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Konkurrenzdenken Warum sind Frauen so fies zu Frauen?

Wir teilen intimste Geheimnisse über Kerle, Kollegen und Katastrophen. Aber warum vergleichen Frauen sich ständig und lästern sogar über ihre beste Freundin? Wäre es nicht viel besser, sich zu verbünden, als zu bekämpfen? Allerdings!
Frauen lästern
  

Es ist einfach stärker als wir. Es reicht schon, dass eine nicht allzu unscheinbare Frau das Lokal betritt. In Sekunden setzt die Rasterfahndung ein. Im Hirnscanner würden jetzt alle Areale für Anspannung rot blinken, mit der Präzision eines Chirurgen sezieren wir ihr Äußeres. Und mit der Heimlichkeit eines Diebes schleicht sich die Frage an: Ist sie schöner als ich? Was hat sie, was ich nicht habe? Wer ist sie, wer bin ich?

Im Übrigen ist es ja nicht so, dass Freundschaft vor Lästern schützen würde – Frauen werden sogar im vertrautesten Kreis taxiert. Das belegt auch eine aktuelle Gewis-Umfrage für PETRA: Von den befragten Frauen zwischen 29 und 39 Jahren gaben 71 Prozent an, schon einmal über die beste Freundin gelästert zu haben. Es beginnt mit kritischen Anmerkungen („Na, ob das so eine gute Entscheidung war, den festen Job hinzuschmeißen?“) und endet bei handfesten Verurteilungen: „Schön, dass sie jetzt in ein Haus zieht, aber in dem Stadtteil wird sie niemals glücklich!“ Sind wir wirklich so böse? Vielleicht tragen wir so eine Art Zicken-Gen in unseren Zellen. Das wäre immerhin eine Entschuldigung.

Warum sind wir Frauen nur so kritisch mit anderen Frauen? Die Antwort lautet: weil sie es mit sich selbst sind. Die Ideale, an denen wir uns messen, legen wir auch bei der Sitznachbarin in der Straßenbahn an. Genauso wie wir uns selbst begutachten, beäugen wir auch die andere und klopfen ihr Erscheinungsbild gnadenlos auf Makel und Vorzüge ab. Reicht uns morgens noch das eigene Spiegelbild, an dem wir uns abarbeiten, müssen über den Tag andere für den stetigen Vergleich herhalten. Zum guten alten „Wie du mir, so ich dir“ gesellt sich ein „Wie ich mir, so ich dir“.

Folgt man der Autorin Sabine Werz („Beste Freundin, beste Feindin“), üben wir uns schon früh darin. Werz erinnert sich daran, wie sie als Mädchen in einer Hockeymannschaft spielte – oder vielmehr daran, wie schnell diese Mannschaft wieder aufgelöst wurde. Man war entsetzt darüber, wie aggressiv die Mädchen aufeinander eindroschen, wie angriffslustig sie waren – dabei spielten sie nur wie Jungs. Aggression ist etwas, das Frauen nicht (zu)steht. Männer lernen hingegen früh, dass Wettkampf etwas Natürliches ist, erst auf dem Bolzplatz und später im Berufsleben. Man schlägt sich, man verträgt sich. Mädchen lernen, dass Attribute wie brav, verträglich und harmonisch ihnen besser stehen als Ruppigkeit. Sie lernen, Wut, Frust oder Neid in weniger sichtbare Kanäle umzuleiten. Schon mal aufgefallen? Männer können sich im Büro lautstark die Meinung geigen – abends gehen sie zusammen ein Bier trinken. Sie können Job und Privates wunderbar trennen. Und Frauen? Lästern und schwärzen die Konkurrentin lieber hintenherum an. Nichts scheint schlimmer zu sein als ein Streit, der ehrlich ausgetragen wird. Das bestätigt auch die Psychologin 
Dr. Doris Wolf: „Frauen kämpfen mehr auf der emotionalen Ebene. Sie verbreiten Gerüchte oder machen Andeutungen.“ Männer hingegen schaffen es eher, zwischen Leistung und dem Wert ihrer eigenen Person zu trennen. Sie reagieren weniger mit Missgunst, sondern fragen sich, was sie selbst
zu bieten haben, um Ziele
zu erreichen.

Wir Frauen stecken in einem Dilemma: achten einerseits auf Harmonie, angenehmes Klima und Solidarität. Aber gerade deshalb scheuen wir uns davor, klare Weisungen zu geben oder zu delegieren. Sabine Werz: „Wir halten an einem angelernten Programm fest, das Dauerlächeln und heimliche Biestigkeit umfasst. Und werden mit der Zeit Meisterinnen der falschen Komplimente.“

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