Liebe & Psyche

Liebe Um die Liebe kämpfen - lohnt sich das?

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Was kommt, wenn die Liebe geht? Tränenreiche Tage, wütende Ausbrüche, teure Telefonate mit Freundinnen. Und tröstende Worte: „Du vergisst ihn besser“ oder „Er ist es nicht wert“. Aber was, wenn er es doch ist? Manchmal stehen die Umstände der Liebe im Weg. In Form einer anderen Frau, einem Streitpunkt, an dem man sich festgebissen hat oder einer Verletzung, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Das alles ändert jedoch nichts an den eigenen Gefühlen. Wie also sich verhalten, wenn vieles dagegen spricht, aber man insgeheim weiß: Das ist der Mann für mich? „Zu seinen Gefühlen stehen und damit offensiv umgehen“, meint Dr. Elisabeth Nicolai, Paartherapeutin und Dozentin der Uni Heidelberg. Und widerlegt damit das Credo unserer Großmüttergeneration: Straßenbahnen und Männern sollte man nicht hinterherlaufen.

Wenn Liebe eine faul macht
„Lieben heißt, offen und ehrlich zum anderen zu sein. Also auch auf den Mann zuzugehen, wenn man das Bedürfnis hat. Allerdings in dem Bewusstsein, dass er nein sagen könnte“, so die Paartherapeutin. Und das gilt für alle Phasen der Liebe. In jeder Beziehung, ob ganz am Anfang oder nach Jahren, können Hindernisse auftreten, die man überwinden muss. Bestenfalls gemeinsam. Manchmal ist aber auch einer gefordert, für beide die Initiative zu ergreifen. Sonst bewegt sich nichts. Diesen Schritt immer dem Mann zu überlassen mag der passiven Haltung unserer Großmütter entsprechen – zu unserem Selbstbild passt er nicht. Wer still hofft, dass der Chef ihm die Gehaltserhöhung aufdrängt, wer nur zusieht, während andere sich von Position zu Position nach oben hangeln, kommt nicht weiter. Das wissen wir. Und genauso wenig bringt es, jeden Abend auf dem gleichen Barhocker zu sitzen und den Barkeeper anzuhimmeln, in der Hoffnung, dass er uns mit dem nächsten Drink auch seine Telefonnummer reicht. „Ich will mehr!“ – wer sich dessen sicher ist, darf sich auch dafür einsetzen. Sei es, um auf sich aufmerksam zu machen, die kriselnde Beziehung zu retten oder den Ex zurückzugewinnen. Wichtig ist, dass man für sich selbst handelt und nicht, um den anderen zu manipulieren. Dass man seine Gefühle überprüft: Warum man gerade diesen Mann will und ob man bereit ist, die Konsequenzen, die das eigene Handeln haben kann, auch zu tragen. Die positiven und die negativen.

Fünf Situationen und wie Sie am besten mit ihnen umgehen:

1. Er weiß nichts von Ihren Gefühlen

Womit wir wieder in der Bar wären, den Barkeeper fest im Blick. Oder im Büro, beim neuen Kollegen. Oder überall sonst, wo man den Mann fürs Leben kennen lernen kann – wenn er einen bemerkt. „Wer in dieser Phase aktiv werden will, sollte dies Schritt für Schritt tun. Wenn nur ich gebe und der andere nimmt, wird das in Zukunft möglicherweise auch so bleiben“, so Dr. Nicolai. Also die Reaktion des anderen abwarten. Auch wenn es schwerfällt. Sind Sie mutig und selbstsicher, können Sie direkt auf den Mann zugehen. Ihn ansprechen und sehen, wie er reagiert. Blockt er ab, verbuchen Sie es als Übung für den Richtigen. Sind Sie der vorsichtigere Typ, sammeln Sie erst mal Informationen: Ist er Single, sieht man ihn oft mit wechselnden Frauen, welche Interessen hat er? So klärt sich oft schon im Vorfeld, ob und wie Sie weiter vorgehen können. Haben Sie seine Telefonnummer, können Sie ihm eine SMS schicken. Allerdings lässt sich in 120 Zeichen nicht viel sagen. Ein Brief oder eine E-Mail lassen mehr Raum. Und man kann noch mal eine Nacht darüber schlafen, bevor man sie abschickt oder abgibt. Versuchen Sie danach, zwei Wochen nicht daran zu denken. Warten macht nur nervös, und eine Antwort darf ein paar Tage dauern. Hat er sich allerdings bis dahin nicht gemeldet: Vergessen Sie’s. Und keine Scheu, ihm bei der nächsten Begegnung in die Augen zu sehen. Es ist besser, etwas zu versuchen und souverän zu scheitern, als darüber nachzudenken, was gewesen wäre, wenn ...

