Modetrends

Trend 2013 Das Comeback der Siebziger

Willkommen zurück in den wilden Siebzigern! Das bunte Jahrzehnt war auch modisch eine Revolution, eine Zeit der Extravaganz und Exzesse. Transparente Blusen und Häkelbikini – nahezu alles war erlaubt. Wir erklären, wo die ikonischen Looks herkommen, die uns auch diesen Sommer wieder begleiten.
70er-Jahre Mode
   

Ach, diese 70er... Vielleicht war das Jahrzehnt eine Form der Pubertät. Ein modisches Auflehnen. Rotzig, frech und rebellisch. Vieles war verboten, alles musste ausgetestet werden. Formen, Farben und Versuche, die mit Wut und Selbstbewusstsein getragen wurden. Und was ist wichtiger im Leben als die Pubertät? Nicht viel. Schließlich formt sich in dieser Zeit das, was Bestand hat. Im Charakter – und offenbar auch in der Mode.
 Wer in den 70ern dabei war, erinnert sich heute entweder mit Respekt oder mit Grauen an die eigenen modischen Experimente. Alles, was möglich war, wurde auch ausprobiert: Mini, Midi, Maxi, Lack, Leinen, Lurex. Protestler und Angepasste ließen sich nicht mehr so leicht auseinanderhalten, denn das, womit die einen sich abgrenzten, kauften die anderen kurz darauf in den Boutiquen. Die Designer kopierten, was sie auf der Straße sahen, die Jeans und T-Shirts der Jugendlichen, die wallenden Kleider der Hippies und den androgynen Look von Musikern wie David Bowie. Zu jedem Lebensentwurf gab es den passenden Stil. Die Individualisierung ging so weit, dass das Magazin "Twen" 1971 darüber schrieb, "wie die Mode aus der Mode kommt". Manche Looks von damals scheinen heute untragbar. Andere sind atemberaubend elegant. Deswegen besinnen sich die Designer immer dann, wenn die Mode zu konform zu werden droht, wenn ihr das Spielerische abhanden zu kommen scheint, auf die 70er-Jahre. Auf Stücke, die jedes für sich ein Statement sind – für Vielfalt und Extravaganz.

Woher kommen Hotpants?

13 Jahre war sie alt – und die Hotpants waren an ihr mehr als verboten: In seinem Film "Taxi Driver" stellte Martin Scorsese 1976 Jodie Foster als minderjährige Prostituierte in kirschroten Hotpants an die Straße und damit die Moralbegriffe des Bürgertums infrage. "Hast du noch nichts von der Frauenbewegung gehört?", will sie von dem verklemmten Taxifahrer Travis wissen. An den Mini hatten sich ältere Generationen Anfang
 der Siebziger bereits gewöhnt, doch Frauen, die Hotpants trugen signalisierten, dass sie sich weder in modischer, noch in sexueller Hinsicht etwas vorschreiben lassen wollten. Dafür wurden sie beschimpft, manchmal auch zur nächsten Polizeiwache gebracht. Erfunden hat die "heißen Höschen" angeblich der englische Boutique-Besitzer Tommy Roberts alias Mr. Freedom, der auch Bühnenoutfits für Elton John ent
warf. Heute regen Hotpants nieman
den mehr auf. Was vielleicht daran liegt, dass sie meistens mit blickdichten Strumpfhosen getragen werden.

Woher kommen transparente Blusen?

Seiden-Jumpsuit
Beachwear
Sie hatten ihre eigene Schönheitskönigin – ein lebendes Schaf – dabei und ordentlich Wut im Bauch: Die 400 Feministinnen, die 1968 in Atlantic City neben falschen Wimpern und High Heels auch ihre BHs in einen Mülleimer warfen, protestierten damit gegen eine Misswahl. Ihre Aktion gegen den Schönheitswahn hatte jedoch modische Folgen: Wer konnte, ließ den BH fortan in der Schublade. Yves Saint Laurent erkannte den Trend und entwarf transparente Seidenblusen, die frei schwingende Brüste elegant verpackten. Andere Designer zogen nach. Der "Stern" fotografierte das italienische Starlett Prinzessin Micaela Pignatelli 1972 in einem durchsichtigen Top von Lancetti, das weder Nippel noch Nabel verdeckte. 40 Jahre später ließ sich auch Popsternchen Lana Del Rey in transparenter Seide fotografieren, allerdings mit BH. Ihr Kommentar: durchsichtig, aber hochgeschlossen – das mache die Männer verrückt.

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Schlagworte
Kultur | Mode | Modetrends
Autor
Jessica Braun