Psychologie

Job Meine Kollegin ist meine beste Freundin

was-passieren-kann-wenn-aus-der-kollegin-eine-freundin-wird

Networking im Job
Der englische Dichter Lord Byron sagte einmal: „Freundschaft ist Liebe ohne ihre Flügel.“ Und da ist es auch eher nebensächlich, ob diese Freundschaft nun privat entstanden ist oder beruflich. Fakt ist: Wir verbringen über die Hälfte unseres Lebens im Job. Es liegt also nahe, dass man sich irgendwann anfreundet – sofern die Chemie stimmt, versteht sich. Zwischen Kaffee und Zigarette wird über Überstunden, die penible Kollegin und das letzte misslungene Date gesprochen. Oder die Bar um die Ecke erobert, um am nächsten Tag verkatert über die albernen Selfies zu lachen, die man in Gin-Tonic-Laune geschossen hat. Da bringt die Arbeit doch gleich mehr Freude. Das bestätigt auch die in New York lebende Wissenschaftsjournalistin Carlin Flora. Sie fand heraus, dass Menschen, die einen Freund am Arbeitsplatz haben, 40 Prozent zufriedener mit ihrem Job sind. Frolleginnen, also eine Mischung aus Freundinnen und Kolleginnen, sind produktiver – denn wer glücklich ist, arbeitet effektiver. Doch wenn man sich so vertraut ist, bietet das auch viel Potenzial für unangenehme Situationen. Neid, verschiedene Standpunkte, oder man geht sich zeitweise ziemlich auf die Nerven… Wir haben die typischsten Momente für Sie gesammelt und mithilfe einer Expertin Lösungsansätze gefunden.

WIR HATTEN EINEN SCHLIMMEN PRIVATEN STREIT, SEHEN UNS ABER JEDENTAG IM BÜRO. WAS SOLL ICH MACHEN?

Samstagabend vor der Stammkneipe: Die Freundin lässt mal wieder auf sich warten. Eine halbe Stunde später taucht sie mit einer lahmen Ausrede auf: „Sorry, der Verkehr.“ Und weil sie eigentlich immer zu spät kommt – ob zur Arbeit oder zum Date –, platzt es aus Ihnen heraus: „Du bist so unzuverlässig. Du kommst doch immer zu spät.“ Dann fliegen die Fetzen. Und plötzlich kommen alle aufgestauten Vorwürfe auf den Tisch. Die Stimmung am Montagmorgen im gemeinsamen Bürozimmer: unangenehm bis mies. Nun hilft nur eines: miteinander reden. „Eingeschnappt sein ist keine Lösung! Springen Sie über Ihren Schatten“, sagt die Wiesbadener Persönlichkeitstrainerin und Autorin Dr. Katja Kruckeberg („Tausche Abendessen gegen Coaching“, Kösel, 272 S., 17,99 Euro). „Verabreden Sie sich zu einem festgelegten Termin, zu einer Art Kolleginnen- Coaching, und notieren Sie sich vorher: Was ist passiert? Was hat mich verletzt? Durch diese bewussten Fragestellungen entschärfen Sie die Situation, weil Sie die Sachebene und die emotionale Bedeutung getrennt betrachten.“ Bitten Sie Ihre Freundin, es Ihnen gleichzutun, damit Sie beide alle (runtergeschluckten) Konflikte einmal durchsprechen können. Das bereinigt, und Sie sind sich in Ihrer „Frollegin-Beziehung“ wieder nähergekommen.

MEINE FREUNDIN ARBEITET UNPROFESSIONELL. WIE KANN  ICH MIT IHR REDEN, OHNE SIE ZU VERLETZEN?

Frau mit Salat
Gesunde Ernährung im Job
Sie arbeitet fehlerhaft, spielt lieber „Angry Birds“ auf dem Handy, als sich beim Teammeeting einzubringen, und ihr Blick ist schlimmer als der von Anna Wintour und Victoria Beckham zusammen. Fangen dann überdies noch die Kollegen an zu tuscheln, dauert es sicher nicht mehr lang, und auch dem Vorgesetzten fällt auf, dass die Kollegin schludrig ist. Da sollte man die Freundin in jedem Fall warnen. Nur, wie spricht man sie auf ihr Verhalten an? Expertin Katja Kruckeberg: „Sagen Sie ihr, dass Sie gerne in Ruhe mit ihr reden wollen. Benennen Sie die Probleme möglichst sachlich und fragen Sie offen: ,Wie können wir eine Lösung finden?‘“ Klingt eigentlich simpel. Aber was, wenn die Freundin sich so gar nicht einsichtig zeigt, total verletzt ist und mit einem zickigen „Was willst du denn?“ reagiert? Katja Kruckeberg sagt: „Lenken Sie ein. Betonen Sie, dass Sie sie nicht verletzen wollen, und holen Sie Ihre Kollegin dann aus ihrem defensiven Verhalten raus. Dafür müssen Sie ihr die Chance geben, ihre Sicht der Dinge zu erklären.“ Allerdings kann selbst die sachlichste Kritik auch manchmal zu Tränen führen. Da steht die Freundin vor einem wie ein Häufchen Elend. In so einem Fall hilft nur eines: sie in den Arm zu nehmen.

