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Designermode Kenzos Geheimnis

Lange Jahre galt das Label als angestaubt, dann hauchten die Designer Carol Lim und Humberto Leon der Marke neues Leben ein und entfachten einen wahren Hype – wie schafft man das?
Kenzo
  

Mantel Kenzo

Das dritte Auge
Nach dem Triumph der Logo- Pullover wurde der populäre Tiger in der Herbst/Winter- Kollektion von einem Auge abgelöst.

Kenzo hat zu allem was zu sagen. Rezepte für Leibgerichte, die den Namen "Le Tigre qui pleure" tragen, Zutaten und Schütteltechniken für Cocktails, Musik und Fernsehserien – das alles findet sich auf dem Kenzo-Blog. "Die neue Staffel von 'Arrested Development‘ ist raus! Unsere Lieblingscharaktere tragen jetzt noch verrücktere Klamotten!", posten die neuen Designer Carol Lim und Humberto Leon zwischen Fotos ihrer Kollektion. Und die Band Chateau Marmont hat gerade ihr Lied "Invisible Eye" samt Video veröffentlicht. Das passt super zu Kenzos aktuellem Augenmotiv und verdient ebenfalls einen Blog-Eintrag. Lim und Leon liefern nicht nur witzige, überraschende Looks. Sie zeigen auch, was sie dazu inspiriert. Die beiden entwerfen Mode, die mit unserem Leben zu tun haben und zu uns gehören soll. Deshalb vermarkten sie ihre Kollektionen auf neue Art und Weise: auf Augenhöhe, zum Anfassen. Wie ein Freund, der genau das mag, was wir auch mögen. Wie ein Facebook-Bekannter, der die besten Fundstücke aus dem Netz mit uns teilt. Die Strategie geht auf. Rund 500.000 Leuten gefällt die Facebook-Seite (beim angesagten schwedischen Label Acne sind es 380.000).

Kenzo, die fast vergessene Marke, ist wieder überall.

Das Augenmotiv blickt von Sweatshirts, Taschen, Hosen und iPhone-Hüllen. Menschen zwischen 20 und 40 werfen sich enthusiastisch in die bunten, krass bedruckten Entwürfe und tragen auf der Brust das große Kenzo-K spazieren, als wären große Logo-Prints niemals verpönt gewesen. Signature-Pieces wie die Sweatshirts mit dem Tigerkopf waren binnen Stunden ausverkauft. Noch vor drei Jahren hätte niemand damit gerechnet, kein Mensch scherte sich mehr um die gut 40 Jahre alte Marke. Aus den Kollektionskritiken sprach eher Respekt als Begeisterung. Kenzo hatte eine dicke Staubschicht angesetzt. Dabei war das Label einst als Supernova am Modehimmel aufgetaucht.

Streetstyle Kenzo

Rundum-Programm
Ob Fashion Week in London oder Paris, ob 2012 oder 2013: Jeder, der etwas auf sich und sein Modebewusstsein hält, trägt Kenzo von Kopf bis Fuß. Fragt sich nur, wie lange der Hype hält.

Die Ursprünge von Kenzo

Der japanische Designer Kenzo Takada gründete es 1970 in Paris, 31 Jahre war er alt, fünf Jahre zuvor war er nach Frankreich gekommen. Die Stoffe für seine erste Kollektion klaubte er auf Flohmärkten zusammen – mehr gab sein Budget nicht her. Die Schau war ein Riesenerfolg, die französische Zeitschrift „Elle“ hob einen seiner Entwürfe auf den Titel. Den Stil prägten Kreuzungen aus asiatischen und europäischen Schnitten, Blumenmuster, ein fröhlich-bunter, aber virtuos abgestimmter Mix aus allem Möglichen. "Ich inspiriere mich an Kunst und Filmen", sagte Takada einst. "Reisen bringen wunderbare Einflüsse, ich liebe alle Kulturen. Später schwelge ich in Erinnerungen. Dann zeichne ich." Noch im Gründungsjahr eröffnete er seine Boutique Jungle Jap – Jap für japonais –, 1972 musste er seine Show unterbrechen, weil zu viele Fans hineindrängten. Seine Defilees zeigte er in Zirkuszelten, bei seiner funky Fashion Show im legendären New Yorker Studio 54 tanzten 1977 Grace Jones und Jerry Hall. 1999 zog sich Takada, der zierliche Mann mit der schulterlangen Haarmatte, als Designer komplett zurück, um nur noch zu reisen und zu malen. Sein Unternehmen hatte er schon 1993 für umgerechnet rund 70 Millionen Euro an den französischen Luxuskonzern LVMH verkauft. Seine Nachfolger mühten sich, aber ohne Erfolg.

Schmuck Kenzo

Blickfang
Die Schmuckkollektion Herbst/Winter entwarf Fendi-Erbin Delfina Delettrez.

Zwei Designer hauchen Kenzo neuen Atem ein

Bis im Juli 2011 die zwei Neuen an den Start gingen: Lim und Leon. Plötzlich sprangen Blogger, Modejournalisten und Einkäufer auf die Marke an, als hätten sie nur drauf gewartet. So viel spontane Liebe und ungebrochene Begeisterung ist selten zu spüren in der skeptischen Szene. Wie kann das sein? Vielleicht liegt es daran, dass Lim und Leon wie ein zeitgemäßer Katalysator für Takadas Ideen wirken. Sein altes Tigermotiv und die Folklorethemen treffen auf große Logos, Bomberjackenschnitte und Neopren. Das Duo reißt die Grenzen ein zwischen den Archiven des Labels und seiner eigenen, heutigen Welt. Auch die Mauern im Pariser Atelier mussten fallen: Aus dem kreativen Zentrum machten die beiden einen Großraum. Nach anfänglichem Murren gewöhnten sich die Mitarbeiter an den neuen Arbeitsstil. "Es ist, als sei Kenzo Takada wieder da", zitiert Fashionista.com eine langjährige Angestellte der Modefirma. Auch Takada selbst zeige sich angetan, erzählten Lim und Leon dem britischen Magazin "Stylist“: „Wir trafen ihn zufällig in einem Pariser Restaurant. 'I like! I like!‘, rief er.“ Takada spricht nicht so gut Englisch.

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Schlagworte
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Autor
Hiltrud Bontrup