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Moderne Geishas in Japan Kalte Herzen

Man nennt sie moderne Geishas – und Gefühle sind ihr Geschäft. Für viel Geld flirten junge Japanerinnen mit älteren Männern. Wir waren dabei

Moderne Geishas
    

Gehetzt wirkt Rino, als wir uns das erste Mal begegnen: „Sorry, ich bin zu spät dran, weil der Friseurtermin länger gedauert hat.“ Es ist Freitagabend, kurz nach acht, wir haben uns in Tokios Bürobezirk Roppongi verabredet. Hier will die Japanerin mir ihre Welt zeigen, ihre Arbeit, ihr Leben. Interessanterweise beginnt ihr Joballtag genau dann, wenn die meisten anderen Menschen Feierabend machen.

Beiläufig verstaut sie ihr Handy in einem Louis-Vuitton-Etui und strahlt mich von einer zu anderen Sekunde mit einem leinwandreifen Hollywood-Lächeln an. Ob das Lächeln echt ist oder nur eine professionelle Maskerade? Ich kann es nicht einschätzen. Genauso wenig wie ich Rinos Aufmachung trauen mag, demMake-up, den Pumps. Denn in meinen Augen sieht sie aus wie ein kleines Mädchen mit viel zu viel Schminke im Gesicht. Gerade mal 1,50 Meter misst sie, für Japanerinnen eine ganz normale Körpergröße. Trotz oder wegen der hohen Absätze wirkt sie unglaublich zierlich, fast wie eine kleine Schwester, die man beschützen möchte. Doch das ist wohl nur mein eigener Blick, der besorgte Blick eines Mitteleuropäers. Tatsächlich ist Rino 24 Jahre alt und geht einer ziemlich erwachsenen Tätigkeit nach. Sie verdient ihr Geld als „moderne Geisha“. Weniger romantisch ausgedrückt: Sie arbeitet als eine Art Hostess, als hübsch aufgemachte Spaß-Begleitung für Männer in grauen Anzügen, die nicht selten ihre Väter sein könnten.

Kimonos aus edler Seide, aufwendige Hochsteckfrisuren, weiße Schminke auf dem Gesicht: Zumindest aus dem Kino kennen wir die traditionellen Geishas. Die Branche ist jahrhundertealt und einzig auf die Bedürfnisse der Männer zugeschnitten. Echte Geishas veranstalten Tee-Zeremonien, spielen zarte Musikstücke oder führen gebildete Konversationen mit ihren Gästen. Eine langjährige, harte Ausbildung ist nötig, Kenntnisse in Literatur, Kunst, Politik, und die Frauen wurden und werden als eine Mischung aus Lehrerin und Kulturbotschafterin geehrt. Noch immer arbeiten einige Tausend solcher Original- Geishas in Japan. Sie zu buchen, ist allerdings ein kostspieliges Vergnügen, das kaum ein Durchschnittsjapaner sich leisten kann. „Anfassen verboten!“ stellt wie eh und je einen wichtigen Pfeiler ihres Berufsethos dar.

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