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Trends Woher kommt der Men-Style?

Ihr bestes Stück

Okay, Männer könnten schon neidisch werden. Weil Frauen in ihren Anzügen fast besser aussehen als sie. Es hat immer so etwas lässig Androgynes, eine coole Note und einen Hauch von Verruchtem. Deswegen verwundert es nicht, dass der sogenannte Men-Style in dieser Saison schwer en vogue ist: Burberry, Miu Miu, Stella McCartney und Max Mara entwarfen coole Looks mit schmalen Anzügen, Krawatten, Pullundern, Borsalinos, Schiebermützen und bodenlangen Mänteln. Alles geschneidert aus groben und edlen Stoffen von Glencheck bis Tweed. Schaute man sich auf den Laufstegen um, entdeckte man unzählige Variationen des maskulinen Themas: Yohji Yamamoto präsentiert die Frau im Anzug als Vampir, Giorgio Armani führt sie als Gigolo vor, Hermès bringt den Dandy, Vivienne Westwood den Clochard, Ralph Lauren den Snob. Mann ist eben nicht gleich Mann ...

Ganz selbstverständlich schlüpfen wir heute in den Anzug, das weiße Hemd, die Weste und binden dazu auch noch den doppelten Windsorknoten, während unsere Mütter einst den Schlips nicht an sich selbst, sondern an Vati festzurrten. Wobei – neu ist der Look ja nicht: Schon in den 20er-Jahren trugen die französische Schriftstellerin Colette und die Malerin Georgia O’Keefe die schmucklose Männerkleidung, allerdings aus praktischen Gründen. Coco Chanel erfand 1931 die Hose für sich, weil ihr das Kleidungsstück das Ein- und Aussteigen aus einer Gondel in Venedig erleichterte.

Später prägte sie den Look mit weiten Bundfaltenhosen und fünffachen Perlenketten. Marlene Dietrich wiederum machte 1930 in dem Film „Marocco“ den Smoking mit Zylinder berühmt. Und Katharine Hepburn, so heißt es, trug privat ausschließlich Hosen. In Kleidern sah man sie nur auf der Leinwand. So viel zur Geschichte des Beinkleids und der „Hosenweiber“, wie man sie damals schimpfte. Bis Mitte der 70er-Jahre waren Hosen für Frauen am Arbeitsplatz praktisch verboten. Dann geschah eine kleine Revolution: Internationale Designer knöpften sich den Anzug vor und konstruierten ihn neu nach weiblichen Prinzipien – stark tailliert und aus weichen Stoffen.

Ein Klassiker war geboren. Für viele Frauen gelten die Hosenanzüge von Armani und Yves Saint Laurent aus dieser Ära bis heute als die elegantesten. Auch Dolce & Gabbana perfektionierten den Zweiteiler, der bei aller Sachlichkeit hocherotisch war. Heute lieben wir den Anzug in seiner schönen, schlichten Form, weil er uns Halt, Stil und Standing gibt. Er weist uns im Job als jemanden aus, der klar denkt, leitet und Verantwortung übernimmt. Was heißt hier unemanzipiert? Schließlich tragen wir dazu scharfe High Heels statt Schlips und It-Bags statt Aktenkoffer – denn Gleichberechtigung bedeutet vielleicht auch manchmal, sich von allem das Beste zu gönnen.

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