Liebe & Psyche

Leben Paar-Battle - Partnerschaft pushen

Wir sind cooler als die! Ja, wir haben unsere Pärchen-Freunde lieb. Trotzdem fragt man sich, ob sie den besseren Sex haben, tollere Urlaube und mehr Geld. Ist man deswegen ein schlechter Mensch? PETRA-Autorin Bianka Morgen gibt Entwarnung: Sich zu vergleichen ist normal – ein Paar-Battle kann der eigenen Partnerschaft sogar gut tun.
Eifersüchtig auf andere Paare
  

um-die-liebe-kaempfen-lohnt-sich-da
Zwei Wochen ist es jetzt her, ich weiß nicht mehr, wie wir Mädels darauf kamen – auf jeden Fall erzählte Anna, dass sie mit ihrem Freund jeden zweiten Tag Sex hat. Ich versuchte, mein Gesicht unter Kontrolle zu halten. Jeden zweiten Tag? Die beiden sind seit fünf Jahren zusammen. Es fühlte sich an, als hätte Anna eine imaginäre Glocke geläutet („Dingdingding, der Ring ist eröffnet!“). Alle Mädels am Tisch rechneten nach, ob sie mithalten könnten – und gingen in der ersten Runde k.o., während Anna mit einem Schlag den Meistertitel „Meine Beziehung ist besser als eure“ gewann.

Und damit ist es ja nicht getan. Kaum wird man im direkten Vergleich niedergestreckt, fängt man an zu grübeln: „Stimmt bei uns was nicht? Sollten wir mehr Sex haben?“ Obwohl vor zwei Minuten noch alles super lief. Warum macht man sich den Stress, sein Liebesleben zu vergleichen? Weil wir Meschen – und besonders wir Frauen – nun mal so sind. Oder haben Sie Ihren Hintern, Ihren Job oder den Inhalt Ihres Schuhschranks etwa noch nie mit dem einer guten Freundin oder Arbeitskollegin verglichen? Eben! Das geht sogar so weit, dass unsere Wissenschaftler dauernd vergleichen müssen, ob jetzt die Dänen glücklicher sind als wir Deutschen oder das Bruttoinlandsprodukt der Franzosen höher ist als unseres.

Mann malt Herz
Der Vergleich mit anderen gibt uns Orientierung, durch den Abgleich mit anderen erschaffen wir quasi unsere eigene Identität, entdecken Übereinstimmungen, Abweichungen und versuchen herauszufinden, was die Norm sein könnte. Eine Studie der Uni Bonn besagt sogar, dass Arbeitnehmer nicht unbedingt ein faires Gehalt wollen, sondern dass sie vor allem mehr verdienen wollen als ihre Kollegen. Klar, dass sich dieser menschliche Zug nicht nur im Job wieder findet, sondern auch für Beziehungen gilt. Nicht nur in Sachen Sex, sondern auch, wenn es darum geht, wer die lustigeren Partys schmeißt, ob man im Häuschen im Grünen glücklicher wird oder im
urbanen Loft, ob der Sardinien-Trip cooler ist oder die Indonesienreise. Oder, nehmen wir Facebook und Instagram. Zweier-Selfies Hashtag #instalove, Fotos von gravierten Schlössern an Brücken ... Ich habe sogar Bekannte, die einen gemeinsamen Instagram-Account haben. Der Benutzername ist eine Mischung aus den beiden Vornamen – als wären sie Brangelina. Widerlich schmalzig, oder? Ich schaue ihn mir trotzdem gerne an.Weil ich dann immer denke, dass mein Freund und ich viel cooler als die Paare mit den „Wir beim Brotbacken“- oder „Wir auf der AIDA“-Fotos sind. Es gibt diese Paare, die brauchen die Bühne. Sie agieren als Statisten im angesagtesten veganen Restaurant der Stadt, vor dem schärfsten Auto des ganzen Freundeskreises, dem schönsten Strand ever. Sie erheben sich gegenseitig. Auch wenn mir das ein wenig zu weit geht. Wahrscheinlich passen die zwei genau darum so gut zusammen – und der andere Mann so gar nicht zu mir. Auch gut.

In den 50er-Jahren erstellte der US-Soziologe Leon Festinger die Theorie des sozialen Vergleichs. Sie besagt, dass Menschen Informationen über sich selbst durch den Vergleich mit anderen gewinnen können. Und er nannte das, was ich so schrecklich gern mache („Gott, sind die uncool!“), einen abwärts gerichteten Vergleich. Indem ich meine Beziehung mit einer Fremdschäm-Beziehung vergleiche, gewinne ich mehr Selbstbewusstsein und weiß meinen Partner (wieder) mehr zu schätzen.

Genau das ist übrigens auch der Grund, warum wir bei „Frauentausch“ und „Bauer sucht Frau“ über den Teppich kugeln, weil wir nicht fassen, wie jemand so blöd sein kann. Man fühlt sich so gut dabei. Das Problem ist nur: wenn man gegen ein anderes Paar abstinkt. So geschehen bei meiner Freundin Christine. Sie und eine Kollegin haben am selben Tag Geburtstag. Und während ihre Kollegin von ihrem Mann einen Kurztrip nach Rom geschenkt bekam, log Christine, darauf angesprochen, was sie denn bekommen habe. Ihr Liebster hatte ihr nämlich einen Drucker gekauft. Einen Laserdrucker, um genau zu sein. Das kann man ja nicht in der Öffentlichkeit erzählen, ohne mitleidig angeschaut zu werden. Denn ein Drucker ist auf der gleichen Geschenk-Stufe mit einem Vierschlitz-Toaster, dem Thermomix oder Duschwandabstreifer – total praktisch, vielleicht sogar teuer, aber unterirdisch unromantisch. Was aber hat Christine also von dem Vergleich mit ihrer Kollegin, abgesehen von einer unbeschreiblichen Wut auf ihren stoffeligen Freund?

Promotion
Anzeige
1 von 2
Schlagworte
Beziehung | Liebe | Liebe Home | Partnerschaft