Liebe & Psyche

Beziehung Freundschaften mit Paaren

Freundschaften mit anderen Paaren könnten theoretisch eines der Highlights im Beziehungsalltag sein. Warum sind sie in der Praxis dann nur oft so schrecklich kompliziert?
   

Draußen prasselt der Regen mit Macht an die Fensterscheiben. Drinnen sitze ich und hadere mit meinem Schicksal. Wenn es nicht seit zwei Tagen so schütten würde, müsste ich auch nicht in dieser scheinbar nicht mehr enden wollenden Spieleabend-Hölle sitzen und zwei Pärchen dabei zusehen, wie sie sich abwechselnd selbst zerfleischen oder einander mit niedlichen Kosenamen ihre Zuneigung bekunden. Meinen Freund und mich schließe ich da natürlich nicht mit ein. Wie denn auch?! Da bin ich schließlich parteiisch. Außerdem sind wir total normal und haben uns in unserer Beziehung überhaupt nicht verändert. Also, zumindest nicht so, dass es uns aufgefallen wäre …

Aber zurück zum Spieleabend-Horror. Das Schlimmste daran ist, dass ich mir diese Situation selbst eingebrockt habe. Sie war praktisch meine Idee. Drei Pärchen, ein ganzes Wochenende lang in einem hübschen Bungalow in Holland. Ist doch super! Zusammen am Strand spazieren gehen, Sonnenuntergänge angucken und sich ordentlich Prosecco und Bier hinter die Binde kippen. Ganz ohne Eifersüchteleien oder dieses seltsame Unbehagen, das einen manchmal überfällt, wenn man einen seiner Single-Freunde zu so einem Anlass geladen hat. Was ich bei diesem super Plan nicht bedacht habe, ist zum einen das schlechte Wetter und zum anderen die Tatsache, dass sich manche liebenswerten Individuen, sobald sie sich in einer romantischen Zweierkonstellation befinden, zu ganz merkwürdigen Wesen weiterentwickeln, die man so bislang noch nicht gekannt hat.

Aus der betont unabhängigen und emanzipierten Freundin wird im Beisein ihres nicht minder emanzipiert wirkenden Lebensgefährten zum Beispiel ein fürsorgliches Mütterchen. Alle 15 Minuten springt sie hektisch auf, um ihrem Liebsten das Glas aufzufüllen oder ihm einfach nur über den Kopf zu streichen. Vielleicht gibt es Menschen, die das süß finden, ich find’s merkwürdig. Genauso merkwürdig, wie die Tatsache, dass der beste Freund meines Freundes seine bessere Hälfte bei jedem gelungenen Spielzug zur Belohnung eine gefühlte Ewigkeit lang leidenschaftlich abknutscht und anfeuert, als hätte sie gerade den Nobelpreis für Physik eingeheimst. Ich finde, man kann Nähe und Partnerschaft auch übertreiben.

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Schlagworte
Liebe | Partnerschaft | Psychologie
Autor
Yvonne Adamek