Liebe & Psyche

Neues aus der Glücksforschung So werden Sie glücklich

Endlich im Lotto gewinnen, fünf Kilo weniger, die Gehaltserhöhung bekommen. Dann wäre man doch wirklich wunschlos glücklich, oder? PETRA-Autorin Wiebke Brauer über den neuesten Stand der Glücksforschung – und warum es meist ganz andere Dinge sind, die uns happy machen, als wir immer denken.
Glückliche Menschen
    

Ach, das muss Glück sein. Man aalt sich auf seinem Liegestuhl, das Champagnerglas steht in Reichweite, auf dem Balkon über uns lehnt der Mann unseres Herzens, er sieht aus wie George Clooney und ist reich wie Krösus. Wir blicken an uns herunter. Das Haar wallt, die Oberweite auch. Sieht so ein zufriedener Moment aus? Auf den ersten Blick wahrscheinlich – klingt doch wie der ganz große Wurf. Vielleicht besteht das wahre Glück aber auch aus winzigen Nebensächlichkeiten, die im Alltagstrubel leicht zu übersehen sind und von uns als selbstverständlich erachtet werden: der Geruch von Holzplanken in der Sonne. Das Aufschlagen der ersten Seite eines guten Buches. Der Moment im Restaurant, wenn der Kellner mit dampfenden Tellern aus der Küche kommt und auf uns zusteuert …

Ja, mit dem Glück ist es so eine Sache. Wir haben zwar keinen blassen Schimmer, wie es exakt aussieht, doch das hindert uns nicht daran, ihm unser ganzes Leben lang wie ein Hase im Zickzack- Kurs hinterher zu hechten. Oder den Dingen, die wir dafür halten, weil die Gesellschaft sie uns als wünschenswert vorgaukelt. Reichtum gehört dazu, beruflicher Erfolg, eine ewiglich romantische Ehe, hübsche wie begabte Kinder, vielleicht noch ein fetter Sportwagen, die eine oder andere Traumreise – ach ja, und das Paar italienische Stiefel, das wir uns schon so lange wünschen. Gut, dass Gesundheit an oberster Stelle steht und Geld nicht glücklich macht, wissen wir im Grunde unseres Herzens. Aber soll man deswegen ein Leben als Kirchenmaus fristen, Körner rösten und meditieren? Eher schwierig.

Die Frage lautet also: Was schafft wirklich tiefe Zufriedenheit? In dem Buch „Glück. The World Book of Happiness“ fasst der belgische Autor Leo Bormans den aktuellen Stand der Glücksforschung zusammen, indem er hundert Forscher aus aller Welt aufschreiben ließ, was ihrer Ansicht wirklich glücklich macht. In dem Buch findet sich eine einfache Formel für das Glück. Sie lautet: „Haben plus Lieben plus Sein.“ Dabei besteht das Haben aus unseren Finanzen, dem Auto und der Wohnung, das Lieben natürlich aus der Partnerschaft, der Familie und den Freunden. Das Sein wiederum definiert sich durch das, was uns ganz persönlich befriedigt. Das kann der Job sein, für den wir brennen – aber auch eine klitzekleine, unscheinbare Passion, der wir nachgehen: Tomaten ziehen, bis sie dunkelrot in der Sonne leuchten. Zementharte Kekse backen oder heimlich schillernde Seifenblasen vom Balkon pusten, wenn kein Nachbar guckt. Soll also heißen: Wer ewig auf den Lottogewinn wartet und dabei ständig an den kleinen Kostbarkeiten vorbeirennt, ist am Ende der wirkliche Pechvogel.

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Schlagworte
Psychologie | Tipp
Autor
Wiebke Brauer