Liebe & Psyche

Liebe Urlaubsliebe: Warum sind Frauen in den Ferien so anders?

Paar verliebt im Auto

Tote Vögel zwitschern nicht, und Frauen im Stress können sich nicht verlieben. Denn mal ehrlich: Was sonst macht Enrique, den Surflehrer auf Fuerteventura, attraktiver als Markus, den netten Typen aus der IT, wenn nicht die Urlaubsbrille? Beamen wir Markus mal in die Szene mit Beach, Board und altem VW-Bus – schon hätte er auch eine Chance. Nicht weil IT-Markus auf einmal viel heißer wäre, sondern weil wir Frauen in den Ferien anders drauf sind. So frei, so unkompliziert, so Bier am Beach. Wir erlauben uns, was uns fehlt im Alltag zwischen aufstehen, busy sein und wieder schlafen gehen. Diese Jungs im Urlaub müssen keine Bausparverträge mit uns abschließen oder unsere zukünftigen Kinder erziehen. Sie müssen einfach nur da sein, den Strand auch super finden und uns den Sonnenuntergang verschönern. Aber wie ist das für diese Jungs? Drei Autoren haben mal aufgeschrieben, was man mit Frauen in Ferienlaune so erleben kann. Und wir versprechen: Jetzt lesen Sie schräge Komödien und kleine Tragödien. Alles das, was Ferienlieben eben so sind

Sexy an den Strand
Sexy am Strand

SIE FAND MICH IRGENDWIE „SEXY UND MYSTERIÖS“…

CHRISTOPH KOCH, AUTOR DES BUCHES „CHROMOSOM XY UNGELÖST“ ÜBER EINE FRAU, DIE IHN LIEBTE, BIS ER SIE BESUCHTE

Ferienliebe – das bedeutet in der Regel, dass man irgendwo hinfährt, wo es schöner ist als zu Hause. Dass man sich dort selbst schöner findet als zu Hause und jemanden kennenlernt, den man für schöner hält als das, was man zu Hause zu sehen bekommt. Bei mir war es so ziemlich das genaue Gegenteil. Ich blieb zu Hause – und wurde die Ferienliebe für jemand anderen. Dabei war ich weder Skilehrer in den Alpen noch Animateur in einem karibischen Resort. Ich machte Zivildienst in einer bayrischen Kleinstadt. Doch für Nicole, die aus Kanada für ein paar Wochen in diese Kleinstadt gekommen war, war all das, was mir langweilig, eng und provinziell erschien, die große weite Welt. „Du hattest etwas an dir, das mysteriös und sexy war“, schrieb sie mir später über unsere erste Begegnung auf einer Grillparty im Garten eines Reihenhauses. Mysteriös und sexy. Das hatte mir so noch nie jemand gesagt. Was vermutlich damit zu tun hatte, dass ich nicht mysteriös und sexy war. Auf Frauen wirkte ich für gewöhnlich so attraktiv wie ein Zahnarztbesuch. Ich verstand damals nicht, was Nicole an mir fand. Heute weiß ich, dass sie mich ganz einfach durch die rosa Brille sah, die alle Ferienliebenden aufhaben. Für mich war es selbstverständlich, dass wir Bier tranken, obwohl wir noch nicht 21 waren – für sie war es ein Akt der Rebellion und Freiheit. Auf der nach oben offenen Wildheitsskala ungefähr ein Strich unter Woodstock. Beide gleichermaßen aufregend fanden wir vermutlich den heimlichen Sex im Wohnzimmer ihrer Gastfamilie, während diese ein Stockwerk weiter oben schlief. Es gab damals weder Facebook noch Skype, und so schrieben wir uns nach ihrer Abreise eine Weile Luftpostbriefe hin und her. Dann fasste ich mir ein Herz und buchte für ein kleines Vermögen einen Flug nach Kanada. Dort trug ich die rosarote Brille der Ferienliebe – Nicole hatte sie jedoch leider abgelegt. Am dritten Tag meines Besuchs war es vorbei zwischen uns. Dumm nur, dass mein Rückflug erst in drei Wochen ging und ich zu pleite für eine kostspielige Umbuchung war. Das einzig Positive an dieser Reise: Nicoles Exfreund, den sie wegen mir verlassen hatte. Statt mir, wie ich befürchtet hatte, mit einer kompletten Eishockeymannschaft aufzulauern und mich zu verprügeln, zeigte er mir die Stadt und nahm mich mit zu den besten Partys. Nach drei Wochen gingen wir als gute Freunde auseinander. „Wenn Frauen auf Reisen sind, verwandeln sie sich immer ein wenig in einen anderen Menschen“, sagte er mir zum Abschied. Ich fragte, ob das ein kanadisches Sprichwort sei. „Quatsch“, sagte er. „Das weiß doch jeder. Oder?“

