Psychologie

Sprechtraining: Jetzt rede ich!

Brauchen wir Frauen eigentlich ein Mikrofon vor der Nase, damit man uns zuhört? Denn die Schaumschläger und Wortabschneider lauern überall. Und was machen wir? Lieb lächeln und am Ende noch klatschen, wenn die Blender das Lob vom Chef kassieren? Ab sofort nicht mehr, denn hier erklärt uns eine Sprechtrainerin, wie wir so reden, dass alle zuhören.
Frau mit Mikrofon
   

Die wichtigsten Lektionen des Lebens treffen einen meistens, wenn man eigentlich was anderes zu tun hat. Ich brauchte gute O-Töne von einer Pressekonferenz mit Sharon Stone. Ein Reporter begann mit der Frage: „Mrs. Stone, welche Unterwäsche tragen Sie heute?“ Dem Saal stockte der Atem. Was wird sie tun: rumzicken? Dem Reporter eine scheuern? Aufstehen und gehen? Mrs. Stone aber sagte gar nichts, fast eine Minute lang. Man konnte die Schweißtropfen des Kollegen über seine Stirn rinnen hören. Bis sie ihn anlächelte und genau fünf Worte zurückgab: „Next reporter, next question please.“ Nun bin ich nicht ganz so cool wie Sharon Stone und habe selten ein Mikro vor der Nase, wenn ich was sagen möchte. Aber seitdem wünsche ich mir oft, dass ich mit einem kurzen, aber effektvollen Moment des Schweigens erreichen könnte, dass alle aufhorchen.

In Konferenzen zum Beispiel kämpft sich meine Stimme manchmal mühsam durch das laute Gebrabbel der Kollegen, und dann fährt mir dieser aufgeblasene Schwätzer von schräg gegenüber über den Mund. Dabei ist mein Vorschlag viel interessanter, und zufällig weiß ich auch noch, wovon ich rede. Dass der Typ dagegen keine Ahnung hat, wovon er spricht, scheint niemanden zu stören. Es merkt gar keiner. Jedenfalls hören die anderen ihm gespannt zu. Nicht zu fassen. Und ich sitze da und möchte einfach nur schreien! Doch das würde mir wohl nichts weiter bringen als einen lächerlichen Auftritt. Also halte ich erst mal den Mund. Ohne dass es einer merkt, eben nicht so cool wie Sharon Stone. So ist Schweigen keine Lösung. Schließlich dreht sich ständig und überall einfach alles ums Reden: in Meetings, Konferenzen, Gehalts- oder Mitarbeitergesprächen, bei Urlaubsabsprachen oder Krisensitzungen.

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