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Star-Talk Interview mit Rapper Cro

Cro

In der neuen Juli-Ausgabe der Petra zählt Cro zu den Menschen, die uns inspirieren. Warum das so ist, lesen Sie einfach selbst. Ab dem 12. Juni 2014 bei Ihrem Kiosk.

 PETRA: Der Druck ist bei der zweiten Platte ja immer am größten. Du wirkst aber ziemlich gelassen. Wie kommt das?

Cro: Ich habe es einfach aufgenommen und nicht lange überlegt. Erst vorhin las ich auf einem Blog, wie sich zwei Redakteure seitenweise darum gestritten haben, ob mein zweites Album gut oder schlecht wird. Und ich denke mir: Es gibt immer welche, die es mögen werden und welche, die es eben nicht mögen werden. Hauptsache, mir gefällt es.

Dein Album heißt ja „Melodie“. Wie ist deine Melodie des Lebens?

Lena Gercke
Interview: Lena Gercke

Immer etwas um die Ohren zu haben, denke ich. Früher war mein Leben nicht wirklich ruhiger. Und wenn, dann habe ich Lärm gemacht und wieder Hektik reingebracht. Und jetzt muss ich ständig unterwegs sein und das ist auch okay. Ich bin das gewohnt und mag das. Ich kann nicht, nichts tun. Ich fühle mich dann nutzlos. Am Ende kann man sich dann ja auch loben, wenn man was geschafft hat.

Textest du lieber, wenn du richtig gute Laune hast oder wenn du mies drauf bist?

Das ist wetterabhängig. Wenn es regnet, wird auch der Song regnerisch. Scheint die Sonne, wird es wie mein erstes Album „Raop“. Wenn ich hirnleer bin, kommen Songs wie „Nett Flanders“ raus. Bin ich verliebt oder nicht verliebt, spiegelt das auch genau meine Stimmung wieder. Da habe ich nichts erfunden.

Bist du gerade verliebt?

Ja. (lacht)

Wie muss denn deine Traumfrau sein – wobei du sie anscheinend ja schon gefunden hast...?

Die Eine ist ungeschminkt, die braucht nicht länger im Bad als ich – und ich brauche zwei Minuten. Mit ihr kann man Pferde stehlen. Und wenn man erwischt wird, nimmt sie die ganze Schuld auf sich. So ist sie. Äh, so muss sie sein.

Wie bist du denn, wenn du verliebt bist?

Ich bin weder Macho noch Softie. Sondern eine Mischung aus allem. Verplant bin ich auch, aber das bin ich sowieso immer. Eifersüchtig bin ich zum Beispiel auch selten. Nur, wenn es angebracht ist. Geht sie mit Kumpels aus, die ich kenne, mache ich mir keinen Kopf. Erwähnt sie jemanden, dem ich noch nie begegnet bin, würde ich schon mal nachfragen.

Ich könnte mir vorstellen, dass es sich betrunken leichter schreibt.

Nee, gar nicht. Alles, was man betrunken macht, findet man erst geil und dann bereut man es. Das ist wie bei den SMS, die man nachts betrunken schreibt.

Wer hat dich mehr beeinflusst: deine Geschwister, deine Mutter oder dein Vater?

Alle. Mein Bruder zeigte mir alles aus dem Bereich Rap, später kam meine Schwester mit Indie und Rock. Mit Bob Dylan, Beatles, Jimi Hendrix, Oldies. Genau wie meine Mum. Die ist auch verliebt in Oldies, fährt mit der Ente durch die Gegend und hört dabei Kassette. Und mein Dad ist genauso. Ja, die haben mich alle beeinflusst.

Du hast ja schon sehr früh angefangen Musik zu machen. Was haben denn deine Freunde dazu gesagt?

Mit 16 habe ich das meinen Kumpels erzählt und denen war sofort klar, dass das irgendwie besonders war. Die fanden das super, wollten immer mitmischen. Wir haben ein Studio aufgebaut, es wurde immer ein bisschen besser. Wobei es im Endeffekt immer noch eine Eierschalen-Aufnahme war. So richtig klein und Low-Budget. Aber cool.

