Sex

Lieben Intimität - Schlüssel zum Glück

Mehr Nähe, besserer Sex, intensives Begehren, und das am besten auf ewig? PETRA-Autorin Friederike Schön erfuhr, dass Intimität DAS Werkzeug ist, um als Paar auf Dauer wirklich glücklich zu werden. Und dass es sich lohnt, diese Form der Verbundenheit zu pflegen
Intimität schaffen
  

So erobern sie sein herz
Die beiden waren unzertrennlich. Ausgerechnet ihre enorme Streitlust vermisse er am meisten, hat der Verhüllungskünstler Christo mal in einem Interview über seine Jeanne-Claude gesagt. Ein Dokumentarfilm über das berühmte Paar belegt es: Sogar vor der Kamera stritten sie. Nie respektlos, aber heftig. Sie liebten sich, aber sie schonten einander auch nicht, wenn’s drauf ankam. Trotz vieler Meinungsverschiedenheiten bildeten sie ein perfektes Team. Offensichtlich war nicht gerade ständige Harmonie das Rezept für diese große Liebe, die 52 Jahre dauerte, sondern eine besondere Form der Nähe und Verbundenheit: Intimität.

In der Liebe wünschen wir uns häufig mehr Nähe, mehr von diesem Wirgefühl – in den ersten Monaten gab es ja so wahnsinnig viel davon und meinen in Wahrheit Intimität. Bloße Nähe hat man auch mit dem Sitznachbarn im Bus oder im Kino, beim Arzt oder Friseur. Wir lassen viele nah an uns heran. Selbst vor dem Fernseher sind wir uns als Paar sehr nah, wenn er uns etwas mechanisch den Nacken krault, weil er in Gedanken hinterm Steuer des Aston Martin sitzt, den Daniel Craig mal wieder in rasendem Tempo durch enge Gassen steuert. Man sitzt eng beieinander – aber intim zu sein heißt eben etwas anderes.

„Intimität ist eigentlich etwas ganz Alltägliches, denn es bedeutet schlicht, dem anderen seine innersten Gedanken und Gefühle zu offenbaren, sich ihm zu zeigen“, sagt der Paartherapeut Dr. Tobias Ruland („Die Psychologie der Intimität“, Klett-Cotta Verlag, 268 Seiten, 16,95 €). Ohne Zensur, ohne Einschränkung. So selbstverständlich und unbefangen wie ein Kind, das fröhlich brabbelnd in die Arme seiner Mama krabbelt, mit einer Riesenportion Urvertrauen und Zuversicht.

Die Krux: Ohne Intimität außerhalb des Bettes kommt man sich als Paar immer seltener näher. Umgekehrt schürt sie die Lust erst auf lange Sicht. Sex zwischen Liebenden ist etwas sehr Intimes – mit einem Fremden können wir ihn allerdings auch haben. Aber spätestens wenn wir uns verstohlen davonschleichen oder am Morgen danach wahlweise betreten in den Kaffeebecher oder Löcher in die Luft starren und uns nichts mehr zu sagen haben, obwohl wir uns vor Stunden noch so nah waren, ahnen wir zumindest, was hier gefehlt hat.

Frau ist stark mit Boxhandschuh
Theoretisch ist das alles ziemlich simpel. In der Praxis scheitern jedoch viele daran, mit ihrem Partner, also mit dem theoretisch wichtigsten Menschen in ihrem Leben, offen und konstruktiv über ihre Gedanken und Gefühle zu sprechen. Dahinter steckt mehr als die Macht der Gewöhnung, an der sich die Liebe gern abnutzt. „Mit der Zeit sammeln wir viele kleine Verletzungen und schlechte Erfahrungen, die wir miteinander machen“, sagt Ruland. Jedes für sich genommen muss nicht dramatisch sein, aber in der Summe ist es häufig toxisch. Hier eine Zurückweisung, da ein Weghören und dort ein (oft ja nicht mal böse gemeintes) Abbügeln („Ach komm, du streitest dich doch häufig mit deiner Freundin. Früher oder später fallt ihr euch eh wieder in die Arme“). Oder man hat eben noch sein Herz ausgeschüttet und dann: „Hast du was gesagt?“ „Ach, war nicht so wichtig.“ Schwäche zugeben und die Balance zwischen Nähe und Distanz ausloten – auch das ist Intimität.

Ganz so geschmeidig läuft es leider nicht immer. Bevor man für ein ehrliches Eingeständnis („Ich würde so gerne mal wieder mit dir verreisen“ – „Och nö, zu Hause ist es doch am schönsten“) eine Watsche kassiert, werden künftig Dinge verschwiegen und Probleme abgeblockt. Da wird Schwiegermama heimlich eingeladen, weil der andere das nur genervt kommentiert hätte. Es wird geflunkert und ausgewichen, schleichend entfernt man sich voneinander. „Die Partner ziehen sich immer mehr zurück. Alles nur, um dem Risiko einer Enttäuschung zu entgehen“, weiß Ruland. Zur Intimität gehören Mut und Stärke, vor allem wenn nicht das erhoffte Feedback kommt. Das muss man aushalten.

Die gute Nachricht aber ist: In einer wirklich intimen Beziehung bekommen beide viel öfter, wonach sie sich sehnen. Weil man den anderen einschätzen kann, ihm vertraut und weiß, wie man ihn zu nehmen hat, wenn’s mal schwierig wird.

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Schlagworte
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Autor
Friederike Schön