Liebe & Psyche

Beziehungs-Ratgeber Liebe trotz Alltag

Wäre es nicht schön, wenn man seine Beziehung mit Liebe bestreuen könnte wie Kuchen mit Zuckerperlen? Wir haben Experten um Rat gefragt: Kann man Gefühle zwischen Geschirrspüler und Rechnungsstapeln wieder aufpeppen? Man kann! Eine Bedienungsanleitung für mehr Zuneigung im Alltag - in zehn einfachen Schritten.
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1. Wir gehören einfach zusammen

Zeigen wir das doch auch mal. Und keine Angst, wir sprechen jetzt an dieser Stelle weder von gleichen Windjacken noch von Spaziergängen in den Sonnenuntergang. Partnerlook (generell fraglich) und Karibikurlaube zur Stärkung des Wir-Gefühls erweisen sich als wenig alltagstauglich. Ganz anders aber: Rituale. Dazu gehört sicherlich, dass wir den Jahrestag feiern. Vor allem aber, dass wir im Alltag Nischen schaffen für Rituale. Da war doch was: die Bar, in der man am Anfang so gern versackt ist, der Film, den man zigmal zusammen gesehen hat. „Rituale sind der Kitt der Liebe, wir zelebrieren damit nonverbal unsere gemeinsame Geschichte“, sagt Ritualforscherin Anke Birnbaum. Und stärken unsere Paar-Identität und das „Wir gegen den Rest der Welt“-Gefühl.

2. Suche nicht, was fehlt, finde, was da ist

Die amerikanische Psychologin und Eheberaterin Terri Orbuch hat mehr als zwei Jahrzehnte Paare begleitet. Sie wollte wissen, wie es ihnen immer wieder gelingt, den Alltagsstaub wegzupusten. Und sie stellte fest, dass sich glückliche Paare ganz bewusst auf die positiven Dinge in ihrer Beziehung konzentrieren. Anstatt das zu fokussieren, was nicht funktioniert, stellen sie Fragen wie: Was funktioniert bei uns? Welche positiven Aspekte kann ich in meine Beziehung einbringen oder welche kann ich stärken? Damit schafft man einen guten Boden für die Beziehung. „Die langfristig zufriedenen Paare in unserer Studie sagen, dass sie sich sofort mit den kleinen Störungen auseinandersetzen“, sagt Orbuch. Mit Dingen wie: „Er stellt das Geschirr nicht in die Spülmaschine. Sie verteilt ihre Sachen überall und räumt nicht auf. Oder: Er isst mit offenem Mund.“ Ihr Rat: Irritationen ansprechen, damit sie nicht größer werden.

3. Entscheiden wir uns ganz

Verflüchtigt sich das erste intensive Gefühlt, tritt an seine Stelle ein nagender Gedanke: dass es sich bei dem Mann, dem wir unseren Wohnungsschlüssel gegeben haben, vielleicht doch um eine Verwechslung handelt. „Wenn es um die Liebe geht, sind die meisten Maximierer und denken: Irgendwo wartet der vollkommene Partner“, sagt Paartherapeutin Ursula Nuber. Sie plädiert für den Gegentrend: Schützen wir lieber, was wir haben, indem wir unsere Entscheidung für den Partner durch „Entscheidungen zweiter Ordnung absichern“. Ein Begriff aus der Soziologie: Er meint den Entschluss, eine Regel zu befolgen. So wie Autofahrer die Regel akzeptiert haben, sich anzuschnallen. Und sich so die tägliche Frage ersparen: Soll ich mich anschnallen oder nicht? Auch wer in der Liebe eigene Regeln aufstellt, muss sie nicht mehr ständig anzweifeln, so die Expertin: „Wenn die Beziehung in wichtigen Bereichen meinen Kriterien genügt, muss ich mich nicht mehr fragen, ob es auch die weltbeste ist, die ich kriegen kann.“ Wir bekommen Kopf und Herz frei. Und sehen, dass der Schlüssel bei ihm in guten Händen ist.

4. Reden wir nicht nur, tun wir es einfach

Oft ist es gerade das Nähegefühl, das Paaren im Alltagsgewusel verloren geht – und schon spricht man davon, sich auseinandergelebt zu haben. Dann kann es helfen, ein grundlegendes Missverständnis aus dem Weg zu räumen. Die Langzeitstudie von Eheberaterin Terri Orbuch kam zu dem Ergebnis: Frauen und Männer sehen den Zusammenhang von sexuellem Verlangen und Nähe oft sehr unterschiedlich. „Frauen müssen sich ihrem Partner emotional nahe fühlen, damit sie sexuelles Verlangen verspüren. Männer auf der anderen Seite haben Sex, um sich gefühlsmäßig mehr mit ihrer Frau zu verbinden, und sie brauchen diese Verbindung, um sich ihr emotional nahe zu fühlen.“ Anders gesagt: Sie will vorher reden, er kommt gern gleich zur Sache. Aber gute Gespräche gibt es dafür später, versprochen! Es kann nicht schaden, sich den Unterschied vor Augen zu führen – und sich wechselseitig entgegenzukommen. Hauptsache, in engem Kontakt bleiben!

5. Jetzt erst recht!

Das Dilemma, in dem viele von uns stecken: „Man verliert sich darin zu kontrollieren, ob der andere auch zurückliebt“, sagt Claudia Bayerl (Hrsg. „Bedienungsanleitung Liebe“, Textakademie GmbH, 9,90 Euro). Aber selbst wenn die Basis stabil ist – das Liebesbarometer schwankt nun einmal. Mal liebt der eine mehr, mal der andere. Aber wir schmollen schnell, wenn unser „Urbedürfnis nach Geborgenheit und bedingungsloser Liebe nicht gestillt wird“, sagt die Expertin. Wir reagieren gereizt, fordern oder jammern – oder ziehen uns zurück. Ganz falsch. „Der einzige Weg besteht darin, selbst bedingungslos zu lieben.“ Dann steigt über kurz oder lang das Barometer wieder. Studien zeigen: Wenn sich nur einer von beiden auf die positiven Seiten einer Beziehung konzentriert, überträgt sich diese Einstellung auf den anderen.

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Schlagworte
Beziehung | Liebe | Partnerschaft
Autor
Friederike Schön