Karriere

Ein Profiler analysiert Die Akte „Ich“

Mit Psycho-Methoden wie aus einem TV-Krimi durchleuchten Chefs heute ihre Angestellten. PETRA-Redakteurin Katja Kullmann ließ sich von einer Job-Profilerin analysieren – und stutzte.
Die Akte „Ich“
   

Natürlich komme ich zu spät. Murphys Gesetz. Zwar bloß 15 Minuten – aber so abgehetzt, wie ich in den Konferenzraum platze, vor Scham schwitzend, schwer keuchend, sehe ich mich sofort enttarnt, komplett durchschaut: eine Versagerin, Verliererin, Träumerin – was für eine Null! Tja: Zwei, drei Mal im Monat geschieht es eben, dass ich verschlafe oder „rote Welle“ bei allen Fußgängerampeln habe. In der Redaktion kennt man das schon, die Chefin hat das Schimpfen aufgegeben. Heute ist es jedoch wirklich schlimm. Denn heute bin ich mit einer Profilerin verabredet. Sie wissen nicht, was eine Profilerin ist? Stellen Sie sich eine Mischung aus Kriminalkommissarin und gestrenger Psychologin vor. Jemanden, dem Sie nichts vormachen können und der Sie bis auf die Knochen durchanalysiert.

Auf VOX lief einst die US-Krimi-Serie „Profiler“. Und auch Jodie Foster wendete als FBI-Ermittlerin in „Das Schweigen der Lämmer“ Profiling-Methodenan, auf die Spur zukommen. Aus Bewegungsmustern, handschriftlichen Spuren und anderen Fundstücken basteln die Spezialermittler Täterprofile. Nicht für die Polizei, sondern im Dienst der freien Marktwirtschaft arbeitet Top-Profilerin Suzanne Grieger-Langer. Ursprünglich eine rein kriminalistische Methode, werden Profiling-Techniken nun nämlich auch in der Arbeitswelt angewandt. Gut 50 Prozent britischer und skandinavischer Arbeitgeber lassen Bewerbungsunterlagen nach dem Ermittlungs-Prinzip durchleuchten – meist, ohne dass der Betroffene davon weiß.

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