Liebe & Psyche

Freundschaft Freundschaft

„Liebe vergeht, Freundschaft besteht...“, so schrieb man sich ins Poesiealbum. Dass sie – wie wir – erwachsen wird, haben wir damals noch nicht geahnt. PETRA-Autorin Katja Bosse über die (zweit)schönste Beziehung der Welt
Beste Freundin
   

Wie beginnt eine Freundschaft? Früher kürte man zur Freundin diejenige, die das gleiche Tutu schön fand. Man befühlte gemeinsam den weichen Tüll, drehte sich verzückt im Prinzessinnenspiegel – und kaufte als Zeichen der tiefen Verbundenheit noch passende rosa Glitzerhaarspangen. Später lief man beim Ausflug Hand in Hand, kicherte über die Streiche der Jungs und besuchte zusammen einen Ballettkurs.

Aus dem Kichern wurde Schwärmen, aus den Tutus wurden Miniröcke – und endgültig besiegelt wurde die Freundschaft, indem man sich schwor, ein Loft zu beziehen, die Welt zu bereisen und mindestens Model zu werden. Alle beide und alles zusammen. Geschmäcker, Styles und Ziele schienen bei besten Freundinnen deckungsgleich. Und doch ist alles anders gekommen. Keine gemeinsame Wohnung mit Pferdepostern, sondern getrennte Ausbildungsorte. Keine Laufstegjobs, stattdessen unterschiedliche Karrieren. Und dazu noch jede Menge neue Kontakte, neue Impulse, neue Städte. Kaum zu glauben also, dass der Klein-Mädchen-Traum trotz allem Bestand hat – und die Freundschaft heute immer noch so toll ist wie einst in Tüll.

Veränderungen als Bereicherung sehen

„Eine Freundschaft kann solche Veränderungen durchaus überstehen und sich neuen Gegebenheiten anpassen“, sagt Dr. Horst Heidbrink. Der Diplom-Psychologe forscht seit vielen Jahren auf dem Gebiet der sozialen Beziehungen und weiß, dass Freundschaften genauso wachsen können wie ihre Gründerinnen. Geht ja auch gar nicht anders: Verändern tun wir uns nun mal alle – erst recht, wenn wir uns von Kindesbeinen an kennen. Der Geschmack in Sachen Jungs, Klamotten und Musik mag sich im pubertären Alter zwischen besten Freundinnen noch so sehr geglichen haben – trotzdem sind beide ihren eigenen Weg gegangen, haben gelernt, in sich hineinzuhorchen, das Beste aus sich herauszuholen und einen Lebensstil zu finden, der sich von dem der Freundin zwangsläufig unterscheidet. Einfach weil zwei Persönlichkeiten herangereift sind, die sich bestmöglich selbst verwirklichen.

Aber egal, wie gefestigt, unabhängig und gelassen wir heute sind: Den lieben Rat der Freundin, ihre gut gemeinte Kritik und eine Einschätzung der Lage können wir immer noch gebrauchen. Genauso wie die Freude an gemeinsamen Erinnerungen und die Lust auf neue Erlebnisse mit ihr. Dass sie einen anderen Beruf ergriffen hat, auf andere Dinge spart und auch auf andere Typen steht, muss der Verbindung zueinander nichts anhaben. Im Gegenteil: „Es kann sehr bereichernd sein, wenn sich der Alltag von Freundinnen maßgeblich unterscheidet“, sagt Heidbrink. Dann hat man sich jedenfalls viel zu erzählen, kann durch die andere in neue Themen eintauchen und lernt ganz unterschiedliche Umfelder kennen.“ Vielleicht hat die andere ja sogar das verwirklicht, wovon man auch einmal heimlich geträumt hat – und kann nun mitverfolgen, was einen selbst gereizt, aber letzten Endes nicht gänzlich erfüllt hätte. Die Freundin ergänzt dann das eigene Ich – und das fühlt sich nicht nur gut an, sondern ist eine enorme Bereicherung für den persönlichen Horizont. Wichtig ist nur, dass die gemeinsame Grundlage stark genug ist, um den Veränderungen standzuhalten.

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Schlagworte
Charakter | Frauen | Freundschaft | Lifestyle | Persönlichkeit
Autor
Katja Bosse