Psychologie

Entspannen Gelassen in jeder Situation

Auch wenn wir den Winter nicht draußen in der Wildnis verbringen: Der Alltag weht uns manchmal eiskalt um die Ohren. Leise Kritik, ein schiefer Blick – das nehmen wir gern gleich viel zu persönlich. Hier steht, wie Sie kleine Verletzungen besser wegstecken – ganz ohne Bärenpelz!
Enstpannte Frau
  

Wie oft habe ich mir das schon gewünscht – ein dickeres Fell zu haben. So dick wie das eines kanadischen Grizzlybären, ganz und gar undurchdringlich für die Gemeinheiten des Alltags. Stattdessen friere ich, sobald mir ein kühleres Lüftchen aus meiner Umwelt entgegenweht. Im ungünstigsten Fall fühle ich mich sogar, als hätte man mir einen Fausthieb in die Magengrube verpasst. Für ein bisschen Kritik an meiner Arbeit. Weil meine Schwiegermutter eine flapsige Bemerkung gemacht hat. Oder eine gute Freundin mich nicht zu ihrer Silvesterparty einlädt. Ich liege dann nachts wach, führe innere Dialoge mit demjenigen, der mir das angetan hat, und suche weitere Indizien für seine Boshaftigkeit. Ich geb’s zu: Ich bin manchmal ziemlich dünnhäutig. Und beneide all diejenigen, an denen kleine Unhöflichkeiten genauso abperlen wie echte Schläge unter die Gürtellinie. Die darüber nur schmunzeln und ihre Angreifer bedauern können – statt sich selbst. Ich wette, Sie kennen diese Gefühle auch – schließlich neigen Frauen verstärkt zu Selbstzweifeln. Eine repräsentative Umfrage der „Apotheken Umschau“ hat ergeben, dass jede dritte Frau (viel zu) sehr unter Kritik leidet. Bei Männern war das übrigens weniger als ein Viertel – sie interessieren sich einfach nicht so dafür, was andere von ihnen halten.

Warum wir Frauen aber auch immer so wahnsinnig empfindlich sind …

Fühlen Sie sich von Kritik und Bemerkungen so getroffen wie ich, ist das zunächst ziemlich menschlich. Das, was wir kassieren, wenn uns jemand dumm kommt, nennen Psychologen „narzisstische Verletzungen“. Sie kratzen an unserem Ego und führen dazu, dass wir uns abgewertet oder nicht respektiert fühlen. Das ist deshalb ein so schlimmes Gefühl, weil in unseren Genen noch das Steinzeitprogramm läuft: Damals konnte man nur innerhalb einer Gruppe überleben. Man jagte gemeinsam, gab einander Schutz. Hatte die Gruppe es aus irgendeinem Grund auf ein Mitglied abgesehen, riskierte es, ausgestoßen zu werden und schutzlos der Wildnis ausgeliefert zu sein – es sei denn, es nahm sich die Vorwürfe zu Herzen und passte sich an.

Dieser Mechanismus sitzt manchen von uns noch heute in den Köpfen. Er führt dazu, dass wir selbst belanglose Verletzungen in Gedanken immer und immer wieder durchspielen. Problem: Grübeln wir zu viel, nagen sich die Kritteleien tatsächlich dauerhaft in unser Selbstwertgefühl. Daran ändert die Tatsache, dass wir (sonst) im Leben tolle Leistungen erbracht haben, schlimmerweise nur wenig. Ob wir unsere Arbeit immer fehlerfrei abliefern, die besten Teamplayer sind, vor Ideen nur so sprühen – sagt uns der Chef, dass er uns dafür extrem schätzt, sich aber mehr Pünktlichkeit wünscht, hören wir nur Letzteres… Und wenn sich Schatzi auf das von uns hingebungsvoll gekochte Drei-Gänge-Menü stürzt, dann aber nach dem Salz fragt, stellen wir beleidigt wahlweise unsere Kochkünste oder gleich seine Liebe infrage. John Cacioppo, Neurowissenschaftler an der Universität Chicago, fand heraus, warum uns solche Wermutstropfen so sehr aus der Bahn werfen: „Hang zum Negativen“ nennt er das Phänomen, das anhand der Gehirnströme messbar ist. Soll heißen: Negative Stimulationen schlugen bei den getesteten Personen eindeutig stärker aus als positive. Cacioppo: „Dieses Phänomen mussten wir bei den meisten Menschen feststellen.“

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Schlagworte
Psychologie | Tipp
Autor
Tina Röhlich