Karriere

Karriere Hilfe, die Girlies kommen!

Weiblich, hungrig, jung: So stürmen Berufsanfängerinnen die Firmen - und lassen uns ziemlich alt aussehen. Das fürchten wir zumindest. Doch wenn wir Stolz und Vorurteile ablegen, fördern Sie sogar unsere Karriere.
Junge Frau im Büro
   

Dieses energische Klackern erkennen wir sofort: Die junge Kollegin ist im Anmarsch, voller Elan klicken ihre High Heels über den Flur. Schlagartig fühlen wir uns uralt, uncool und extrem unsicher. Und alles nur wegen ein paar Berufsanfängern. Girlies, die uns irgendwie unheimlich sind. Nicht nur wegen des schrecklich frischen Auftretens und des noch frischeren Aussehens. Auch wegen der Fähigkeiten der Twentysomethings – ihrer Bachelors und Masters, der fünf Praktika, der Ideen und Illusionen, des natürlichen Umgangs mit Facebook & Co und dieser überbordenden Menge an Selbstbewusstsein. Kurz: Die neue Konkurrenz ist da.

Und wir? Eben noch knapp über 30 und jetzt schon abgemeldet? „Von den jungen Kolleginnen braucht sich niemand bedroht zu fühlen“, sagt Fachbuchautorin Barbara Kettl-Römer („Ü40 und top im Job“, Linde, 16,30 Euro). „Sie sind oft sehr motiviert, haben neue Ideen und bringen frischen Wind in die Abteilungen. Man sollte sie als Bereicherung betrachten.“ Leicht gesagt und schwer zu leben. Vor allem, wenn die Jungen mit ihrem Elan im Unternehmen alles aufrollen wollen. „Natürlich kann das manchmal ziemlich nerven“, räumt Kettl-Römer ein. „Aber erinnern Sie sich noch, wie es war, als Sie selber ganz frisch anfingen?“ Richtig, da war was. Begeistert machten wir neue Vorschläge, die oft mit dem Spruch „Das hatten wir schon, das hat noch nie geklappt!“ niedergebügelt wurden. Was waren wir frustriert... und jetzt verhalten wir uns genauso. Das ist fast noch frustrierender. „Mag sein, dass viele neue Ideen nicht brauchbar sind, manche sind es aber schon“, sagt Kettl-Römer.

Deswegen sollten wir Einsteigerinnen wohlwollend betrachten und nicht gleich alles abblocken. Das ist gut fürs Betriebsklima, für die Arbeitsergebnisse des Teams – und schließlich auch für den Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes. Soweit zumindest die Theorie. Im Büro sieht das oft anders aus. „Die Firmen versprechen sich von altersgemischten Teams eine perfekte Kombination von umfassender Praxiserfahrung und aktuellem Universitätswissen“, sagt Professorin Annette Kluge, Teamforscherin an der Universität Duisburg-Essen. „Im Arbeitsalltag überschatten aber häufig Beziehungsprobleme zwischen Alt und Jung den Wissensaustausch.“ Es wird gemault und gemauert, gelästert und intrigiert. Um sich selbst besser zu fühlen, wertet man die Eigenschaften der eigenen Gruppe auf – und die der anderen ab. Nach dem Motto: „Hier sind wir, die alten Hasen. Und dort auf der anderen Seite seid ihr, die jungen Küken.“

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