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Talk About Wer mehr verdient, der zahlt?

Auch schon mal ewig darauf gewartet, dass Ihnen eine Freundin die geliehenen 50 Euro zurückzahlt? Oder nervt umgekehrt jemand Sie mit seiner Knauserigkeit? Mit Freunden über Geld zu reden kann ganz schön kompliziert sein. PETRA AutorinYvonne Adamek fragt sich, warum eigentlich.
Freundin lädt andere Freundin ein
  

Was für ein schöner Abend! Leckeres Essen, guter Wein und diese ausufernden Gespräche zwischen Lachen und Ernst, die man nur mit guten Freundinnen haben kann. Doch dann kommt die Rechnung. Was der Kellner so routiniert auf das weiße Tischtuch gleiten lässt, kann darüber entscheiden, ob der Abend so gut bleibt oder in einem Desaster endet. "Ich mach das schon!", ruft die eine und wedelt auch schon mit ihrer Kreditkarte in der Hand. "Ach Quatsch, einfach durch drei!", wirft die andere ein. "Aber ich hatte doch nur die Nudeln", meldet sich leicht zickig die Dritte zu Wort.

Geld spielt in Freundschaften immer eine Rolle

Eigentlich ist es egal, ob es sich um die Restaurantrechnung handelt, den Anteil bei gemeinsamen Geburtstagsgeschenken oder eine ausgelegte Taxirechnung – Geld spielt in Freundschaften immer eine Rolle, auch wenn wir uns das nicht gern eingestehen. Immerhin: Während der Ausbildung oder des Studiums herrschte noch so etwas wie Finanzgleichheit. Da war es meist klar, dass man das Bier lieber an der Tankstelle neben dem Club trinkt, anstatt drinnen das Doppelte dafür zu bezahlen. Spätestens mit dem ersten Job kommen die sozialen Unterschiede ans Tageslicht. Während die eine immer noch knapp über der Harz-IV-Grenze rumkrebst und jeden Cent zweimal umdreht, zieht die andere gerade in ihre neue exklusive Penthousewohnung ein. Klar, dass sie jetzt nicht mehr so richtig Lust hat, sich ständig beim Italiener um die Ecke zu treffen. Schließlich muss man sich doch auch ab und zu was gönnen! Aber was, wenn sich nur eine Freundin das Nobelrestaurant leisten kann? Soll sie dann auch die Rechnung bezahlen?

Geld und Liebe
Und wie ist's mit Geld und Liebe

Soll man Freunde mit weniger Geld einladen?

Für die meisten Frauen kommt das nicht infrage. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa exklusiv für PETRA erklärten sich nur 15 Prozent der Befragten bereit, eine Freundin ohne Geld öfter zum Essen einzuladen. Aber woran liegt das? Sind wir etwa ein Volk von Geizhälsen? "Nein, sind wir nicht", lautet die klare Antwort der Psychologin Simone Marwede. "Die Zahl lässt sich vielmehr als ein Versuch interpretieren, die Freundschaft im Gleichgewicht zu halten." Es kann nämlich auf Dauer ganz schön herablassend und gönnerhaft wirken, wenn man meint, die Freundin mit dem geringeren Kontostand ständig einladen zu müssen. Außerdem möchte die sich auch ungern als Schnorrerin fühlen. "Besser ist es, kurz über die finanzielle Situation von beiden zu sprechen, um so einen gemeinsamen Nenner zu finden", so die Psychologin. Schließlich schmeckt eine Pizza Margherita zwischendurch genau so gut wie das Rinderfilet aus dem Szenelokal.

Mädchen mit Hammer hinter Sparschwein
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Unsere Einstellung zum Geld ist anerzogen

Allerdings muss die Art, wie wir mit unserem Geld umgehen, nicht immer direkt mit unserem Kontostand zusammenhängen. "Unsere Einstellung zum Thema Geld lässt sich zum größten Teil auf unsere Erziehung zurückführen", sagt die US-Soziologin Jan Yager. Da gibt es zum Beispiel die Großzügigen, die ihr Geld einfach gern für schöne Dinge im Leben ausgeben. Ob für sich oder für andere, ist dabei genauso nebensächlich wie der Kontostand. Die Sparsamen hingegen wägen jede Investition sorgfältig ab. Zwischen beiden stehen die Nachlässigen, die nicht jedem Cent hinterherrennen und gern mal das Konto überziehen in der festen Überzeugung, dass sich alles sowieso irgendwann ausgleichen wird. "Man muss einfach akzeptieren, dass jeder anders damit umgeht", so die Freundschaftsexpertin.

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Schlagworte
Finanzen | Freizeit | Freundschaft | Lifestyle | Talk About
Autor
Yvonne Adamek