Liebe & Psyche

Liebe & Partnerschaft So lieben wir erfolgreicher

Dr. Jule Specht erforscht in Berlin, wie wir erfolgreicher lieben. PETRA-Autor Harald Braun traf sie zum Interview, um herauszufinden, ob sie das wirklich weiß
Verliebtes Paar
  

Sie ist 27 und ziemlich hübsch. Würde ich Jule Specht in einer Bar begegnen, dächte ich vermutlich: könnte so langsam mal mit dem Studium fertig werden, die Jule, statt hier an der Theke zu stehen und die balzenden Paare zu beobachten. Womit ich so ziemlich in jedem Punkt danebenliegen würde: Dr. Jule Specht ist seit 2011 promoviert. Sie forscht über die Liebe und lehrt als Juniorprofessorin an der Freien Universität Berlin. Das allein ist erstaunlich genug, aber nur ein Teil ihres Lebens: Ihre beiden Kinder sind sechs und acht und ihr wissenschaftlicher Blog „Jule schreibt“ so erfolgreich, dass das Best-of diesen Monat als Buch erscheint. Ich treffe Jule Specht in ihrem Büro in Berlin- Dahlem, wo sie vor Kinderzeichnungen, einem Foto von Woody Allen und dem Ausblick auf etwas Grauenvolles residiert, das eine Univerwaltung „Innenhofbegrünung“ nennt. Jule Specht ist ein wenig zurückhaltend vielleicht, aber nicht herablassend, wie das Blitzbirnen gern passiert, wenn sie auf einen harmlosen Halbgescheiten wie mich treffen. Und wir reden, na klar, über die Liebe.

PETRA: Sie forschen seit Jahren über die Liebe – können wir überhaupt rational entscheiden, in wen wir uns verlieben?

DR. JULE SPECHT: Wir entscheiden letztendlich weniger rational, als wir glauben. Das haben Untersuchungen beim Speeddating eindeutig belegt.

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Da geht es in erster Linie um gutes Aussehen, oder?

Ja, das auch. Sogar die Frauen, die gesagt haben, ach, so wichtig ist mir das Aussehen gar nicht, entschieden sich dann beim Speeddating für die attraktiven Männer.

Die weniger Schönen müssen sich dann halt mehr anstrengen … Woody Allen zum Beispiel, der hängt ja da auch an Ihrer Pinnwand: ein hässlicher Vogel, wenn Sie mich fragen, aber immer von schönen Frauen umgeben.

(Lacht und widerspricht sehr vehement:) Woody Allen ist doch sehr attraktiv!

Verraten Sie doch mal: Was müssen weniger attraktive Menschen tun, wenn sie bei der Partnersuche Erfolg haben wollen?

Das ist komplex. Gut funktioniert auf jeden Fall immer eine gewisse Dominanz.

Machohaftes Gegockel? Ich hab’s geahnt …

Ich meine das in einem positiven Sinne. Man sollte ein hohes Selbstwertgefühl ausstrahlen – man muss selber glauben, dass man gut ankommt. Schön und gut, aber wenn ich Sie richtig verstanden habe, geht es am Ende des Tages meistens um äußere Attraktivität. Attraktivität ist hilfreich. Aber wichtiger ist Selbstbewusstsein. Erfolg hat, wer selbstsicher ist, Blickkontakt hält, Körperkontakt sucht. Wer den anderen dazu bringt, mit einem zu lachen. Man sollte Nachfragen stellen, nicht so viel von sich selbst erzählen – das sind so die Sachen, die man jeden Abend in jeder Kneipe machen könnte, wenn man auf der Suche ist.

Würden Sie einer Frau empfehlen, sich im roten Kleid an eine Bar zu setzen?

Wenn sie angesprochen werden möchte und ein Date für den Abend sucht, ist das sicherlich ein Signal, das bei Männern ankommt.

Für mich klingt das verrückt. Ich finde nämlich die Farbe Rot nicht sonderlich attraktiv an Frauen. Würde es bei mir trotzdem unterschwellig funktionieren?

Das lässt sich nicht unbedingt auf den Einzelfall übertragen. Aber ganz allgemein: Wenn man 100 Männer nimmt und sie mit zwei Frauen konfrontiert, eine im roten Kleid, die andere im beigen Kleid, dann wird die Frau im roten Kleid sicher mehr Anfragen erhalten. Es ist sicher so, dass es Signale in unserer Umgebung gibt, derer wir uns nicht bewusst sind, die uns aber doch maßgeblich beeinflussen.

Ist es nicht ohnehin sehr viel schlauer und effektiver, in diesen modernen Zeiten Onlinedating zu machen?

Ich glaube da nicht dran. Die Verfahren beim Partner-Matching sind noch viel zu wenig evaluiert.

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Ich übersetze mal: Die Onlineportale fischen auch bloß im Trüben, wenn sie Paare zusammenbringen …

Ja, und zwar auch deshalb, weil wir selbst oft kaum Einsicht darüber haben, wen wir eigentlich als Partner suchen – und so kann man wenig Profit daraus schlagen, die Fakten über einen anderen Menschen gleich alle auf den Tisch gelegt zu bekommen. Wenn man nicht weiß, was man will, sind diese Informationen ja nutzlos.

Was ist das Geheimnis einer glücklichen Beziehung?

Da muss ich etwas ausholen: Es gibt die Dreieckstheorie nach Sternberg, die davon ausgeht, dass eine glückliche, stabile Beziehung dann entstehen kann, wenn drei Aspekte erfüllt sind: Leidenschaft, hohe Intimität und Commitment. In der Theorie ist es nicht schwer, diesen Zustand zu erreichen, in dem man gleichzeitig ein hohes Level von Intimität, von Leidenschaft und eben Commitment spürt. Das Problem ist nur, dieses Level dauerhaft zu halten.

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