Psychologie

Imagewechsel Ich erfinde mich neu!

Das lustige Girlie, die naive Blonde, die große Starke. Immer wieder werden wir von anderen in Schubladen gesteckt. Doch wie legt man sich eigentlich ein neues Image zu? Wir haben Experten gefragt und die besten Tipps gesammelt
Neu erfinden
    

Da hat man einmal keine Kontaktlinsen drin, übersieht beim Einkauf die Nachbarin – und schon bekommt man von ihr ein fettes „Arrogant!“ auf die Stirn gestempelt. Mit wasserfester Farbe. Denn dass die Nachbarin denkt, man hielte sich für etwas Besseres, ist ja schon klar, seit die Designerschuhe auf der Fußmatte stehen. Die stehen da eh nur, damit jeder, der durchs Treppenhaus latscht, ganz sicher sieht, was hier für eine Luxuslady wohnt. Dass man nur gelegenheitsblind ist und sonst wirklich gern grüßt, passt nicht ins Bild. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass die Schuhe mit Zwei-Euro-Münzen finanziert wurden, die sich im Sparschwein erst mühsam vermehren mussten. Weil das Image in den Augen der anderen halt so schön passt – und jetzt an einem festklebt wie ein Kaugummi unter den Designerschuhen.

So leicht, wie manche 
zur hochnäsigen Ziege 
werden, geraten andere 
zur grauen Maus, zur ewigen Spaßkanone oder zum naiven Blondchen. Nur weil sie ungern im Mittelpunkt stehen, beim Betriebsfest über die Stränge geschlagen haben oder mal ins Fettnäpfchen traten – und zufällig die falsche Haarfarbe haben. Danach müssen sie sich gegen ein Bild behaupten, das aus Kleinigkeiten konstruiert wurde.

Wozu das Image nützt

Manchmal scheint das Leben eben wie eine Behörde zu sein: Erst wird man abgestempelt, dann in eine Schublade gepackt – und schlimmstenfalls auch noch unter den Tisch fallen gelassen. Weil die Welt einen offenbar anders wahrnimmt, als man sich selbst sieht. Da fragt man sich doch: Was soll diese Imagebildung überhaupt bringen? „Sie hilft uns in dieser schnelllebigen Zeit, unser Umfeld möglichst rasch einzuordnen“, sagt die Imageberaterin Flora Brune (www.life-atmosphere.de). „Wir haben nicht die Muße, mit der Beurteilung länger als nötig zu warten. Und sind auf Schubladen angewiesen, um den Überblick nicht zu verlieren.“ Wer nützt mir? Auf wen kann ich mich verlassen? Wer taugt als Vorbild? Und wessen Werte schätze ich? Das sind Fragen, die uns tagtäglich beschäftigen: um Mitstreiter, Verbündete und Freunde zu finden, die einen unterstützen, voranbringen und motivieren. Aber auch, um uns von Menschen fernzuhalten, deren Verhalten wir nicht gutheißen, die uns unsympathisch erscheinen.

Wer sich so schnell ein Urteil erlaubt, wird zwangsläufig auch mal danebenliegen. Der erste Eindruck hat vielleicht getäuscht; trotzdem revidiert man das Bild nicht mehr, weil man zu bequem oder mit anderen Dingen beschäftigt ist. Eigentlich gemein, denn die nette Kumpeline macht mit ihren Freunden zwar bestimmt gern einen drauf, wäre aber sicher nicht abgeneigt, nach dem Bierchen auch mal mit einem Kerl nach Hause zu gehen, der eben nicht nur mit ihr quatschen möchte. Genauso wie selbst dem Sonnenscheinchen manchmal zum Heulen zumute ist. Aber daran denkt halt keiner. Man heult sich lieber selbst bei ihr aus, statt ihre schlechte Stimmung zu spüren. Einmal Lächler, immer Lächler. Man selbst wird natürlich auch nicht immer so gesehen, wie man es gern hätte: Fühlt sich vielleicht sogar vom Partner verkannt, vom Vorgesetzten unterschätzt oder vom Freundeskreis falsch behandelt. Helfen in solchen Situationen nur ein dickes Fell und die berühmte Mir-doch-egal-Haltung? Oder kann und sollte man sein Image ändern und verbessern? Kommt man dann einfacher durchs Leben?

Wie korrigiert man einen falschen ersten Eindruck?

„Ja, man muss nur die entsprechenden Signale senden, um das Bild so zurechtzurücken, wie man es gern hätte“, sagt die Expertin, die ein Buch mit dem Titel „Das Geheimnis deines Image-IQ“ (novum pro, 192 S., 15,50 Euro) geschrieben hat. Flora Brune zufolge gibt es nämlich einen Quotienten, der nicht beschreibt, wie groß der eigene Intellekt ist, wie gut man logisch denken, lernen und wie viel man mit seinem Köpfchen leisten kann. Sondern der bemisst, wie gut man bei anderen ankommt und wie gezielt man seine Persönlichkeit nach außen projizieren kann, um seine Ziele zu erreichen, um glücklich und mit sich und der Welt im Reinen zu sein. Brune: „Im Gegensatz zum Intelligenzquotienten, der ja größtenteils angeboren ist, kann man seinen Imagequotienten systematisch verbessern – und somit auch die beruflichen und privaten Chancen!“ Gut zu wissen, denn Brune zufolge sind die wenigsten Frauen mit ihrem Image zufrieden: Die eine ärgert sich, dass sie im Job nicht so ernst genommen wird wie ihre männlichen Kollegen. Die andere ist genervt, weil sie für alle die Feuerwehr spielt – dabei aber selbst zu kurz kommt. Die nächste würde gern mal so strahlen wie ihre Freundin, die immer als Erstes beachtet wird. Und die letzte leidet darunter, dass alle die unterkühlte Business-Lady in ihr sehen, obwohl ihr wahrer Kern warmherzig ist.

Promotion
Anzeige
1 von 4
Schlagworte
Charakter | Persönlichkeit | Psychologie