Psychologie

Positive Power Die nette Seite des Neids

Niemand ist frei von dem fiesen Gefühl – und das ist auch gar nicht schlimm. PETRA-Autorin Katja Bosse zeigt, wie man aus Missgunst Motivation zieht und giftige Gedanken in positive Power verwandelt.
     

Es ist so ein dumpfes Gefühl in der Magengegend. Ein diffuses Unwohlsein. Ein Anflug von schlechter Laune, die einfach nicht verfliegen will. Warum kriegt er jetzt das Kompliment und ich nicht? Ich hab ein ganzes Jahr in Paris verbracht, Vokabeln gepaukt und Franzosen geknutscht – und kaum kehre ich mit meinem Mann in die Stadt der Liebe zurück, schwärmen alle von seiner fantastischen Aussprache. Pardon?! Mit seinem Schulfranzösisch schafft er es doch gerade so, sich einen Croque Monsieur zu bestellen.

Manchmal pikst es auch, das Neid- Monster, es kann sogar beißen. Da schleppe ich mich ins Fitnessstudio, absolviere tapfer mein Po-Programm – und wer tänzelt im Slim-Sportdress an mir vorbei? Die Sit-up-Queen mit ihrem knackigen Angeberkörper und dem ätzend freundlichen Lächeln. Schnell verstecke ich mein schwitziges Antlitz hinter einem Klatschblatt. Nicht, dass sie meinen bewundernden Blick bemerkt. Sie ist nämlich leider kein bräsiges und hochnäsiges Fitness-Frauchen, sondern einfach nur beneidenswert sportlich. Und das wäre ich auch schrecklich gern.

Gelegentlich trampelt das bockige Rumpelstilzchen auch quer durch meinen Kopf und stänkert rum: „Ungerecht! Ungerecht! Ungerecht!“ Besonders dann, wenn ich versuche, es einzusperren. Es gibt schließlich keinen triftigen Grund, meiner Freundin ihre Freiheit zu missgönnen. Aber kaum fängt sie an, mir von Reitwochenenden an der Küste von Cornwall, Skihütten - sausen in den Alpen und einem verrückten Trip nach Vegas vorzuschwärmen, beginnt das Ungetüm in mir zu nagen. Denn während sich bei ihr alles ach so spontan ergibt, gehe ich höchstens mal kurz entschlossen ins Kino – oder ins Kinderwunderbadeland, weil es das ganze Wochen ende regnet und wir nicht auf den Spielplatz können.

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Charakter | Psychologie