Karriere

Job & Karriere Generation Feierabend

Endlos Nächte durcharbeiten? Danke, nicht mit uns. Denn Burn-out war gestern und Selbstausbeutung ist out: Gute Jobs, das sind heute solche, die Sinn und Spaß machen und uns genügend Freiraum lassen.
Frau Grillen
   

Werbeangenturen gehören normalerweise zu den Firmen, die man schon auf den ersten Blick erkennt, wenn man vor dem Gebäude steht. Weniger wegen der Hipster-Wollmützen und der coolen Schuhe der Leute, die dort aus- und eingehen, sondern eher wegen der irrwitzigen Arbeitszeiten: Da brennt das Licht schon mal nachts um drei, und sonntags geben sich Sushi-Lieferservice und Pizzamann die Klinke in die Hand. Nicht so bei der Hamburger Agentur achtung!: "Um 19 Uhr ist Schluss, und am Wochenende ist nur in absoluten Ausnahmefällen jemand da – auch ich nicht", erzählt Chef Mirko Kaminski. Obwohl die Agentur für Großkunden wie eBay, Daimler und die Deutsche Bahn tätig ist. "Das geht alles, man muss sich nur organisieren – etwa mit genauen Zeitvorgaben für Meetings." Kaminskis Team ist keine exotische Ausnahme. Weniger arbeiten, flexibler arbeiten, mehr Zeit haben fürs Privatleben – dieser Trend ist auch anderswo im Kommen.

Teilzeit für alle!

Heidi Stock, Personalentwicklerin beim Technologiekonzern Bosch in Stuttgart: "Das Thema Teilzeitjobs ist bei uns längst nicht mehr auf Mütter mit kleinen Kindern beschränkt. Gerade junge Bewerber fragen heute bei Jobmessen oder Recruiting-Veranstaltungen ganz selbstverständlich nach weniger Wochenstunden, Homeoffice oder flexiblen Modellen, etwa, weil sie private und berufliche Interessen besser vereinbaren wollen. Sogar bei den weiblichen Führungskräften arbeitet jede vierte nicht in Vollzeit." Andere Unternehmen führen per Handstreich den guten alten Feierabend wieder ein: So bekommen Angestellte bei VW seit einem guten Jahr nach Büroschluss keine beruflichen Mails mehr zugestellt, der Server wird einfach abgeschaltet – Ausnahmen gibt es nur für das Top-Management.

Umdenken und Burn-out verhindern

Zeichen einer Mentalitätswende, die Laune macht. Denn in den vergangenen Jahren war das Arbeitsleben häufig eher Grund für Frust als für Lust. Endlose Arbeitstage mit Meetings um 19 Uhr ("Da ist es wenigstens einigermaßen ruhig."). Unausgesprochene Wettbewerbe im Team: Wer sitzt abends länger, wer wälzt selbst am Sonntag Fachmagazine statt Schwedenkrimis? Und dann noch die ständig zirpenden Push-Mitteilungen aus der Kommandozentrale, die uns auch beim Samstagsgrillen oder im Urlaub erreichen. Die negativen Folgen sind seit Jahren ein Top-Talkshow-Thema: Existenzangst, Depression und Burn-out. Ein Zustand, der auf Dauer niemandem guttun kann – weder Angestellten noch Chefs. Und den sich deshalb immer weniger Menschen gefallen lassen. Vor allem solche, die neu ins Berufsleben einsteigen.

Gutes Arbeitsumfeld sorgt für gute Bewerber

"Hochschulabsolventen und gute Fachkräfte, besonders in Bereichen wie Technik und IT, treten heute sehr selbstbewusst auf", sagt Svenja Hofert, Hamburger Trainerin und Autorin von Bewerbungsratgebern und Fachbüchern. "Sie wissen, dass sie dringend gesucht werden und was sie fordern können." Nicht nur viel Geld, sondern auch viel Muße. Sogar in notorischen Ausbeuterbranchen wie der Werbung, sagt achtung!-Chef Mirko Kaminski: "Wenn ich als Arbeitgeber keine guten Bedingungen biete, also auch angemessene Arbeitszeiten, dann bekomme ich auch nicht die besten Bewerber."

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Schlagworte
Job | Karriere | Lifestyle
Autor
Verena Carl