Karriere

Karriere Knigge-Regeln im Job

Sich im Alltag immer richtig zu verhalten ist schon eine Kunst für sich. Aber wie ist es im Job? Da gibt es Knigge-Regeln, von denen wir noch nichts wussten.
Frau entspannt im Büro
   

1. Nehme ich die Freundschaftseinladung meines Chefs bei Facebook an?

In Sachen Social Media gibt es zwei Sorten Chefs: Diejenigen, die schon vor zwei Jahren 1385 Facebook-Freunde hatten und alles mit ihren Mitarbeitern teilen, ob die wollen oder nicht. Entweder weil sie in einer lockeren Branche arbeiten, wo man das eben so macht – oder, nun ja, weil sie Bestätigung brauchen und viele Onlinefreunde eben Popularität suggerieren. Und dann sind da Chefs, die die Sekretärin regelmäßig fragen, was es eigentlich mit diesem "like" auf sich hat, ob Twitter eine Plattform für besondere Vogelarten ist und wer denn dieser Bill Gates noch mal war. Egal zu welcher Sorte Ihr Chef gehört – schickt er Ihnen eine Einladung, gibt es nur eine Möglichkeit: Sie klicken auf „Annehmen“. Carolin Lüdemann, Karriereberaterin und Autorin ("Little Black Book Knigge", Wiley-VCH, 9,99 Euro), rät: "Den eigenen Chef sollte man natürlich nicht ablehnen. Aber weil man Privates und Berufliches besser trennt, sollte man sich gut überlegen, welche Informationen man wem zugänglich macht." Auf Ihre Intimsphäre müssen Sie natürlich trotzdem nicht verzichten, nur weil Ihr Chef das Web für sich entdeckt hat. Die Bikini-Fotos vom letzten Costa-Rica-Urlaub gehen ihn nämlich auch dann nichts an, wenn Sie befreundet sind.

2. Ich arbeite nur für ein Kurzprojekt. Muss ich mich trotzdem bei allen vorstellen?

Wenn Sie in einem fremden Unternehmen nur für einige Wochen arbeiten und sich nicht bei allen Kollegen vorstellen, kann es unangenehm werden: Am Morgen herrscht peinliche Stille in der Küche, die Kaffeemaschine scheint in Zeitlupe zu arbeiten und auf den Gesichtern der herumstehenden Mitarbeiter steht in Neonbuchstaben: "Wer ist denn das eigentlich? Was will die hier?" Aber die einfachste Frage zu stellen: "Entschuldigung, wer sind Sie noch mal?", oder: "Sind Sie neu hier?" – das tut oft keiner. Im schlimmsten Fall kann das den ganzen Tag so weitergehen und sogar für Brodeln in der Gerüchteküche sorgen. Wenn man über Sie so gar nichts weiß, muss man sich eben etwas zusammenreimen. Damit es gar nicht erst so weit kommt, rät Carolin Lüdemann: "Im Idealfall stellt Sie jemand bei allen Kollegen vor. Macht das niemand, heißt es: Eigeninitiative zeigen – und zwar gleich am ersten Tag! Sonst fällt es immer schwerer, auf die Leute zuzugehen. Offenheit erleichtert das Arbeiten, denn ohne Team kommt wohl fast niemand aus. So bleiben Sie in positiver Erinnerung, und einer möglichen erneuten Zusammenarbeit steht nichts mehr im Wege." Auch in der Arbeitswelt gilt nun mal: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Mindestens. Und wenn die Erinnerung an das letzte Mal positiv ist, freut man sich auch noch mehr auf zukünftige gemeinsame Projekte.

3. Mein Chef ist zehn Jahre jünger als ich. Kann ich ihn dann duzen?

Sie heißen meist Julia, Sara oder Jenny, tragen Chinos, Hornbrille und einen strengen Dutt und sind Ende zwanzig. Aber diese jungen Menschen studieren nicht, sind keine einfachen Angestellte und machen keine Rucksacktour durch Indien. Nein, sie sind Chefs. Chefs mit Angestellten, die vom Alter her ihre Eltern sein könnten. Da prallen dann schon mal Welten aufeinander, und man selbst kommt mit seinem Knigge-Wissen durcheinander. Was gebieten hier die Regeln der Höflichkeit? Privat gilt immer noch: Der Ältere bietet dem Jüngeren das Du an. Aber im Job? Carolin Lüdemann klärt auf: "Die Anredeform des Chefs ist un abhängig von Alter und Geschlecht. Ist man noch nicht per Du, wartet man, bis es der Chef einem anbietet. Egal ob er 25 oder 55 ist." Diese Business-Hierarchie gilt übrigens auch in allen anderen Bereichen der Höflichkeit: "Der Chef wird immer erst begrüßt und dann die Kollegen. Auch wenn die Sekretärin 20 Jahre älter ist."

