Liebe & Psyche

Was wir mit 18 gern schon gewusst hätten Ein Blick zurück

Liebeskummer und Vollkrisen: Hätten wir damals manche Dinge schon früher gewusst, hätten wir in der Jugend sicherlich anders gehandelt. Zwei Autorinnen machen sich Gedanken.
Bilderstapel
     

Sorglose Jugend? Na ja … Mit 16 meditierte man wochenlang über den Satz eines süssen Typen, glaubte, mit 30 zu sterben, und nahm viele Dinge sehr wichtig: Was Anja gestern über unseren Hintern gesagt hat. Samstagabende. Cool sein. Passbild-Automaten. Geburtstage. Samstagabende. Silvesterpartys. Heute sind Silvesterpartys nicht mehr ganz so entscheidend, Männer nicht mehr ganz so süss – und meditieren tun wir über andere Dinge. Altersweise sind wir nicht geworden, allerdings hat sich eine Gelassenheit eingestellt. Wir glauben nicht mehr, an Liebeskummer zu sterben, und scheren uns nicht länger um jeden Kommentar. Manchmal, wenn man zufällig in alten Fotos wühlt, schleicht ein Gedanke heran: Was wäre, wenn ich damals das Wissen von heute gehabt hätte? Wäre ich ein anderer Mensch geworden, freier und glücklicher? Vielleicht. Alles bereuen, alles anders machen, nein, darum geht es nicht. Aber die Frage „Was wäre, wenn…?“ ist reizvoll. Darum haben wir drei Frauen gebeten, einen Blick zurück in die Zukunft zu werfen.

Miriam Pielhau
Miriam Pielhau (35 Jahre, Moderatorin und Buchautorin)

FRÜHER WAR SIE EINE MODERATORIN UNTER VIELEN. 2008 ERKRANKTE SIE AN BRUSTKREBS – UND FÜR IHREN MUTIGEN UMGANG DAMIT BEWUNDERTEN WIR SIE SEHR. HIER SCHREIBT SIE EINEN BRIEF AN IHR 18-JÄHRIGES „ICH“

„Bin ich gut?“ Diese Frage stellst du dir dieser Tage oft. Das Ja-Wort käme dir nicht über die Lippen. Dafür aber jedes Wenn und Aber. Was aber, wenn ich dir das noch sagen will, liebe Miri: Du bist „wow“. Und nicht „autsch“. Ja, ja, schüttel du wild deinen sturen Dickkopf. Finde 1000 Argumente gegen dich statt eines für dich. Ich wünschte, du würdest mir glauben. Dein Glauben, der ist doch jetzt schon so stark. Halt dich daran fest. In guten und noch mehr in schlechten Zeiten. Sei wach und aufmerksam für das Glück. Nimm es wahr. Und nicht nur hin. Wisse, dass es nicht gekommen ist, um zu bleiben. Aber dass es nur geht, um zurückzukehren. Zieh dich warm genug für die kalten Tage an. Stattdessen trägst du rund um die Uhr das Shirt der Selbstzweifel. Und immer die Spendierhosen. Teile nicht nur Geld. Teile deine Gedanken. Du kannst dir keine Liebe kaufen. Die gibt es nur kostenlos.

Mute dich deinen Freunden zu. Nur zu, nur Mut. Halt der Angst vor diesem Leben den Mund zu, bis sie aufhört zu brüllen. Schrei dir lieber den Hals wund bei Rockkonzerten. Arbeite nicht Tag und Nacht. Mach die Nacht zum Tag. Verschwende weniger Zeit mit kritischen Blicken auf deine Seele und auf deinen Hintern. Komm zur Vernunft und sei endlich ein bisschen unvernünftig. Trag Verantwortung. Nicht die Last der Welt. Und trag kurze Röcke. Schiel nicht zu sehr nach übermorgen. Lass das Augenrollen zum Vorgestern. Lebe gegenwärtig. Weißt du, nicht alles, was Mama immer gesagt hat, ist falsch. Ich verrate dir ein Geheimnis: Das Allermeiste stimmt. Und das Beste: der lässigste Moment in meinem Leben, als ich das kapiert habe. Lässig, weil’s gelassen macht. Und Gelassenheit ist ein Geschenk. Gelassenheit, die Kunst vom Lassen. Los… laufen… und sein lassen. Lass dich nicht, lass du die anderen. Nein. Es muss dich nicht jeder lieben. Nein. Nein. Du musst nicht jeden lieben. Damit ein bisschen Liebe übrig bleibt. Für dich. Denn du bist schon ganz schön gut.

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