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Sex Sex-Toy Revolution

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Bin ich hier richtig? Das ist das Erste, was einem durch den Kopf schießt. Das Ganze wirkt eher wie ein piefiges Nachbarschaftsfest in einer typisch amerikanischen Vorstadt: Zelt-Atmo, quietschbunte Ballons kleben an der Decke, Wärmeplatten-Buffet mit Allerlei, das in viel Soße vor sich hin blubbert. Dazu fröhliche Jahrmarkt- Discobeats. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, um was es sich wirklich handelt: Wir befinden uns in L.A., bei 30 Grad im Schatten, auf der wichtigsten Messe für Sexspielzeug. Anders gesagt, hier wird die Zukunft des Sex geboren. Auf der ANME, dem Dreh- und Angelpunkt für Sex Toys, geben sich die großen Hersteller und Einkäufer ein Stelldichein – und der Markt boomt wie nie. Rund zwölf Milliarden Euro werden jährlich weltweit mit Lustspielzeug umgesetzt, Tendenz steigend.

vibrator goes smartphone

Über 80 Prozent des Angebots: Vibratoren. Als Sex Toy Revolution bezeichnen Experten den derzeitigen Trend: Nie kamen sie so stylish, so vielseitig – und vor allem so gut vernetzt daher. Das Motto: „vibrator goes smartphone“, erklärt eine Frau hinter einem schneeweißen Tresen in einem Ton, als würde sie über das Wetter reden.

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„In the future, you’re having sex with your phone.“ („In Zukunft wirst du Sex mit deinem Telefon haben.“) Wie bitte? Wer will das denn? Eine beschwichtigende Geste. In ihrem Business-Outfit, schwarzem Bleistiftrock und weißem Blazer, wirkt sie eher wie eine Verkäuferin für High-End-Küchen - gerä te. Oder Handys. „Sehen Sie mal hier“, sagt sie und zieht etwas aus einer Schachtel, das von der Seite aussieht wie ein iPhone 6, nachdem man darauf gesessen hat. Mit der leichten Wölbung des flachen Gerätes hat es eine andere Bewandtnis – das Ding aus weichem Silikon wird direkt im Slip getragen, daher die gebogene Form. „Orgasm to go! Enjoy yourself every - where at any time!“ Technik macht’s möglich. Der „blueMotion“- Vibrator von OhMiBod etwa ist Bluetooth- und WLAN-fähig, steuerbar per Handy-App samt Voice-Control-Funktion, erfährt man. Oha!

Was konnten Vibratoren früher noch mal außer vibrieren? Genau, nicht viel. Ganz anders jetzt: Der Trend geht zur Symbiose von Smartphone und Smart vibra - tor – und der hört eben wie ein gefügiger Liebhaber auf (Sprach-)Befehle. Hektisches Fum meln an Knöpfen war gestern. Schneller, fester, etwas softer…! Kein Problem mehr im Zeitalter technologisierter Erotik. Und es geht noch mehr, wie das Foto auf der Verpackung des „blueMotion“ verrät: Da sitzt ein Mann in einem Sessel und zielt mit seinem Smartphone wie mit einer Fernbedienung auf die vor ihm stehende, elegante Frau, die sich offenbar in Ekstase befindet. So nämlich geht der Bluetooth-Sex der Zukunft – sobald die Trägerin ihren Sexpartner über die App freischaltet, darf er ihren Lustknopf nach Belieben bedienen. Kontrollverlust 3.0: Den besonderen Kick sollen zudem Szenarien bringen, mit denen die Firma in ihrer Produktbeschreibung wirbt: Sie sitzt bei einem Dinner, er sorgt von einem anderen Ort der Welt aus für plötzliche Bewegung in ihrem Höschen. Früher schickte man sich Postkarten, heute Orgasmen. So lässt sich auch eine Fernbeziehung definieren. Thrill inklusive.

Mit alten Gewohnheiten und neuen Möglichkeiten

Die neue Sex-Toy-Generation spielt mit alten Gewohnheiten und neuen Möglichkeiten. „Die Idee, den Dildo mit der Playlist von MP3- Playern zu verbinden, gab der Branche den entscheidenden Impuls, erotisc hes Spielzeug weg vom Schmuddel-Image hin zum Lifestyle-Tool zu tunen“, erklärt Suki Dunham, Designerin und Gründerin von OhMi- Bod. Musikalische Vibratoren, die im Rhythmus der Lieblingsplaylist oder nach der Stimme des Partners pochen, pulsieren und pumpen, sollen nicht nur Spaß machen, sondern so selbstverständlich in die Handtasche gehören wie ein iPod. Und offensichtlich ist das Ergebnis für alle Seiten in höchstem Maße befriedigend – schon die ersten Modelle kamen gut an, hier auf der Messe tummeln sich die Nachfolger zahlreicher Firmen – noch bunter und greller, mit noch mehr Funktionen und in noch verrückterer Optik. Überhaupt fällt die Verschmelzung von Design und Sex Toys am meisten ins Auge. Oft kommen Macher des neuen Hightech- Spielzeugs aus fachfremden Branchen – viele nicht zufällig aus dem Produktdesign der Handy-, Elektronik- oder eben Küchengeräteindustrie. So gestaltete der Chefdesigner von WeVibe zuvor bei der italienischen Design-Fabrik Alessi. WeVibe entwarf auch den ersten Partner-Dildo „C-Vibe“, nicht zufällig erinnert dieser stark an die typischen Alessi-Produkte. Flaschenöffner oder Dildo? Auf den ersten Blick nicht ganz klar. Viele Exemplare wirken wie kleine, überaus ästhetische Statuetten – und ihre tatsächliche Benutzung erschließt sich erst nach ausgiebigem Studium der Betriebsanleitung. Andere Vibratoren arbeiten mit Reizstrom – Lustbefriedigung mit sanften oder je nach Geschmack stärkeren bis zu schmerzhaften Stromschlägen hält Einzug ins Schlafzimmer. Ja, wieso denn überhaupt noch Schlafzimmer? Auffällig ist der Trend, Vibratoren als USB-Stick oder eleganten Stift zu tarnen. Lustbefriedigung immer und überall? Wird der Vibrator der Zukunft mit uns sprechen – wird er sich unsere Lustkurve merken und entsprechend den persönlichen Vorlieben zittern und zucken? Nicht unwahrscheinlich. Alles wird digital, jetzt auch noch der Sex, die Beziehungen, mahnen Kritiker. Andererseits: Was können harmlose Erfindungen schon schaden, die einfach nur Spaß machen sollen und dazu schön und bunt aussehen? Früher nahm man die Gurke, heute ein im Takt surrendes Spielzeug. Und gegen einen Dildo der Zukunft, der einem hinterher ein Glas Schampus ausschenkt, wäre doch auch nichts einzuwenden, oder?

