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Psychologie Entspannt im Alltag

Warum sind manche Menschen so lässig erfolgreich? Andere rasen wie Hamster durch den Tag – und kommen nirgends an. Es ist alles nur in unserem Kopf. Wir verraten, wie Sie sich auf Gelassenheit programmieren.
Enstpannt
   

Wenn ich Morgen früh aufwache, fängt mein richtiges Leben an. Das denke ich manchmal abends beim Einschlafen. Was passiert ist an solchen Tagen? Vermutlich das Gleiche wie bei Ihnen: Kurz vor acht habe ich meine Tochter an der Hand durch den Nieselregen hinter mir her in den Kindergarten gezogen. Wir sahen beide aus wie Pete Dohertys hässliche Schwestern, als wir ankamen. Drei Minuten telefonierte ich im Bus schnell mit einer guten Freundin. Hörte von dem neuen Wochenendhaus am Meer, das man für die Familie gekauft hatte. Erfolg hat seinen Preis, denke ich kurz. Habe aber trotzdem ein bisschen Angst, gerade neidgrün im Gesicht anzulaufen, und hetze zur Arbeit. Acht Stunden später mache ich Feierabend mit dem flauen Gefühl: „Da wäre vieles noch besser gegangen. Du musst dich mehr anstrengen. Sonst wird das nie was mit dem Wochenendhaus.“

Manchmal fühle ich mich wie eine Marionette aus der Augsburger Puppenkiste, die tanzt, wenn irgendwer das so möchte. War es das, was ich wollte, als ich entschied: Kind und Karriere – das geht schon? Heiraten und die Gleiche bleiben. Nie meine Freundinnen vergessen, meine Interessen immer wichtig nehmen und dazu sorgsam auf mich achtgeben. Was ist da schiefgegangen? 

Wenn ich nicht höllisch aufpasse, renne ich durch mein Leben wie ein Hamster im Laufrad. Mit dem kleinen Unterschied: Hamster sehen happy aus dabei. Ich aber kriege diesen seltsam verspannten Blick und unschöne Stirnfurchen davon. Ich denke, wie wir Frauen nun mal denken: viel tun heißt viel leisten. Viel leisten heißt viel Erfolg haben. Und viel Erfolg haben heißt irgendwann unheimlich glücklich sein. Für mein Glück vervierfache ich mich. Mindestens. Ich bin die tolle Partnerin, die liebende Mutter, die engagierte Journalistin, die gute Freundin – ach ja und ich selbst. Wenn alle anderen dann zufrieden in ihren Betten liegen. 

Und wissen Sie, was das Verrückteste ist? Je mehr ich mich anstrenge, umso lauter schreien meine Zweifel: War ich gut genug auf das Meeting vorbereitet? Hat das Abendessen eigentlich geschmeckt? Hätte ich nicht Susanne zurückrufen sollen? Und irgendwie schwant mir: Gerade weil ich mich so anstrenge, habe ich kein Wochenendhaus. Das haben immer die anderen. Die, die das lässig nehmen mit dem Erfolg. Bei denen es natürlicher wirkt und nicht so verspannt wie bei mir. Ist das alles nur in meinem Kopf …?

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Schlagworte
Charakter | Job | Psychologie
Autor
Stefanie Lindenberger