maßstäbe der Freundin bleiben einem oft verschlossen." Erst wenn sie selbst andeutet, dass das Leben mit ihm nicht nur eitel Sonnenschein ist, darf man reden. Aber behutsam. Ansonsten gilt: Man muss da durch. "Für Ihr eigenes Seelenheil und für das Ihrer Freundin ist es gut, ein Arrangement zu finden", sagt Coach Berckhan. Das fängt damit an, ihren Partner so zu begrüßen wie alle anderen. Und mündet in der Wahl eines Gesprächsthemas, bei dem man nicht ständig mit den Augen rollt. Klappt alles nicht, bleibt der Nichtangriffspakt. Und der vertretbare Wunsch an die Freundin: Lass uns allein treffen.

Paar mit Ex im Kino
Die Freundin und der Ex

Und was, wenn ich den Mann meiner Freundin toll finde?

Aber darf man auch sagen: Ich will mich mit deinem Freund treffen? Denn es kann ja ganz anders kommen: Man ist sofort mit ihm auf einer Wellenlänge, lacht gemeinsam über verrückte YouTube-Videos, mag dieselben Nouvelle-Vague-Filme. Und könnte sich vorstellen, im Partner der Freundin einen Kumpel zu finden. "Treten Sie aufs Bremspedal!", warnt Paartherapeutin Fischbach. Zuerst gilt ohnehin, auf die Gefühle der Freundin zu achten. Nimmt sie es locker, wenn man mit ihrem Mann ins Kino geht, darf man es tun – aber nicht, ohne vorher zu fragen! Gefährlich ist es trotzdem. "Jede Beziehung zu einem Mann funktioniert auf drei Ebenen: der erotischen, freundschaftlichen und partnerschaftlichen", so Fischbach. "Geht es um den Mann der Freundin, wirkt erst mal ein Dämmstoff, der nur sein Freundschaftspotenzial durchblicken lässt. Der Rest ist besetztes Terrain." Lernt man ihn aber besser kennen, kann es sein, dass man den Mann hinter dem Kumpel entdeckt. Und sich – schrecklich! – in ihn verliebt. Keine Sorge, die Gefahr bestand bei "Oh nein!"-Jens und mir nie. Ein Nichtangriffspakt war aber auch nicht nötig. Denn, das habe ich irgendwann ganz von allein gemerkt, er hat eine Qualität, die ist nicht zu überbieten: Er macht meine Freundin glücklich. Und was will ich eigentlich mehr?

Hilfe! Meine Mädels mögen meinen Freund nicht

Wie man damit klarkommt - in drei Schritten:

1. Bei sich bleiben: Verständlich, dass Sie enttäuscht sind, wenn Ihr Traummann nur Achselzucken erntet. "Aber: Andere müssen ihn ja nicht lieben", sagt Lisa Fischbach. Schminken Sie sich ab, Everybody’s Darling sein zu wollen. Sie sind verliebt, und das zu Recht.

2. Nähe herstellen: Verständlich, dass Sie Ihren Freund anderen näherbringen wollen. Aber arbeiten Sie sich daran nicht ab! Vielleicht finden Sie ja einen netten Anlass, bei dem Ihre Mädels ihn von seiner überzeugenden Seite kennenlernen können. Fragen Sie nach, was genau an ihm so stört. Vielleicht können Sie ein Missverständnis aus der Welt räumen.

3. Kompromiss finden: Nützt das alles nichts, schließen Sie Frieden damit. Treffen Sie Ihre Freundinnen allein. Aber machen Sie ihnen klar: Ich liebe ihn, gewöhnt euch daran. Wenn Sie sie trotzdem alle, etwa an Ihrem Geburtstag, dabeihaben wollen, beziehen Sie sie mit ein: "Ich will, dass ihr euch wohlfühlt, was würde euch entspannen?" Freunde müssen so einen Abend auch mal aushalten, Ihnen zuliebe. Bitten Sie sie darum, mit dem Zusatz: Wenn es euch nach zwei Stunden stinkt, könnt ihr ja gehen.

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Schlagworte
Beziehung | Freundschaft | Liebe | Männer | Psychologie
Autor
Christine Ritzenhoff