ICH HABE MITBEKOMMEN, WIE  EINIGE KOLLEGINNEN ÜBER MEINE FREUNDIN LÄSTERN. WAS SOLL ICH MACHEN?

Ganz ehrlich: Ein bisschen tratschen, das machen wir doch alle. Ob es nun die hässliche Hose, die komische Frisur oder der seltsame Mann ist – das gehört zum Arbeitsalltag dazu. Aber was macht man, wenn man mitbekommt, dass über die Freundin hergezogen wird? „Bitten Sie die Kolleginnen, mit Ihrer Freundin zu reden und nicht hinter ihrem Rücken zu tratschen“, sagt Katja Kruckeberg. Klar, das erfordert Mut. Und man muss abwägen, wie schlimm die Lästerei ist: Geht es nur um Äußerlichkeiten, lohnt sich der Aufriss nicht. Wird über die Arbeitsweise der Freundin hergezogen, ist es sinnvoll, etwas zu sagen. Aber sollte man der Freundin von den Lästereien berichten? „Von dem Vorfall sollten Sie ihr nur nach klugem Abwägen erzählen“, sagt die Expertin. „Das kann sonst eine neurotische Spirale auslösen – was bedeutet, dass die üble Nachrede ein vermindertes Selbstwertgefühl bewirken kann.“ Und das wünscht sich wohl keiner für seine Freundin.

MEINE  FREUNDIN IST NUN MEINE VORGESETZTE. WIE VERHALTE ICH MICH RICHTIG?

Glückliche Frau mit Brille
Job: So machen Sie richtig Eindruck!
Abends, beim Lieblingsitaliener: Irgendwann zwischen einer Pizza und einer Portion Tiramisu platzt es aus ihr heraus. „Ich wurde befördert! Aber keine Angst, an unserer Freundschaft ändert das natürlich nichts.“ Wenn’s nur so wäre… Denn meistens verändert sich sehr wohl etwas, wenn die eine die Karriereleiter erklimmt und die andere nicht. Wie ist es, die Freundin als neue Chefin zu bekommen? Und was, wenn man die super Stelle gerne selbst gehabt hätte? Logisch, dass es schwerfällt, sich auf Anhieb zu freuen. „Neid und Angst sind zwar verständlich, aber man muss auch gönnen können. Sonst ist die Freundschaft zum Scheitern verurteilt“, sagt die Persönlichkeitstrainerin Katja Kruckeberg. Statt sich zu ärgern, dass die Freundin das große Los gezogen hat und man selbst auf der Strecke bleibt, hilft aktives Gegensteuern. „Überlegen Sie, wie Sie selbst innerhalb Ihrer Firma aufsteigen können. Möchten Sie das nicht, bleibt nur eines: die Sache zu akzeptieren und darüber zu sprechen“, sagt Expertin Kruckeberg.

MEIN CHEF UND MEINE FREUNDIN HABEN EINE AFFÄRE – WIE GEHE ICH DAMITUM?

Klingt wie ein typischer Hollywoodfilm, passiert aber in der Realität ziemlich häufig: Sie schläft mit dem Chef (oder einem Kollegen), man selbst weiß Bescheid, aber sonst darf es keiner wissen. Und plötzlich wird man gefragt: „Hey, ihr seid doch befreundet. Läuft da was?“ Wie soll man da reagieren? Darf man sagen, was Sache ist, weil es ohnehin auf der Hand liegt? Katja Kruckeberg rät:„Fordern Sie die Kollegen auf, selbst nachzufragen. Raushalten ist in diesem Fall das Beste.“ Und darf ich ihr raten, sie solle die Affäre lieber beenden, weil es meiner Meinung nach kein Happy End geben wird? „Sie können Ihr vorsichtig Ihre Sicht der Dinge sagen. Ich würde aber davon abraten, sich als moralische Instanz zu etablieren. Das geht nach hinten los“, sagt Psychologin Katja Kruckeberg. Und wer weiß, vielleicht hat die Affäre sehr wohl eine Zukunft. Nur bei einer Sache müssen Sie nicht den Mund halten: Wenn die Erzählungen Ihrer Freundin über den atemberaubenden Sex mit dem Chef bei Ihnen zu Schnappatmung und Übelkeit führen, sollten Sie ihr sagen, dass sie diesen Teil gerne auslassen kann. Man muss ja schließlich nicht über alles reden.

Im Grunde läuft es mit einer Frollegin doch ähnlich wie mit einer Sandkastenfreundin: Man ist füreinander da, sagt sich im besten Fall die Meinung – und hat den größtmöglichen Spaß zusammen. Der einzige Unterschied: Man sieht sich häufiger. Und das ist doch eigentlich sehr schön.

Promotion
Anzeige
Schlagworte
Freundschaft | Job | Psychologie | Home
Autor
Bonnie Stenken