Liebe & Psyche

Männer Männer verstehen für Fortgeschrittene

Frau untersucht Mann unterm Mikroskop

Warum sehen Männer sich Wiederholungen von Fußballspielen an, deren Ergebnis sie schon kennen?

Wenn seine Mannschaft verloren hat: Dann will er noch einmal den Beweis sehen, dass diese grauenhafte Fehlentscheidung des Schiedsrichters zum Untergang geführt hat. Und vielleicht ist das Ergebnis doch noch zu ändern? Womöglich irrte gestern die Kamera? Mit einem letzter Rest kindlichen Glaubens klammert er sich an diese Hoffnung. Falls sein Team aber gewonnen hat: Dann ist es ein Genuss zu sehen, wie dieser Hammer des Stürmers ins Netz krachte! Oder wie dieser geniale Dribbeltrick den Verteidiger aushebelte! Das ist pure Kunst! Und Kunstwerke kann man sich mehrmals ansehen. Hat Picasso auch schon gesagt.

Warum gehen Männer extra langsam über die Straße, wenn Autos kommen?

Weil er ein Kämpfer ist. Seine Freundin beschleunigt den Schritt, und wenn die Autos allzu bedrohlich heranrauschen, rennt sie sogar. Er nicht. Er will mal sehen, wer hier nachgeben muss, wer der Stärkere ist. Okay, die Vernunft sagt: Es ist gesünder, die andere Seite zu erreichen, als zu testen, ob der Porsche bremsen wird. Aber hier geht es nicht um Vernunft. Sondern um uralte Instinkte. Um die Demonstration von Stärke. Es ist wie damals im Wald. Wer das Sagen hat, das wird Hirsch gegen Hirsch auf der Lichtung ausgefochten. Dieses Muster ist eingraviert auf jedem einzelnen seiner Y-Chromosome. Und das ist immer noch stärker als jede Vernunft.

Warum telefonieren Männer im Zug so gern laut und wichtig mit dem Handy?

Weil er Aufmerksamkeit haben möchte. Schon mal einen Elefanten gehört, dessen Trompeten den ganzen Zoo überdröhnte? Das kann nur ein männlicher Elefant gewesen sein. Die Subwoofer-Bässe, die an der Ampel die ganze Kreuzung beschallen, kommen aus einem männlichen Auto. Wenn er am Handy auch noch wichtige Worte sagen kann, womöglich mit Befehlsklang: Das will ich sofort erledigt haben! Oder: Sag ihr, so geht das auf keinen Fall!, dann zeigt er sich damit obendrein als Führungstier. Wenigstens die anderen sollen ihn dafür halten. Er ist nämlich zutiefst unsicher, ob er wirklich das Sagen hat. Deshalb die Suche nach Bestätigung von außen.

Glückliche Frau
Was Männer wollen...

Warum hassen Männer Familienfeste?

Weil der Mann auf Familienfesten unsicher wird. Die Familie ist Sache der Frau. Sie hat echtes Interesse daran, wie es anderen geht: Eltern, Großeltern, Schwagern, Kindern. Er muss dieses Interesse heucheln. Deshalb findet er Familiengespräche anstrengend. Nähe, Bindung, Fähigkeit zum persönlichen Austausch: darin ist ihm die Frau von Natur aus überlegen. Weil sie als potenzielle Mutter diese Fähigkeiten braucht. Er muss sich zum sozialen Verhalten anstrengen. Er würde lieber jagen. Auf Familienfesten gibt es nichts zu jagen. Außer vielleicht die überraschend hübsche Cousine. Aber das darf er nicht. Trübsinn.

Warum sind Männer auf allen wichtigen Gebieten Experten?

Er ist es nicht immer. Wenn jemand mit Fachwissen dabei ist, hält er sich zurück. Aber wenn er nicht mit kompetentem Widerspruch rechnen muss, gibt er an. Dann glaubt er selbst, er würde alles durchschauen. Es stärkt sein zerbrechliches Selbstbewusstsein, wenn er anderen Leuten die Lage der Welt erklären darf. Deshalb fabuliert er als Börsenfachmann, gibt sich als Weinkenner und kommentiert großspurig die Fernsehnachrichten. Dass er alles im Griff hat: Dieses Gefühl braucht ein Mann. Und dass andere, am besten Frauen, ihn dafür bewundern, das braucht er noch mehr. Anstrengend!

Warum haben Männer einen unfehlbaren Orientierungssinn?

Wenn er sich verfährt, liegt es daran, dass die Beschilderungen fehlerhaft sind. Oder die Karte falsch gedruckt ist. Oder dass die Beifahrerin sie nicht richtig lesen konnte. Er selbst irrt sich nie. Mitten im Wald weiß er noch ganz genau, wo das Auto steht. Und wenn er dann an ganz anderer Stelle ins Freie tritt, ist seine Begleiterin Schuld. Den unfehlbaren Orientierungssinn brauchten eine Million Jahre lang die nomadischen Jäger. Auch nach zweitausend Jahren Sesshaftigkeit steckt das noch in den Genen. Er will zeigen, dass er den Überblick hat. Will in jeder Situation Held sein.

Warum werden Männer böse, wenn man über ihre Mutter lästert?