2. Er sieht Sie als Affäre

„War schön“, sagt er. Zieht sich an und geht. Vielleicht zu seiner Frau oder Freundin oder einfach nur nach Hause. Und man bleibt zurück in einer Wohnung, die leerer ist als sonst. Das kann nach einem One-Night-Stand passieren oder nach einem Jahr unverbindlicher Treffen – auch wenn man sich anfangs doch ganz sicher war, dass man selbst nichts anderes will als Sex. Der Kerl bedeutet einem plötzlich etwas. Aber wie soll man ihm das sagen? Soll man ihm das überhaupt sagen? „Auf jeden Fall – wenn man bei sich selbst bleibt und nur von den eigenen Gefühlen spricht, ,Ich‘-Botschaften sendet“, so die Paartherapeutin. Versuchen Sie, nichts in sein Verhalten hineinzuinterpretieren. Und prüfen Sie Ihre Gefühle: Wollen Sie mit diesem Mann wirklich täglich einschlafen? Ihn Ihren Freunden vorstellen und mit ihm Pläne für die Zukunft schmieden? Falls ja, machen Sie ihm Ihren Standpunkt klar. Sagen Sie ihm, dass Ihr Interesse über das Sexuelle hinausgeht. Egal, wie er reagiert – es wird zu einer Veränderung führen. Will er nicht, dass die Beziehung verbindlicher wird, entscheiden Sie für sich, ob Sie so weitermachen möchten wie bisher. Kommt er Ihnen entgegen, umso besser. In beiden Fällen sind Sie raus aus der Defensive.

3. Er bremst die Entwicklung der Beziehung

Sie haben ihn gefunden: den Mann, an dessen Seite Sie sich geborgen fühlen, mit dem der Sex auch nach Jahren keine Pflichtveranstaltung ist und der Sie nach einem stressigen Tag mit seiner Umarmung beruhigen kann. Haltbares Glück, eigentlich perfekt. Aber wie geht’s weiter? Wenn’s nach ihm geht, gar nicht. Zusammenziehen möchte er nicht. Oder Heiraten. Oder Kinder. Sie aber fühlen sich bereit für den nächsten Schritt. „Treten Sie mit Ihrem Mann in einen Dialog“, sagt Dr. Nicolai. „Fragen Sie ihn nach seinen Zielen, seiner Lebensplanung. Die kann nach einigen Beziehungsjahren eine ganz andere sein als zu Beginn. Und eine andere als Ihre.“ Vielleicht hat Ihr Partner gerade einen wichtigen Karriereschritt geschafft. Dann wird er diesen Erfolg ein paar Jahre ausleben wollen, statt sich der Familienplanung zu widmen. Oder Sie verbringen so viel Zeit bei ihm, dass er gar nicht mehr realisiert, dass Sie für Ihre Wohnung noch Miete zahlen. Wenn Sie Veränderung wünschen, ist es auch an Ihnen, das anzu- sprechen. Das erfordert Mut, denn es kann bedeuten, dass Sie feststellen: von seiner Seite wird es keine Entwicklung geben. Dann sollten Sie sich überlegen, ob er noch der Richtige für Sie ist. Oder ob Sie nicht lieber mit einem Mann leben möchten, der Ihren Weg mit Ihnen gehen will – weil er die gleichen Beziehungsziele hat. „Versuchen Sie nicht, ihm eine Veränderung aufzuzwingen. Kompromisse, mit denen einer eigentlich nicht glücklich ist, führen oft zum Scheitern“, warnt Dr. Nicolai. Also nicht heimlich die Pille absetzen, sondern ihm den Vorschlag machen, mal einen Tag mit den Kindern Ihrer Freunde zu verbringen, um herauszufinden, wie es sich anfühlt. Oder vereinbaren, ein Jahr auf Probe zusammenzuwohnen. Nicht, um ihn davon zu überzeugen. Sondern um genau wie er zu testen, ob es wirklich das ist, was Sie wollen.

