Liebe & Psyche

Flirten wie ein Profi Interview mit Dating-Experte Eric Hegmann

Dating-Experte Eric Hegmann in einem spannenden Interview über die Fehler von Singles, Dating-Regeln und wie wir den Traumprinzen unter den Fröschen finden.
Eric Hegmann
  

Petra.de: Herr Hegmann, wie sind Sie ein Dating-Experte geworden?
Eric Hegmann: Ich habe mit Coaching für Führungskräfte angefangen und festgestellt, dass ich in meinem Schwerpunkt Kommunikationswissenschaften relativ rasch gelangweilt war. Ich habe mich dann hauptsächlich mit Kommunikation im zwischenmenschlichen Bereich, d.h. Partnersuche beschäftigt. Das erwies sich als erheblich spannender, weil Partnersuche so individuell ist, dass mit diesen klassischen Klischees wie „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ nicht viel weiter kommt. Man muss tiefer reingehen und da sind die individuellen Sorgen und Befürchtungen einfach deutlich spannender, auch für den Coaching-Prozess.

Wann haben Singles am stärksten das Bedürfnis nach einer Partnerschaft?
Coaching-Anfragen kommen eindeutig saisonal. Wenn der Winter kommt und die Nächte länger werden, sind die Einsamkeit und das Bedürfnis nach einem Partner größer. Natürlich besonders über die Weihnachtsfeiertage und Silvester. Im Grunde genommen geht es immer darum: Ich bin alleine, wie finde ich den Partner, der wirklich zu mir passt? Und der Coach stellt immer dieselbe Gegenfrage: Wer passt denn zu Ihnen? Wissen Sie das? Es geht um den Unterschied zwischen Fremdbild und Selbstbild.

Wie ist die Erfolgsquote Ihres Coachings?
Geht es erstmal nur um das Realisieren von bisherigen Fehlern oder finden viele hinterher tatsächlich schneller einen Partner? Das ist sehr individuell. Es gibt Menschen, die schon nach 30 Minuten einen Aha-Effekt erleben, neue Sachen ausprobieren und merken, dass sie ganz anders auf Menschen gewirkt haben. Auf der anderen Seite gibt es aber auch welche, die seit 15 Jahren dieselbe Strategie verfolgen. Wenn man denen sagt, dass es keinen Grund gibt, warum diese Strategie auf einmal funktionieren sollte, verstehen sie das auch, aber trotzdem kommen sie nicht von dieser Methode weg.

Sabotieren manche Singles mit immer gleichen Fehlern nicht unbewusst ihren eigenen Dating-Erfolg?
Ja. Es gibt die aktiven und die passiven Beziehungsverweigerer. Wenn Sie einen Mann kennenlernen und der sagt Ihnen sofort: Ich will keine Beziehung, aber wir können gerne Freunde mit Benefits sein. Dann ist er ein aktiver Beziehungsverweigerer, er sagt es klar an. Das Problem ist, dass diese Leute meistens auf die passiven Beziehungsverweigerer stoßen. Das sind diejenigen, die häufig aus Furcht vor Nähe nur Menschen attraktiv finden, mit denen eine Beziehung nicht möglich ist. Das gibt es in verschiedenen Abstufungen, aber diese beiden Typen treffen oft aufeinander. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, muss man erst mal daran arbeiten, wo diese Ängste vor Nähe herkommen.

Sind die passiven Beziehungsverweigerer Ihre Haupt-Zielgruppe?
Nein, das ist nur eine häufige Gruppe. Aber ich erlebe mehr Fälle, bei denen ich sagen muss, dass das Beziehungspotential nicht so ausgeprägt ist, wie die Menschen das von sich selber denken. Das Bewusstsein, das Beste verdient zu haben, wird immer größer, aber die Bereitschaft, dafür etwas zu tun, wird immer geringer. Das klassische Beispiel dafür sind Frauen, die sich einen Akademiker mit gutem Beruf wünschen, der gleichzeitig aber auch jedes Wochenende zuhause ist und ganz viel Zeit für die Partnerschaft hat. Bei solchen Dingen wird die Schnittmenge für das Beziehungspotential immer geringer.

Was ist der größte Fehler, den Singles klassischerweise beim Flirten machen?

Datin-Regeln von Eric Hegmann


Es ist erst einmal falsch, beim Daten irgendetwas unreflektiert zu tun. Zum einen gibt es die Schicksalsorientierung, der Glaube an die Liebe auf den ersten Blick. Und zu anderen die Wachstumsorientierung, bei der Freundschaft, Nähe, Vertrauen und Zeit zur Liebe führen. Die schicksalsorientierten Menschen warten häufig darauf, dass das erste Treffen beim Online-Date sofort „Peng“ macht. Die wachstumsorientierten dagegen lernen ihre Partner klassischerweise am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis kennen. Wenn also Dates floppen, liegt es meist an den unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Mit einem zweiten oder dritten Blick würde man sich sicherlich einen Gefallen tun, da viele Leute zu schnell die Flinte ins Korn werfen.

