Psychologie

Böse Gefühle Die kann ich ja gar nicht ab!

Es ist so unerklärlich wie die Liebe: Manche Menschen, Lieder oder Looks finden wir von der ersten Sekunde an zum Abgewöhnen. Sabine Reichel über die Frage, warum jeder wen und was anderes hasst.
Frauen lästern
  

"Ich hasse Heidi Klum!", brach es aus meiner Freundin Birgit heraus. Warum denn das? Ich finde Heidi bildhübsch, pfiffig und eigentlich bewundernswert. Dafür, ich gebe es zu, sehe ich rot bei der tödlich langweiligen Jennifer Aniston mit dem dümmlichen Dutzendgesicht. Versteht Birgit wiederum überhaupt nicht, gerade die niedliche Jen?

Hass ist eben sehr persönlich. Und genauso rätselhaft wie Liebe, die ja bekanntlich auch auf den ersten Blick so schnell und heftig wie ein Blitz einschlagen kann. Frauen neigen erwiesenermaßen zum Klatschen, und jeder kennt den Spaß, über eine nicht anwesende Person Biestiges zu vermelden (einer Studie zufolge lästern elf Prozent der Deutschen jeden Tag). Und starke Reaktionen auf Menschen, die man trifft oder die durch Medien ins Haus gebracht werden, ist nichts Ungewöhnliches. Aber dieser „Hass auf den ersten Blick“ ist ja nicht mit echtem Hass zu verwechseln, den man u. a. für Kriege, Diktatoren und Kinderprostitution reservieren sollte. Keiner will David Hasselhoff töten oder Sonya Kraus gewaltsam davon abhalten, noch einen Mucks zu sagen. Oder Stefan Raab für immer eine Papiertüte über den Kopf stülpen (obwohl, ich täte es gern).

Hass auf den ersten Blick hat auch die Funktion des Feindbildes. Psychologen und Forscher wissen, dass es sich bei dieser Art Hass keineswegs um Wahrheit oder Objektivität, sondern um ein Ventil handelt, das eher harmlos ist und genauso wie Klatsch „gesund“ sein kann. Es ist einfacher, das, was Menschen für uns repräsentieren und wir verabscheuen, an eine nicht persönlich bekannte Persönlichkeit zu hängen.

Besonders all die reichen narzisstischen Leute aus dem Showgeschäft, die sich immer wieder durch Schlagzeilen in unser Bewusstsein drängen wie ein Migräneanfall, eignen sich natürlich bestens für all die Projektionen und Gefühle, die in uns schlummern und plötzlich herausspringen wie Flöhe. „Demi Moore no more!“, brüllt der Kopf. Nein, nicht schon wieder diese fürchterliche Lindsay Lohan! Kann nicht einer das Mädel für immer wegsperren! Und kann sie bitte gleich Lady Gaga mitnehmen? Und Fotoverbot für die Trauerweide Victoria Beckham – und wenn schon, dann lächelnd und ohne Sonnenbrille!

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Charakter | Frauen | Psychologie