4. Sie wollen den Ex zurück

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Er ist weg. Oder Sie sind gegangen. Warum auch immer. Mit dem Schmerz über das Scheitern kommen auch Gefühle hoch, die weniger mit der Beziehung als mit Ihnen selbst zu tun haben: verletzter Stolz, Angst vor Einsamkeit oder gekränkte Eitelkeit. „Wenn eine Beziehung endet, sollte man sich die Zeit nehmen, das Erlebte zu verarbeiten“, so Dr. Nicolai. „Achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse. Fragen Sie sich: Was brauche ich jetzt, was tut mir gut?“ So umgehen Sie die Falle, in die viele frisch Getrennte tappen: „Manche Frauen beklagen sich täglich bei ihrer Freundin über den Partner. Wenn die Beziehung zu Ende ist, bekommt sie in der Erinnerung einen Glorienschein.“ Holen Sie sich Feedback in Ihrem Umfeld: Wie war er, wie waren Sie während der Beziehung? Lieben Sie ihn für das, was er für Sie getan hat? Oder für das, was er ist? Im ersten Fall sollten Sie das Ende akzeptieren. Fehlt Ihnen auch noch nach Wochen sein knitteriges Gesicht am Morgen oder das Chaos in der Küche, nachdem er gekocht hat, gehen Sie auf ihn zu. Laden Sie ihn in ein Restaurant ein oder schreiben Sie einen Brief. Lassen Sie ihm Zeit zu reagieren, geben Sie ihm Raum, Ihnen entgegenzukommen. Ist noch Liebe da, so klären Sie, ob sie reicht, um Ihr Miteinander zu ändern, zu verbessern. Eine Trennung ist auch eine Chance – wenn darauf kein Aufguss des Alten, sondern ein neuer Anfang folgt.

5. Er hat eine andere

Sie macht uns Angst, oft noch bevor sie in Erscheinung tritt: die andere Frau. Die, mit der er eine Affäre hat. Oder in die er sich sogar verliebt. Egal, ob sie eine Unbekannte ist oder ob man sie kennt – sie ist eine Bedrohung für die Beziehung. Sicher, zum Fremdgehen gehören zwei. Aber den eigenen Mann kann man einschätzen. Die Konkurrentin nicht. „Über die andere zu lästern, sie schlecht zu machen, heilt keine Beziehung. Mit dem wütenden Angriff verletzen Sie nicht die Neue, sondern Ihren Partner. Und das führt zu keiner konstruktiven Lösung“, meint Dr. Nicolai. Auch vom Untreuen Infos über sie zu fordern hilft wenig. Am liebsten würde man von ihm hören, dass seine Affäre hässlich ist, dumm oder miserabel im Bett – doch der Partner würde die andere eher verteidigen als das zuzugeben. Besser ist, Sie konzentrieren sich auf sich selbst. Tun das, was Ihnen hilft: das konstruktive Gespräch mit dem Partner suchen oder sich zurückziehen. Letzteres aber nicht, um Druck auszuüben: „Entziehe ich mich, weil ich sein Entgegenkommen erzwingen will, versuche ich ihn zu manipulieren. Spüre ich aber, dass mir Abstand gut tut, dass ich mir und ihm Zeit geben will und kann, um zur Ruhe zu kommen, ist es der richtige Weg.“ Vielleicht wird Ihnen dadurch klar, dass Sie nicht verzeihen können oder wollen. Dann halten Sie die Trennung aus. Wollen Sie und Ihr Partner zusammenbleiben, sagen Sie klar, was Sie brauchen, um ihm zu verzeihen. Seien Sie dabei ehrlich: zu ihm und zu sich selbst. Wer sich verleugnet, um eine Beziehung zu retten, muss nicht nur mit dem Betrug des Partners fertig werden, sondern auch noch mit dem Selbstbetrug. Ähnlich wie ein verschuldeter Spieler, der weiter setzt, obwohl er weiß, dass nicht mal der Jackpot das Verlorene wieder wettmachen könnte.

