Psychologie

Job-Psychologie Arbeit verdirbt den Charakter

Acht Stunden Job-Rollenspiel gehen an keinem spurlos vorbei: Und plötzlich spielt man privat das Alphatier oder die Oberlehrerin. Dabei wollte man nie so werden! Wir zeigen, warum die Arbeit Ihre Persönlichkeit verändert – und was Sie tun können, um nach Feierabend schnell wieder Sie selbst zu sein.
Arbeit verdirbt den Charakter
   

Hüttengaudi mit den Mädels – das ist der Plan

In zwei Monaten soll’s losgehen, der Termin steht fest, die Unterkunft ist reserviert. Und kaum, dass sich allezurücklehnen, flattert Christines berühmt-berüchtigte Excel-Liste in die Mailbox. Zwei Mausklicks später weiß jeder, zu welcher Uhrzeit am besten an- und abgereist werden sollte, wer mit wem das Zimmer teilen könnte und welche Bergtour leichten, mittelmäßigen oder schweren Muskelkater mit sich bringt. „Dank dir“, schreiben die anderen zurück. Obwohl ihnen mehr auf der Zunge liegt: „Was zum Teufel ist los mit dir?“ Langsam wird ihnen Christine, die eine große Abteilung in einer Versicherung leitet, nämlich ein bisschen unheimlich. Weil sie so gar nicht mehr abschalten kann. Ein Kontrollfreak durch und durch.

Beruflich wie privat

Christines finden sich in jedem Bekanntenkreis. Und das generalstabsmäßige Excel-Listen-Schreiben ist noch einer der weniger anstrengenden Auswüchse. So trifft man etwa die Lehrerin, die sich auch am Küchentisch gern selbst reden hört – als stünde sie vor 25 Halbwüchsigen. Den Polizisten, der einen immer bis zur Haustür eskortiert, weil er an jeder Straßenecke ein Verbrechen vermutet. Oder den Oberarzt, der nur mit Murren akzeptiert, dass jemand besser weiß, wie man gute Spaghetti Bolognese kocht – weil er Widerspruch nicht gewohnt ist. Und Hand aufs Herz: Mitunter sind wir selbst nicht besser. Oder haben Sie sich noch nie dabei ertappt, mit einer Freundin plötzlich so zu sprechen, als wären Sie gerade in einem Meeting?

Immer erreichbar

Kurz: Nicht nur Geld verdirbt den Charakter. Auch der Job kann das. „Selbst wenn man als junger Mensch voller Idealismus startet, wird man im Laufe der Karriere auch von den negativen Seiten geformt, die jeder Beruf hat“, sagt Michael Kastner, Professor für Organisationspsychologie an der Uni Dortmund. Warum man in diesen Strudel reingezogen wird? Weil die Arbeit einen Großteil der Aufmerksamkeit, Energie und Zeit unseres Lebens beansprucht. „Früher war Freitagnachmittag Schluss. Heute ist es durch die permanente Erreichbarkeit per Handy und E-Mail schwieriger, Beruf und Privatleben zu trennen.“

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