Welche typische Dating-Regeln sind sinnvoll und an welche sollte man sich besser nicht halten?
Ich halte von diesen klassischen Regeln gar nichts, zum Beispiel „Sie soll ihn nie anrufen“. Einen Jagdinstinkt provozieren zu wollen, indem man sich rar macht, ist sicherlich besser, als jemandem auf die Nerven zu gehen. Daraus aber ein Machtspiel zu machen, um die Verbindlichkeit des anderen zu messen, finde ich problematisch. In Hamburg ist fast jede zweite Wohnung ein Single-Haushalt.  Woran liegt es, dass so viele Leute alleine bleiben? Interessant, oder? In ländlichen Gebieten ist es tatsächlich einfacher, einen Partner zu finden. Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass die Menschen weniger anonym miteinander umgehen. Und sich auch häufiger und immer wieder treffen! Wenn es nur einen Bäcker im Dorf gibt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich dort jeden irgendwann mal getroffen habe. In die Großstadt ziehen die Menschen meist, wenn sie ihren Beruf oder die Ausbildung starten. Ich glaube, dass die Phasen zwischen Beziehungen auch leichter mal länger sind, weil das heutzutage gesellschaftlich okay ist. Eine Frau jeden Alters kann, anders als vor 20 Jahren, sagen, dass sie Single ist und das gerne auch noch die nächsten Jahre bleiben möchte.

Wie lernt man dann in einer Großstadt am besten jemanden kennen? Party, Supermarkt, Büro oder online?
Es hat sich etwas an der Rangliste geändert. Früher war die Reihenfolge so: Freundeskreis, Job, Freizeit und dann Online-Dating. Heute ist Online-Dating schon auf Platz 3. Das liegt, glaube ich, auch daran, dass diese Art des Flirtens fast wie Entertainment ist. Ich kann bequem mit dem Laptop auf dem Sofa sitzen und muss nicht mehr in die Bar gehen, um meinen Marktwert zu testen. Online-Dating bietet die Möglichkeit Menschen kennenzulernen, die man sonst nie getroffen hätte. Ich glaube, dass das auch noch stärker werden wird, aber es wird Freundeskreis und Arbeit nie ersetzen. Beim Freundeskreis ist einfach der große Vorteil, dass es durch die gleichen Freunde schon eine gewisse Vertrautheit gibt. Ich denke, der beste Weg ist immer, nicht nur auf einen Weg zu setzen, sondern für sich die beste Variante zu finden, die einem liegt. Einer schüchternen Person zu empfehlen, öfter mal Leute in der Bar anzusprechen, ist wenig hilfreich. Das wichtigste ist: Flirten kann man überall! Ein Lächeln wirkt wirklich wahre Wunder, auch an der Käsetheke.

Wem empfehlen Sie Online-Dating?
Menschen, die Schwierigkeiten mit der ersten Kontakt-Aufnahme haben. Oder solchen, die durch den Beruf oder andere Dinge so eingespannt sind, dass sie keine Zeit fürs Flirten haben. Auch für die ältere Generation ist es hervorragend. 60+ ist mittlerweile stark vertreten, das finde ich großartig. Nicht so gut ist Online-Dating für Menschen, die Liebe auf den ersten Blick erwarten. Das gilt auch für Menschen, die dazu neigen sich durch Bilder und Mails im Kopf den Traumpartner zu erschaffen. Wenn ich die Person dann zum ersten Mal treffe, werde ich garantiert enttäuscht, denn kein Mensch kann solche Traum-Vorstellungen erfüllen.

Wie sind Ihre Erfahrungswerte, haben eher Männer oder Frauen Probleme beim (Online-) Flirten?
Die Geschlechter nehmen sich nicht viel. Alle sagen gleichermaßen, dass sie zu schüchtern für den ersten Schritt sind. Dann lauern alle darauf, dass der andere etwas macht. So kann das natürlich nichts werden. Aber Frauen und Männer unterscheiden sich in der Art, wie sie schummeln. Das ist bei Frauen häufig alles, was mit Attraktivität zu tun hat und bei Männern häufig, was mit Status zu tun hat. Das spiegelt aber auch die Erwartungshaltung wider. Es ist immer noch so, dass Männer bei der Partnerwahl darauf achten, dass die Frau attraktiv ist, während es nicht so wichtig ist, ob sie im Status oder bei der Ausbildung auf Augenhöhe ist. Bei Frauen ist es statistisch so, dass der Mann beim Status mindestens auf Augenhöhe oder drüber sein soll. Dafür macht man notfalls auch Abstriche beim Aussehen.

Wie kann man dem entgegenwirken?
Man kann es sich ab und zu etwas mehr bewusst machen: Kein Mensch ist perfekt und es gibt auch keinen perfekten Partner. Das bedeutet nicht, dass man alles mit sich machen lassen oder bei der Partnerwahl einen „Frustkauf“ eingehen muss. Ein Tick mehr Reflexion was die eigenen Erwartungen angeht und die Bereitschaft, was man in die Beziehung geben möchte, wäre hilfreich. Es ist sehr viel schlauer, die Ansprüche an eine Beziehung hoch zu setzen, anstatt an den „Traum-Partner“. Ob man nämlich mit dem vermeintlichen Traumpartner auch eine Traum-Beziehung führen kann, steht in den Sternen. Wenn man sich Langzeit-Paare ansieht, merkt man dass sie nicht zusammen geblieben sind, weil der erste Eindruck gestimmt hat, sondern, weil sie festgestellt haben, dass ihre Unterschiede sich gegenseitig ergänzen.

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