„Ich war für ihn da, bis er zurückkam“ Miriam Rathke, 27

Sie und Ihr Freund hatten eine Krise? Eine schwere. Wir waren nach drei Jahren zusammengezogen, und ich fühlte mich plötzlich eingeengt. Alles schien so endgültig. Dann hatte ich eine Affäre ... Und Sie trennten sich? Er zog aus. Ich begriff, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Wie ging es weiter? Wir trafen uns regelmäßig, versuchten es als Freunde. Bis er mir erzählte, er hätte sich in eine andere verliebt. Da beschlossen Sie, um ihn zu kämpfen? Ja. Ich traf mich weiter mit ihm, war für ihn da. Wir redeten über uns, ich schrieb ihm Briefe, Gedichte, ließ keine Zweifel an meinen Gefühlen. Und dann? Eines Abends sagte er mir, dass er nie aufgehört hatte, mich zu lieben. Seit vier Monaten wohnen wir wieder zusammen. Und sind uns so nah wie noch nie.

"Ich habe eine Schnitzeljagd inszeniert" Sharon Berkal, 27

Sie hatten sich in einen Unbekannten verguckt? Einen Barmann! Ich wusste nichts über ihn, aber wollte ihn unbedingt kennen lernen. Was haben Sie gemacht? Ich habe eine Schnitzeljagd, ausgetüftelt. Ziel war ein Café, der Treffpunkt. Hat er mitgespielt? Nein. Der erste Hinweis war auf einer Kassette, die eine Freundin bei ihm abgegeben hat. Ich glaube, er hat's nicht kapiert. Keine Reaktion? Nein. Deshalb habe ich mir ein T-Shirt mit dem Wort „Spielverderber“ bestickt und bin in der Bar aufgekreuzt. Wieder nichts? Erst nicht. Wochen später meinte er zu meiner Freundin, er will Sex mit mir. Aber das war mir zu stillos. Damit war's erledigt.

„Ich schickte ihm 74 Gründe für meine Liebe“ Anita Bedi, 27

Sie haben ein halbes Jahr lang um einen Mann gekämpft? Es begann als One-Night-Stand. Er hatte Ex- Frau und Kind und blieb erst mal unverbindlich. Was haben Sie unternommen? Ich habe ihm Mails geschrieben und mich weiter mit ihm getroffen, blieb aber offen für Dates mit anderen. Was geschah dann? Eines Abends beschrieb er mir seine Traumfrau. Ich sagte: „Das bin ich!“ Er wollte nicht glauben, dass ich genug für ihn empfand und forderte einen Beweis. Den Sie lieferten? Eine Liste mit 74 Punkten, warum ich ihn wollte. Und er ...? ... hat darauf das Interesse verloren. Es war vermutlich besser so.

"Meine Freundin besorgte mir seine neue Adresse" Mandy Döhler, 32

Bei Ihnen wurde die Wende zum Problem? Mein Freund und ich hatten ein wunderbares Jahr. Dann kam der Mauerfall. Was ich als Neuanfang sah, warf ihn aus der Bahn. Sie versuchten, ihn aufzufangen? Ich wollte ihm Halt geben. Aber wir zofften uns ständig. Dann war Schluss ... Er ist weggezogen, und ich wusste nicht, wohin. Ich habe eine Freundin vorgeschickt, um herauszufinden, wo er ist. Sie wollten ihn zurückholen? Ja. Ich habe eine Geschichte über uns geschrieben und an ihn geschickt. Hat’s geklappt? Schon, aber leider nicht auf Dauer – die Differenzen waren zu groß.

Worauf kommt’s an, wenn man sich um einen Mann bemüht?

Dr. Elisabeth Nicolai, Paartherapeutin und Dozentin an der Uni Heidelberg, nennt die wichtigsten Tipps:

Do’s

• bei sich bleiben

• dem anderen Zeit lassen

• Gefühle offen aussprechen

• seinen nächsten Schritt abwarten,

Don’ts

• Kontrolle

• Belagerung

• Manipulation

• glauben, den anderen bevor man wieder aktiv wird verändern zu können 

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Schlagworte
Beziehung | Liebe | Partnerschaft | Home
Autor
Jessica Braun