SIE WAR SO SCHÖN OFFLINE VON ALLEN ZUKUNFTSSORGEN

KAY FRANKE , AUTOR UND STUDIERTER MEDIZINER, ÜBER LÜGEN, DIE DIE FERIEN ÜBERLEBEN, DEN HEIMFLUG ABER  NICHT

Es war der Sommer, als ich zum zweiten Mal durchs Physikum gerasselt war. Wenn Pech im Job Glück in der Liebe bedeutet, sollte ich Ferien machen, dachte ich mir und stieg in den Flieger nach Rom.Ich war noch keine zehn Minuten am Piazza di Spagna, als mir von hinten eine Hand auf mein verwaschenes Hertha-BSC-Shirt tippte. „Du bist auch aus Berlin?“ Carla war Ende zwanzig, dunkelbraun gelockt und, wie ich fand, schärfer als jedes Skalpell, das ich je in der Hand hatte. Als wir uns mit einer Flasche Chianti auf die Spanische Treppe setzten, schlug mein Herz bereits so laut, dass es selbst der angeschlagenste aller Päpste ohne Stethoskop gehört hätte. Und dann geschah, was bei vielen Männern passiert, wenn sie eine Frau wollen: Der innere Autopilot schaltete in den Beeindruckermodus. Ich erzählte von meinen Fussballerfolgen, von meinen Partynächten in Berlin und vom stressigen Alltag, der diesen Urlaub überhaupt erst nötig machte. Artig stellte sie die provozierte Frage. „Was machst du denn beruflich?“ „Tu es nicht!“, schrie mein Gewissen. „Es ist keine Lüge, es ist die zukünftige Wahrheit!“, protzte mein Ego. Geiles Argument, fand ich, und ließ mich vom Kollegen Ego überzeugen. „Ich bin Chirurg.“ Sie war nicht so beeindruckt, wie mein angeschlagenes Selbstbewusstsein gehofft hatte, aber sie schien es recht lässig zu finden. Alles war so anders als zu Hause. Nicht nur, dass ich plötzlich McDreamy war und nicht mehr der Idiot, der mal wieder alles in den Sand gesetzt hatte. Das Besondere war Carla. Nichts an ihr war gestresst. Sie war einfach nur da und bekam diese unfassbaren Grübchen, wenn sie lachte. Alle Frauen, die ich kannte, hatten sechzehn Stunden am Tag ein Smartphone in der Hand. Carla hingegen schien offline von allen Zukunftssorgen zu sein. Ihre Hände waren frei und umarmten mich den Rest der Nacht. Ich verknallte mich bis zum Mond und wieder zurück. Weil es so leicht war. Ich hielt ihre Hand, als wir eine Woche später gemeinsam im Taxi zum Flughafen fuhren. Es hatte mich so richtig erwischt. Das hier sollte nicht mit den Ferien aufhören, es sollte weitergehen. Leider war ich auch immer noch ein Hochstapler. In zehn Kilometer Höhe saßen wir vor einem Klapptisch und teilten uns ein in den Flieger geschmuggeltes Fleischbällchen. Sie war meine Susi, ich ihr mieser Strolch. „Sag es ihr!“, fluchte mein Gewissen. „Halt die Fresse!“, brummte mein Ego. Doch dann ertönte eine dritte Stimme über den Lautsprecher. „Ist ein Arzt an Bord?“ Carla sah mich an. Und ich? Stammelte „Es ist irgendwie … na ja … theoretisch bin ich … in ein paar Jahren …“. „Verstehe“, sagte Carla. Sie stand auf, meldete sich der Stewardess als Internistin und zog einem hustenden Passagier eine halbes Käsebrot aus der Luftröhre. „Ich wollte nur eine Woche lang mal nicht die tolle Ärztin sein“, sagte sie kurz vor der Landung. „Na, dann passen wir doch perfekt zusammen!“, versuchte ich es noch. Sie fand das wohl nicht ganz so lustig, und am Kofferband gab es einen letzten, ganz ehrlichen Kuss. Game over.

