Psychologie

Charakter Dabei sein ist alles

Sie sagen zu keiner Einladung „Nein“ und checken Ihr Smartphone minütlich nach neuen Nachrichten? Dann haben Sie etwas mit unserer Autorin gemeinsam: die ständige Angst, etwas zu verpassen.
Nichts verpassen
   

Neulich, da habe ich es mir so richtig schön auf dem Sofa gemütlich gemacht. Fernsehhose und Kuschelsocken an, im DVDPlayer ein Film mit Mads Mikkelsen, Chips und Fernbedienung in guter Reichweite. Ach, wie wunderbar! Bis auf die kleine Tatsache, dass neben der Fernbedienung auch noch mein Smartphone lag. Bevor mich Mads mit seinen braungrünen Augen anstrahlen konnte, blinkten dank entsprechender App ständig neue Facebook-Meldungen auf dem Display auf. Jeder Eintrag, so schien mir, handelte von all den tollen Dingen, die meine Freunde an diesem Abend erlebten. Ohne mich.

Und natürlich begann es in meinem Kopf zu arbeiten: Warum haben mich Kathrin und Jenny eigentlich nicht gefragt, ob ich mit aufs Konzert wollte? Ob Thomas mich für eine Langweilerin hält, weil ich nicht mit auf diese Vernissage gegangen bin? Meine Vorfreude auf einen gemütlichen Gammelabend war plötzlich einer beunruhigenden Mischung aus Gewissensbissen und der Panik, ausgerechnet heute etwas Denkwürdiges zu verpassen, gewichen.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann leiden Sie wahrscheinlich genau wie ich an einer neuen Art Volkskrankheit: FOMO. Der Begriff stammt von amerikanischen Psychologen und steht für das Englische „Fear of Missing Out“, was so viel bedeutet wie die ständige Angst, etwas zu verpassen. Es gibt viele Arten, wie sie sich äußern kann. Wenn man trotz anstrengendem Arbeitstag zu keiner Verabredung „Nein“ sagen kann zum Beispiel. Oder wenn man sich während eines Partygesprächs ständig in der Menge umschaut, um zu sehen, ob es nicht doch irgendwo im Raum spaßiger zugeht. „Das ist doch nichts Neues!“, denken Sie jetzt? „Dieses Gefühl ist doch so alt wie die Menschheit selbst.“ Das stimmt natürlich. Auch Oma und Opa fanden das Gras der Nachbarn schon grüner als ihr eigenes. Allerdings mussten sie sich auch nur mit ihren Nachbarn, Kollegen und Verwandten vergleichen. Doch seit es soziale Netzwerke gibt, steht uns plötzlich die ganze Welt zur Verfügung. Und Sie ahnen es schon: Im Vergleich mit der ganzen Welt schneidet das eigene Leben nicht immer ganz so gut ab.

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Schlagworte
Charakter | Frauen | Psychologie
Autor
Yvonne Adamek