BRIAN DUNHAM - der Sex-Toy Revolutionär

Der Amerikaner arbeitete früher bei einem Technikunternehmen, seine Frau Suki war Produkt - designerin bei Apple. Gemeinsam hatten sie die Idee, iPod und Vibrator zu verbinden – die Marke OhMiBod entstand. Ein Sex Toy, das nach der eigenen Playlist brummt? Das kommt super an. Brian und Suki konnten inzwischen ihre alten Jobs an den Nagel hängen.

Hätten Sie selber mit so einem Erfolg gerechnet?

Nein, wir können es eigentlich immer noch nicht fassen. Alles begann ja mit einer verrückten Idee – ich hatte meiner Frau zu Weihnachten einen Vibrator und einen iPod geschenkt. Da meinte sie plötzlich: Wie cool wäre das, wenn man beides verbinden könnte? OhMiBod war nur als ein Experiment gedacht, der Sprung in die Erotik branche barg für uns ein großes Risiko.

Was haben Freunde und Familie zum Jobwechsel gesagt?

Sie waren nicht gerade begeistert. Anders als Europäer schrecken viele Amerikaner vor Sex Toys immer noch zurück. Selbst heute wissen einige unserer Verwandten nicht, womit wir unser Geld verdienen. Aber eine lustige Beobachtung haben wir gemacht: Gerade die streng religiösen Leute zeigen sich am interessiertesten an unseren Produkten.

ANNE FINLAYSON

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Die Computertechnologin und Ökonomin sitzt als Geschäftsführerin im Vorstand des kanadischen Vibrator-Herstellers WeVibe.

Welche Erwartungen stellen wir heute an unseren Vibrator?

Die Konsumenten sind seit Langem nicht mehr mit Form und Funktionalität herkömmlicher Plastikdildos zufrieden. Sie suchen nach qualitativ hochwertigen Produkten, die hautfreundlich und visuell stark sind, bedienbar per App.

Der weltweite Vorsprung gelang Ihrer Firma mit der Erfindung des C-Vibe, dem ersten patentierten Sex Toy für Paare. Wie funktioniert der genau?

Melody und Bruce, die Erfinder, wollten ein Toy, das beide gleichzeitig stimuliert und zudem bequem, ergodynamisch und schön anzusehen ist. Der Vibrator hat die Form eines C, der untere Bogen wird in die Vagina eingeführt, das Glied des Mannes gleitet darunter, sodass beide beim Sex auch noch sanft durch das Toy stimuliert werden. Der obere Bogen verwöhnt die Frau von außen. Das gab es so bis dato noch nicht.

Früher waren Sex Toys schmuddelig, heute sind sie so normal wie jede Jeans im Schrank. Was ist passiert?

Es fing in den 70er-Jahren an, als wir Frauen unsere neu gewonnene sexuelle Freiheit lebten. Diese Hippie-Dynamik verschaffte dann den späteren Müttern die Freiheit, mit ihren Kindern auch über Sex zu sprechen. Heute le sen wir „50 Shades of Grey“ wie die Tageszeitung, besuchen Tantra-Klassen, sprechen offen über unsere Wünsche, ob beim Sex- Therapeuten oder mit dem eigenen Partner.

CHAD B RAV ERMAN

Braverman ist Direktor für Produktentwicklung bei Doc Johnson, dem Branchenführer auf dem Sex-Toy-Markt seit 40 Jahren.

Wie hat sich der Markt für Sex Toys in den letzten Jahrzehnten verändert?

Wir haben eine neue Zielgruppe: Frauen. Sie bestimmen heute in einer Beziehung, welcher Dildo gekauft wird. Besonderen Wert legen sie auf gutes, ästhetisches Design und haptisch ansprechende, hautfreundliche Materialien. Bei den Frauen gilt Optik mehr als bei den Männern, das zeigt unsere Marktforschung: Das Auge isst mit, je schöner, desto besser! Zudem sind Paar-Toys immer beliebter bei den Kunden – besonders Vibratoren.

Und die Männer fahren mehr auf den technischen Aspekt ab?

Wir haben wirklich den Eindruck, dass die Männer zwar mehr auf technische Spielereien anspringen, aber letztlich beide Seiten sehr aufgeschlossen und experimentierfreudig sind, wenn es um Sex Toys geht.

Es scheint ja so, als wäre da eine Art Erfinderboom im Gange?

Allerdings. Wir investieren sehr stark in Forschung und Entwicklung, arbeiten eng mit Ärzten, Sexualtherapeuten, Designern und Ingenieuren zusammen. So viel Innovation wie heute gab es noch nie in dem Markt.

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