Verliebtes Paar im Urlaub
So gelingt der Paar-Urlaub

DIE MASKE FIEL, UND ICH FAND SIE NUR NOCH NERVIG

MAXIMILIAN REICH, AUTOR UND VERLOBT, SCHREIBT, WARUM FRISCH VERLIEBT VERREISEN EINE FRAU ENTZAUBERN KANN

Pärchen-Urlaub ist wie Kommunismus – tolle Idee, aber scheitert in der Praxis. Anna und Sophie wollten mit Finn und mir an den Gardasee fahren. Wir kannten die beiden erst seit ein paar Wochen und waren ein paarmal zusammen feiern. Wir waren scharf auf sie. Ich auf Anna. Finn auf Sophie. Hauptsächlich weil sie hübsch waren, genauso gerne Tequila tranken und über unsere Witze lachten. Mein größter Fehler seit dem experimentellen Glatzen-Haarschnitt. Was einem nämlich zum Beispiel keine Frau beim Twerken auf der Tanzfläche erzählt: dass sie gerne arschfrüh aufsteht und in der Lautstärke eines Presslufthammers „Let’s Get Loud“ von Jennifer Lopez hört, während sie auf dem Balkon ihre Morgengymnastik macht. Hier eine Info für alle Frauen: Es gibt genau zwei Anlässe, zu denen Männer an einem freien Tag früh aufstehen: der Formel-1-Auftakt in Australien und wenn der Spediteur mit dem neuen 55-Zoll-Fernseher klingelt. Aber „sonst verschläft man doch den ganzen Tag“ (Zitat Sophie) gehört nicht dazu. Am ersten Urlaubstag nimmt man so was noch mit aufgesetztem Sparkassen-Lächeln hin – am vierten Tag googelt man, welche Höchststrafe auf Totschlag steht. Und was unternimmt man nach dem Aufstehen? Finn und ich wollten in den Aquapark, die Mädels stimmten für eine Sightseeingtour (zur Erinnerung: Wir waren am Gardasee! Ein Ort mit so viel Sehenswürdigkeiten wie ein Hallenbad in Rüsselsheim). Das ist überhaupt das Schlimmste am Urlaub: dass man sich kennenlernt. So wie wir Anna und Sophie in den nächsten zehn Tagen kennenlernen durften. Dazu gehörten die Erkenntnisse, dass Anna und Sophie der Meinung sind, dass ein echter Mann niemals eine Frau für irgendwas zahlen lässt. Dass es gaaar nicht lustig ist, wenn man beim Rummikub mogelt. Und dass mit zwei Jungs in den Urlaub zu fahren, nicht bedeutet, dass sie mit ihnen auch schlafen würden. Was ich in München noch irgendwie ganz süß fand, brachte mich in Italien auf die Palme: Anna fand alles, wirklich alles, „lecker schmecker“. Die Krabben- Pasta war „lecker schmecker“, das Spaghetti-Eis war „lecker schmecker“, selbst das Wetter war „lecker schmecker“. Auf den Urlaubsfotos, die die beiden später posteten, sieht man von alledem natürlich nichts. 52 Freunde klickten auf „Gefällt mir“. Wir waren nicht dabei. Seitdem verreise ich nur noch mit Kumpels. Mal gucken, wie ich das meiner Verlobten mit den Flitterwochen beibringe…

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Schlagworte
Beziehung | Liebe | Reise | Urlaub
Autor
Stefanie Lindenberger