4. Meine Kollegin hat sich einen Stil-Fauxpas erlaubt. Soll ich sie drauf hinweisen?

Kollegin Inga trägt eine Hose mit großzügigem Blumenmuster, ein oranges Top, einen türkisen Mantel mit Farbverlauf, eine Tasche in grünem Neon und rosa Lippenstift. Uff! Da hat wohl jemand den Begriff "Colour Blocking" falsch interpretiert. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: entweder lästern (jetzt nicht rausreden, das macht jede Frau) oder ihr die Wahrheit sagen. Was ist besser? Imageberaterin und Autorin Katharina Starlay ("Stilgeheimnisse – Die unschlagbaren Tricks und Kniffe für erfolgreiches Auftreten", Frankfurter Allgemeine Buch, 17,90 Euro) kennt die Lösung: "Nichts zu sagen wäre unfair. Da gilt einfach der Ehrenkodex unter Frauen. Suchen Sie das Gespräch unter vier Augen und üben Sie Kritik sachlich und sensibel. Vorher aber unbedingt prüfen, ob es nur eine Frage des Geschmacks oder der Etikette ist.“ Denn trägt Inga die aktuellste Gucci-Tasche spazieren, ist das ihre Sache. Dann darf man lästern. Oder neidisch hinterhergucken.

5. Fast jeder schaut im Meeting auf sein Handy. Ist das okay?

Morgens, halb zehn in Deutschland: Es ist Meeting, der Chef beginnt zu reden. Kollegin H. findet die Aktivitäten auf ihrem iPhone offensichtlich spannender. Dieses Szenario entspricht leider viel zu häufig der Realität. Aber: Wie verhält man sich denn nun richtig? Susanne Auffhammer, Trainerin für moderne Umgangsformen für Unternehmen und Privatpersonen, sagt: "Es ist eine absolute Unsitte, dass in Konferenzen Mails oder Nachrichten gelesen oder geschrieben werden. Im Meeting ist das Handy aus." Und wenn man mal einen dringenden Anruf erwartet? "Dann kündigen Sie das Ihren Gesprächspartnern vorher an und bitten um Verständnis. Zum Telefonieren verlassen Sie dann den Raum, um die anderen nicht zu stören."

6. Xing ist doch für das Business da. Klar mache ich da Werbung, oder?

Super, schon über tausend Kontakte bei Xing! Dann kann man ja schnell mal eine Nachricht an alle senden und für die eigene Firma werben – ist ja praktisch. Falls Ihnen dieser Gedanke mal kam – verwerfen Sie ihn wieder. Es sei denn, Sie wollen aus den tausend Kontakten fünfzig machen. Denn Werbung in eigener Sache wirkt, wenn sie zu forsch und auch noch in Form einer Massenmail daherkommt, unhöflich und unprofessionell. Das führt nur dazu, dass man längerfristig ignoriert oder im schlimmsten Fall sogar ganz gelöscht wird. Wenn schon Eigenwerbung, dann wohldosiert an konkrete Kontakte, die auch etwas mit der jeweiligen Meldung anfangen können.

7. Ich bin der Boss. Kann ich da anziehen, was ich will?

Es gibt Menschen, die dürfen tragen, was sie wollen: Anna Dello Russo, Modechefin der japanischen "Vogue", ist so jemand. Oder Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Der läuft am liebsten mit Jogginghose herum. Aber zu diesen Menschen gehört dieser Look, er ist ihr Markenzeichen. Stellen Sie sich doch Dello Russo ohne den exzentrischen Hut vor! Oder Zuckerberg ohne seine Adidas-Schlappen! Funktioniert nicht. Und in unserer weniger glamourösen Welt? Katharina Starlay (stilclub.de) erklärt: "Chefs haben eine Vorbildfunktion und sollten sich immer der Branche angemessen kleiden. Denn nicht nur bei Angestellten, sondern auch in der oberen Etage sind ein absolutes No-Go: Schuhe, in denen man nicht laufen kann, ungepflegtes Äußeres und zu kurze Röcke. Männer sollten keine schlecht sitzenden Anzüge tragen."

Frau kündigt
Und wenn ich kündigen will?

8. Darf ich beim Small Talk jedes Thema ansprechen?

Die Firmenfeier ist feuchtfröhlich, das Gespräch mit der Tischnachbarin anregend. Bis sie plötzlich ganz schnell los muss und sich an den Tisch drei Meter weiter setzt. Schon fragt man sich: Habe ich etwas Falsches gesagt? Susanne Auffhammer rät: "Man sollte deshalb alle Themen meiden, die zu persönlich sind. Wählen Sie stattdessen Themen, die ein eher unverfängliches Gespräch ermöglichen." Eine Unterhaltung über das neue Album von Justin Timberlake oder den letzten Film mit George Clooney ist da harmloser als die Frage nach der Scheidung. Carolin Lüdemann ergänzt: "Das Gesagte wird zudem oftmals mit dem Charakter verknüpft, wir hinterlassen also einen negativen Eindruck und werden sofort in eine Schublade gesteckt." Wer will schon als Schnüfflerin abgestempelt werden? Eben. Der Schriftsteller Adolph Freiherr Knigge hat es einmal so ausgedrückt: "Sei ernsthaft, bescheiden, höflich, ruhig, wahrhaftig. Rede nicht zu viel. Und nie von Dingen, wovon du nichts weißt." Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Schlagworte
Beruf | Job | Karriere
Autor
Bonnie Stenken