Sex

Männer Mein Bauch, die Frauen und ich

Daniel Craig, Brad Pitt und David Beckham: Sie haben es alle - Sixpack, Knackpo und tolle Arme. Unter welchem Druck steht man(n) heute? PETRA-Auto Maximilian Reich teilt seine Sorgen und geht mit uns auf eine Männer-Typen-Zeitreise durch die Jahrzehnte.
David Beckham für H&M
  

An der Grundschule hatte ich ein bretthartes Sixpack. Darauf hätten Sie drei Wochen alte Bergsteigerunterhemden wieder frühlingsfrisch waschen können. Echt wahr. Mein Problem: Solange daran nicht ein Tamagotchi baumelte, interessierte sich wirklich niemand auf dem Pausenhof dafür. Mich übrigens eingeschlossen. Heute bin ich 29 und habe ein kleines Bäuchlein. Im Sitzen hängt es über dem Gürtel wie ein nasser Sack, den jemand zum Trocknen über den Gartenzaun geworfen hat.

Woher kommen die Komplexe der Männer

Daniel Craig
Die Männer von Heute

Smart und ein perfekter Body - Der Star von heute packt wieder ein bisschen mehr Gewicht drauf. Aber: Muskeln alleine reichen nicht. Als Beweis seiner Männlichkeit ist auch ein Ein-Paar-Tage-Bart wie bei David Beckham und Matthew McConaughey Pflicht. Und über das Sixpack trägt man ein klassisches Outfit – siehe Daniel Craig

Man kann sagen, mein Körper und ich sind nicht die dicksten Kumpel. Und schuld daran ist Daniel Craig. Bevor er James Bond wurde, war alles gut. Na ja, fast. Dass ich den Bartwuchs einer japanischen Frühgeburt habe, ärgerte mich schon damals. Ich hatte aber gehört, dass häufiges Rasieren den Wuchs anregen soll. Da ich keinen Rasierapparat besaß, schmierte ich mir jeden Morgen die Enthaarungscreme meiner Mutter auf die Oberlippe. Das Zeug brannte furchtbar. Aber abgesehen davon ging es mir wirklich gut. Und dann kam der 29. November 2006, der Tag, der meine Welt veränderte: 44 Jahre lang war der Agent ihrer Majestät ein schlanker Kerl, der höchstens etwas mehr Brusthaar besaß. Und dann steigt da plötzlich dieser britische Bodybuilder aus dem Meer, mit mächtigem Bizeps und mickrigem Körperfettanteil – und stahl mir vor Annette die Show. Das war das erste Mal, dass ich merkte: „Hoppla. So was will ich auch.“ Aber da hatte ich schon seit zehn Jahren kein Sixpack mehr. Nichts ist schmerzhafter als zu wissen, dass Frauen einen nicht sexy finden. Das hat Annette natürlich nie gesagt. Aber wenn ich zweieinhalb Stunden lang auf der Leinwand den neuen Audi R8 angucke und danach wieder in meinen Skoda Fabia steigen muss, stecke ich doch auch nicht während der Fahrt den Kopf aus dem Fenster und rufe: „Yippie!“ Sie beschweren sich, dass Ihnen die Kerle immer nachgaffen? Wir können gern tauschen.

Männer haben selbstbewusst zu sein

Brad Pitt
Die Männer der 90er

Aalglatte Bubis ohne Ecken, Kanten und Fettpolster - Der geschniegelte Schwiegersohn-Typ mit Waschbrettbauch – so wie Brad Pitt sah der Frauenschwarm der 90er aus.

Laut einer Studie des Modelabels Björn Borg haben 53 Prozent der Deutschen am liebsten im Dunkeln Sex, weil sie sich dann selbstbewusster fühlen. James Bond hat mich zu einem von ihnen gemacht. Oh Gott, ich klinge vermutlich gerade wie ein Jammerlappen. Bitte entschuldigen Sie. Ich genieße es einfach, endlich mal alles sagen zu können. Unter meinen Freunden ist das Thema tabu. Obwohl jeder von Ihnen in einem Gym angemeldet ist. Männer haben selbstbewusst zu sein und sich so zu mögen, wie sie sind. Egal wie hoch der BMI ist. Das Wort BMI dürfen sie eigentlich gar nicht kennen. Und beim Fußballspiel den Kumpel schon gar nicht fragen, ob er nicht auch ein Bier mit weniger Kalorien im Kühlschrank hat. Na ja. Jedenfalls bin ich mittlerweile wieder solo. Ein untersetzter Single ist wie ein Grönländer bei den Olympischen Sommerspielen: chancenlos.

Das ist peinlich

Patrick Swayze
Die Männer der 80er

Voll definiert. Faser für Faser Superman. In dieser Ära pumpten die Herren sich auf, was die Anabolika hergaben. Und trugen Schulterpolster drüber. Patrick Swayze gehörte zu den soften Exemplaren, das lag wohl am Merengue.

Charakter ist alles? In der Theorie vielleicht. Aber beim Feldversuch hechelt ihr doch den durchtrainierten Herren hinterher wie Waldi der Wiener. Hab ich nicht recht? Oder wie oft haben Sie sich einem speckigen Glatzkopf an den Hals geschmissen, weil er auch nach fünf Bier noch so geistreich über die Apologie des Platon referieren konnte oder es schaffte, dass Ihnen vor Lachen der Weißburgunder aus der Nase schoss? Eben. Aber das ist okay. Bloß dass es halt für Männer wie mich die Partnersuche extrem erschwert, wenn man eine Bar betritt und lediglich von Kerlen ausgespäht wird. Sie haben richtig gehört: von Kerlen. Große, behaarte Jungs, die gucken, ob der andere vielleicht noch größer und behaarter ist. Ist der Kerl dort hinten am anderen Ende des Tresens kräftiger? Hoffentlich nicht. Was für eine Demütigung, wenn die Begleitung notiert, dass wir sie nicht beschützen könnten. Ich fühle mich dann jedes Mal wie eine männliche Rundschwanzseekuh aus einer Tier-Doku, die vom Alpha-Tier der Herde rund gemacht wird und am Ende das Rundschwanzseekuh-Weibchen natürlich nicht bekommt. Echt saupeinlich, wenn die ganze Gruppe sieht, dass man schwächer ist.

Promotion
Anzeige
1 von 2
Schlagworte
Beziehung | Lifestyle | Männer
Autor
Maximilian Reich