Obwohl er humorvoll ist und seine Mutter einige komische Seiten hat – da versteht er keinen Spaß. Sie ist immer noch seine Heilige. Vom ersten Atemzug an war sie bei ihm. Hat für ihn gesorgt und geplant. Bügelte aus, wenn er Unsinn machte. Verteidigte ihn gegen den Vater und andere böse Mächte. Sie war die Beschützerin, die Frau seiner frühen Kindheit. Frühkindliche Eindrücke prägen fürs Leben. Deshalb mag sie jetzt noch so abgedreht sein – im Zweifelsfall, findet er, hat sie Recht. Widerstand gegen sie verstärkt nur seine Parteinahme. Nur wenn sie über alle Maßen gelobt wird, fängt er an, sie ein bisschen kritisch zu sehen.

Warum sagen Männer lieber „ich“ als „wir“?

Weil er noch einen Rest Unabhängigkeit demonstrieren will. Und weil er weniger gemeinschaftlich empfindet als sie. Auch wenn er anderes behauptet – er glaubt nicht an Gleichheit. Er glaubt an Führung. Will der Boss sein. Wenn das nicht geht, fühlt er sich als Outlaw oder Lonesome Rider. Jedenfalls immer als Einzelperson. Vorteil für ihn: Er kann ganz gut allein auskommen. Er ist weniger auf Gemeinschaft und Austausch angewiesen als eine Frau. Und ist dafür auch nicht begabt. Die Evolution hat ihn als herumstreifenden Nahrungsbeschaffer vorgesehen. Er empfindet sich als Einzelkämpfer. Und muss das „wir“ erst lernen.

Männer erklären Männer
Noch mehr Wahrheiten

Warum sind Mülltüten unsichtbar für Männer?

Weil er den Tunnelblick hat. Tests zeigen, dass eine Frau viermal so viele Details in einem Raum wahrnimmt wie ein Mann und dass sie Personen wesentlich präziser beschreiben kann. Ein Mann ist zielorientiert. Er erkennt, was ihn auf seinem Weg fördern und was ihn bedrohen könnte. Alles andere nimmt er unter einem Schleier wahr. Eine Frau lässt ihren Blick schweifen. Sie erkennt eher, was für andere wichtig ist. Zum Beispiel, dass jemand sich verändert hat. Oder Zuspruch braucht. Oder dass die Mülltüte raus muss. Ihren Blick wird er nie haben. Aber eine Mülltüte zu sehen, kann er lernen.

Warum brauchen männer für ihre Kochkünste dreimal so viel Töpfe, Pfannen und Lob?

Weil eine Frau von Natur aus dafür vorgesehen ist, ein Kind zu nähren, zu schützen, zu erziehen, hat ihre Selbstverwirklichung immer mit anderen Menschen zu tun. Sie arbeitet gern mit anderen. Und für andere. Ihr fällt es leichter, eigene Interessen zurückzustellen. Ihre Kochkunst ist für alle da. Seine Kochkunst ist für ihn selbst da. Zum Beweis seiner Einzigartigkeit. Seiner Genialität. Und ein Genie darf keine Rücksicht nehmen. Wie ein umnachteter Künstler benutzt er alles für seine Zwecke. Je mehr die Umgebung ruiniert ist, desto genialer kommt er sich vor. Aus einer verwüsteten Küche erhebt sich rein und einzigartig sein Pudding. Bravo.

Warum benutzen Männer die Lichthupe wie eine Laserwaffe?

Nirgends kommt das innere Erleben eines Mannes dem Krieg so nahe wie im Straßenverkehr. Eine Frau fädelt sich ein in eine Gemeinschaft gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer. Ein Mann sieht lauter Konkurrenten, die ihn am Erreichen seines Zieles hindern oder ihn sogar übertrumpfen wollen. Da wird sein Testosteron zu einem aggressiven Cocktail aufgemischt. Einst diente dieser Mechanismus dem Abwehrkampf gegen Feinde der Sippe. Der Sinn ist verlorengegangen, das Kampfhormon ist geblieben. Eigentlich müsste er es körperlich abreagieren. Nun tobt er hinter der Windschutzscheibe. Und würde am liebsten alle wegbeamen.

Jetzt mal ehrlich...

Warum muss man es Männer immer sagen, wenn man mal umarmt werden will?

Das Streben nach Unabhängigkeit ist dem Mann nicht abzugewöhnen. Es steckt in seinen Genen. Er wird im Zweifelsfall beweisen, dass er allein zurecht kommt. Dass er keinen Trost braucht. Nicht umarmt werden muss. Entsprechend gering ist seine Sensibilität für die Bedürfnisse anderer. Zum Beispiel die Bedürfnisse seiner Partnerin. Weshalb braucht sie jetzt Zuwendung? Kommt sie denn nicht allein zurecht? Ihre Suche nach Nähe ist ihm unheimlich. Er will nicht verschmelzen. Er braucht Distanz, um sich wohl zu fühlen. Wozu will sie denn jetzt umarmt werden? Um ihn zu spüren? Ach so. Okay, wenn es nicht so lange dauert, ist er dazu bereit.

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Schlagworte
Beziehung | Liebe | Männer | Partnerschaft
Autor
Dietmar Bittrich