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Designer Porträt: Missoni

Es war einmal eine italienische Familie, die gründete eine Strickfirma. Heute ist das Label einer der hippsten Sterne am modischen Himmel – und feiert 2013 Jahr seinen 60. Geburtstag. Aber was ist eigentlich das Geheimnis des Erfolgs?
  

Um ehrlich zu sein, die Geschichte der Missonis ist so gut, dass sie ein bisschen wie ausgedacht klingt. Denn in dieser Familiensaga geht es um Liebe, um Sport, es geht um Wolle und Mode, ein bisschen um fehlende Büstenhalter auf einem Laufsteg – und natürlich um italienische Kochkünste. Dass sich eine Firma so lange erfolgreich am Markt behauptet, ist an sich schon einmal bemerkenswert. Aber wenn man bedenkt, dass bunte Strickwaren nicht unbedingt puren Sex verströmen, ist es noch ein bisschen erstaunlicher. Denn heute, 60 Jahre nach Firmengründung, werfen sich Hipster gern ihren Missoni-Bademantel aus der Home-Collection um die schmalen Schultern, jetten vielleicht nach Edinburgh und checken dort im Missoni-Hotel ein. Ach ja, und zu Hause im Schrank hängt eventuell auch das eine oder andere Strickteilchen der italienischen Familie. Heute wieder sehr farbenfroh und mit dem sehr berühmten und unverwechselbaren Zickzackmuster, das sich wie ein bunter Faden durch die Geschichte des Labels zieht.

Die Anfänge der Missoni-Dynastie

Aber fangen wir von vorne an. Wir schreiben das Jahr 1948 und befinden uns in London bei den Olympischen Sommerspielen. Ein gewisser Ottavio Missoni, genannt Tai, startet für Italien beim 400-Meter-Hürdenlauf. Er ist 27 Jahre alt und eine echte Granate – in jeglicher Hinsicht. Für eine Medaille reicht es nicht, aber dafür gewinnt er das Herz der im Publikum sitzenden Rosita Jelmini. Ihre Familie besitzt eine Tuchfabrik, sie ist zarte 16 Jahre alt und soll ihr Englisch in einem Londoner College aufpolieren. Klingt schwer nach Schmonzette mit Happy End – und ist es auch, denn die beiden verlieben sich nicht nur ineinander, sondern heiraten auch noch fünf Jahre später. Die Ehe hält bis heute – genauso wie die Firma, die 1953 gegründet wird. Ottavio und Rosita beginnen mit zwei Strickmaschinen, die er mit in die Ehe bringt. Im Keller ihres Hauses entwerfen die beiden Strickwaren. Zuerst bekommen die Maschinen nur gerade Streifen hin, dann macht die Technik auch senkrechte und diagonale Linien möglich. Nach ein paar Jahren gelingt das berühmt-berüchtigte Zickzackmuster, gestrickt von einer Kettenwirkmaschine. Und was damals mit zwölf Farben seinen Anfang nimmt, endet heute mit 40 Farben pro Kollektion.

Das Geheimnis des Erfolgs

So viel zur Technik und zu den Färbungen, aber was ist denn nun das Geheimnis des Erfolgs? Vielleicht liegt es darin, dass die Missonis das Leben ein bisschen bunter und fröhlicher machen. Die Menschen sind nach dem Krieg ausgehungert nach Farben und Formen, und Missonis leuchtende Muster vertreiben das Grau – bis heute. 1958 entsteht die erste Modekollektion, in den 60er-Jahren, ihre Kinder Vittorio, Luca und Angela sind bereits geboren, entwickeln sich die beiden Missonis zu dem, was man heute vielleicht Stil-Hippies nennen könnte. Die Familie wird großgeschrieben, der Zusammenhalt ist wichtig. Die Materialien sind weich und anschmiegsam, die Farben satt, der Look sexy – und vor allem bis heute wiedererkennbar. Eine ziemlich sinnliche Kombination, keine Frage. Neben Pucci und Etro etabliert sich Missoni als eine der drei italienischen Marken, die mit Farben so geschmackvoll umgehen wie kaum jemand sonst auf der Welt. 1967 kommt es bei der Kollektionsvorführung am Palazzo Pitti in Florenz zu einem kleinen Skandal: Weil Rosita der damals typische Balkon-BH bei einem Model nicht gefiel, schickte sie das Mädchen in der transparenten Chiffonbluse eben ohne Büstenhalter auf den Runway. In der nächsten Saison wird Missoni nicht mehr eingeladen, dabei ist Rosita ihrer Zeit voraus: Yves Saint Laurent zeigt den „Nude Look“ erst ein halbes Jahr später in Paris.

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