Liebe & Psyche

Wie der Job als Mutter stressen kann Der Kampf mit den Kindern

Wir hatten alle ein Leben vor dem Kind – mit Urlaubsgeld und einem Feierabend. Jetzt schuften wir 24 Stunden ohne Lärmschutz bei mieser Bezahlung. Wäre Muttersein ein Job, wir würden kündigen – oder? Julia Heilmann, Autorin des Buches „Kinderkacke“, zieht Resümee.
Der Kampf mit den Kindern
   

Die Mama von Mara-Sophie sieht immer super aus. Sie wirkt ausgeschlafen, hat einen flachen Bauch und trägt Stiefel mit hohen Absätzen. Mara-Sophies Mama ist nicht nur Mutter. Sie erzählt mit ihrem französischen Akzent gern von ihrem tollen Beruf als Dolmetscherin. Und wenn sie ihre Kleine im Kindergarten abholt, bleibt sie immer geduldig. Früher sah ich auch so aus. Als ich noch keine Kinder hatte, meine ich.

Heute liegt die Sache ein bisschen anders. Ein Arzt, den ich mal wegen eines nervösen Lidzuckens aufsuchte, erkannte es sofort: „Stress, Überarbeitung. Entweder arbeiten Sie im höheren Management, oder Sie haben Kinder.“ Richtig! Kinder sind mit einer normalen beruflichen Tätigkeit gar nicht zu vergleichen. Die Arbeit möchte ich mal sehen, wo einem pausenlos das Wort abgeschnitten wird. Wo Leute sich auf den Boden werfen und alles zusammenbrüllen, weil man irgendetwas getan, nicht getan oder nicht richtig getan hat. Einen Job, wo alle paar Minuten drei Telefone und ein Wecker klingeln. Der Chef uns auf den Teppich pinkelt, wenn wir einen Fehler gemacht haben, und hinterher sagt: „Aufwischen!“ Dazu noch Kollegen, die das Mobbing so weit treiben, dass sie deine Unterlagen verwüsten, wenn du einmal am Tag zur Toilette gehst. Aber so ist der Job mit Kindern.

Als Arbeitskleidung trage ich Outdoorjacken und robuste Schuhe. Ich muss das, denn meine zwei Söhne laufen gern davon und verstecken sich hinter Büschen an stark befahrenen Straßen. Den eingetrockneten Schlamm kann ich ihnen immer abends in Klumpen von ihren Regenhosen abkratzen, und auf meinen Pullis steht von der Schulter bis zum Gürtel genau die Speisenfolge des Tages. Oft denke ich: „Warum tue ich mir das an? Und vor allem: Ist da draußen noch jemand, oder bin ich die einzige Mutter auf der Welt mit Überforderungserscheinungen?“

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