Sex

Sex Entspannt Euch beim Sex - Nur O.K. ist auch super

Paar kuschelt im Bett

Sex, das war für mich schon immer größtenteils Entspannung. Nicht im Sinne von Sauna oder wie die Tüte Chips vor dem Fernseher. Nein, eher so wie der Besuch in einem guten Restaurant. Manchmal neu und aufregend, manchmal solide, aber lecker. Die Entscheidung, worauf ich gerade am meisten Lust habe, fällt stets spontan und folgt nur einer Prämisse: Hauptsache, ich kann es genießen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 Seit einiger Zeit beschleicht mich allerdings so ein Gefühl, dass simpler Genuss als Merkmal für guten Sex bei Weitem nicht mehr ausreicht. Zum ersten Mal empfand ich das, als ich die Serie "Sex and the City" schaute. So richtig aufdringlich wurde es dann, als ich "Shades of Grey" in die Finger bekam – den Bestseller, der die Handschellen- und Peitschenrate in deutschen Schlafzimmern wahrscheinlich so extrem in die Höhe getrieben hat wie kein anderes Medium. Wobei andere Medien sich ja auch viel Mühe geben: Immer wieder schreien mich Zeitschriften-Cover, Ratgeber in Buchhandlungen und Fernsehsendungen an, es doch endlich mal mit dem Super-Mega-Orgasmus zu versuchen. Natürlich nicht, ohne das passende Handwerkszeug direkt mitzuliefern. Bloß nicht prüde sein und immer brav alles ausprobieren. Was soll man den Freundinnen denn sonst beim gemeinsamen Glas Sekt berichten? Dass die schnelle Nummer kurz vorm Einschlafen gestern ganz nett war? Sex ohne Superlativ – das ist doch peinlich!

fussfetisch
Fußfetisch – wenn Füße zum Lustobjekt werden

Bloß keinen Stress beim Sex!

Wann ist Sex eigentlich zum Leistungssport geworden? Immer besser, immer ausgefallener und mit immer mehr Hilfsmitteln versuchen wir verzweifelt, den ultimativen Höhepunkt zu erklimmen. Mit Viagra gibt es sogar ein hochoffizielles Dopingmittel. Aber muss ich mich im Alltag nicht schon genug mit den Auswüchsen unserer Leistungsgesellschaft abplagen? Da will ich doch wenigstens im Bett meine Ruhe haben. Es bedeutet für mich puren Stress, während einer Nummer meinen Einsatz und den meines Partners geistig schon mal auf einer Bewertungsskala einzuordnen. Und Stress ist laut Experten übrigens der Lustkiller Nummer eins. Wer also unter solchen Voraussetzungen noch Spitzenleistungen bringen kann, kann mir gerne ein paar
 Anregungen zukommen lassen. Ich frage mich
 derweil lieber, was so schlimm daran sein soll,
 nicht jedes Mal abzugehen wie eine Rakete,
 sondern sich ab und an einfach mal nur zurückzulehnen und zu genießen. Mich törnt dieses
 ganze Gefasel von Triple-Höhepunkten jedenfalls eher ab als an. Und jetzt mal so ganz unter
 uns: Es gibt sogar Tage, an denen ist mir ein 
Orgasmus viel zu anstrengend. Verrückt, oder? Nichtsdestotrotz kann ich mich nachher befriedigt fühlen. Oder sagen wir besser: zufrieden.
 Dann reicht mir nämlich das Gefühl, meinem 
Partner nah zu sein.

Sex hat viele Facetten

Laut Leonard Derogatis, 
Leiter des Zentrums für sexuelle Medizin beim
 Sheppard Pratt Health System in Baltimore, 
geht das sogar der Mehrheit der Frauen so. 
"Frauen haben Sex aus einem Dutzend verschiedener Gründe, und nur einer davon ist, dass es
 schön und befriedigend ist", so Derogatis. Ver
trauen, Zuneigung und Wertschätzung gegenüber dem Partner scheinen viel mehr im Vorder
grund zu stehen, und je sicherer man sich fühlt
und je besser die Beziehung, desto wichtiger 
werden diese Punkte. Heißt: Wem ich vertraue 
und wen ich liebe, dem muss ich nicht ständig beweisen, was für eine übererregte Dauergranate ich im Bett bin. Überhaupt gibt es so viel mehr Variationen und Möglichkeiten: Guten-Morgen-Sex, Schlaf-gut-Sex, Du-warst-heute-irgendwie-niedlich-Sex und natürlich den Ich-bin-so-heiß-auf-dich-zieh-dich-sofort-aus-Sex. Jede einzelne Art hat ihre Berechtigung. Und jede einzelne ist auf ihre ganz eigene Art befriedigend. Ich will einfach die Freiheit haben, mir je nach Stimmungslage auszusuchen, welcher Sex mir gerade am besten in den Kram passt.

Hab den Sex, den du dir wünscht!

Pärchen Sex sitzen
Entspannt zum Höhepunkt
Gut, auch ich stehe manchmal darauf, mir einfach die Kleider vom Leib reißen zu lassen und voller Leidenschaft loszulegen. Aber würde ich das immer akribisch planen, am besten noch mit den "10 Tipps, wie Sie ihn richtig geil machen" in der Hand – es käme wohl nie dazu. Das ist in etwa so wie mit den Menschen, die sich ihr erstes Mal zu romantischer Musik und im schmeichelnden Schein Hunderter Teelichter vorstellen – kann klappen, endet in den meisten Fällen aber enttäuschend. Ich persönlich gehe lieber gelassen an die Sache heran und lasse mich überraschen, wohin die Reise geht. Wenn man bedenkt, dass es der Durchschnittsdeutsche auf gerade 2,25 Mal Sex in der Woche bringt, wäre es doch ein bisschen schade, sich diese beiden Male durch überzogene Erwartungen zu versauen. Dieser ganze Performance-Zwang ist bestimmt eh nur wieder so ein Trend. Und ich bin mir ziemlich sicher, der geht auch irgendwann vorbei – so wie Haubensträhnchen, Steißbein-Tattoos oder bauchfreie Tops. Ach nee, die sind ja wieder in! Egal, ich muss sie ja nicht anziehen.

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Schlagworte
Beziehung | Erotik | Liebe | Partnerschaft | Sex
Autor
Yvonne Adamek