Samu Haber
Interview: Samu Haber

Sind die Freunde von damals immer noch deine Freunde?

Ja, obwohl wir uns nicht mehr so oft sehen. Nicht nur, weil ich ständig unterwegs bin. Die sind auch weggezogen. Jeder wird halt erwachsen und zieht jobbedingt irgendwo hin.

Du willst ja nicht so gerne erwachsen werden, wie man auf deinem neuen Album hören kann.

Nee, erwachsen werden ist nicht so cool. Aber man muss.

Warum sträubst du dich? Hast du Angst davor?

Ich habe keine Angst davor. Es ist nur so: Wenn es sein muss, dann bin ich erwachsen und kümmere mich um Geld, die Rendite, Entscheidungen treffen. Da muss ich erwachsen sein. Aber ansonsten bin ich wieder ich. Und mach wieder Quatsch. Wenn ich irgendwann ein Opa bin und mich immer noch verhalte wie ein Kind, wird’s allerdings peinlich.

Vor zwei Jahren hast du noch vor ein paar hundert Studenten gespielt, im November ist die O2-World dran. Wird man da nicht ehrfürchtig?

Nein, gar nicht, ich finde es cool. Aber ich habe auch manchmal ein bisschen Angst, dass ich so schnell alles erreicht habe. Alle Rekorde geschlagen, einfach alles – sodass es jetzt nur noch Berg ab geht. Das ist wie damals mit Falco: Als er in den USA Platz eins der Charts eroberte, freute er sich nicht, sondern flippte aus und hat sein Hotelzimmer zerstört. Weil er schon alles erreicht hat. Ich glaube, ich werde nie wieder einen Bambi gewinnen.

Hast du ein Ritual bevor du auf die Bühne gehst?

Früher waren wir noch nicht so lustig. Aber da gibt es ja diese tolle Erfindung namens Alkohol. Wir sind dann oft etwas beschwippst auf die Bühne, bis wir raus hatten, wies geht und ohne auskamen. Ansonsten stehen wir vor einem Auftritt im Kreis. Der neue in der Band, da ist immer jemand Neues dabei, muss eine Rede halten. Und dann kommt nur Quatsch raus, dann schreien alle: „Ja, man!“ und dann geht’s los.

Ist dir schon mal etwas richtig Dämliches auf der Bühne passiert?

Oh ja: Mir ist schon mal der Text nicht mehr eingefallen, während ich gerappt habe. Und dann blickt man sich hilfesuchend nach jemandem um, der sich erinnert. Aber nichts. Alle zucken mit den Schultern. Sogar die Fans. Erst beim Refrain fällt der Groschen und man ist wieder im Song drin. In dem Moment will ich sterben, ich werde rot, bin nervös. Peinlich.

Haben deine Eltern dich von Anfang an unterstützt?

Also, mein Dad wollte es mir erst ausreden. Und zeigte mir Zeitungsausschnitte und die ganzen Stars, die jetzt pleite sind. Aber mittlerweile ist er Fan. Außerdem profitiert er auch davon, weil ich ihn finanziell unterstütze. Meine Mum fands schon immer ganz cool – auch, wenn sie mit meiner Musik nicht allzu viel anfangen kann.

Welcher Song hat dich zuletzt zum Weinen gebracht?

James Blunt
Interview: James Blunt

„Halleluja“ von Kansas City. Der lief auf einer Beerdigung. Da war ich den Tränen nah.

Was ist für dich der schönste Ort auf der Welt?

Mein zu Hause in Stuttgart bei meiner Mama. Und der Keller, da stehen meine Boxen. Und die Seychellen im Meer. Das ist beides richtig gut.

Wirst du deine Maske jemals absetzen?

Nein.

Nicht mal in zehn Jahren?

Nein, dann mache ich keine Musik mehr. Ich könnte ja jetzt schon aufhören. Viele Leute haben mir geraten, kein zweites Album aufzunehmen, weil mich das unangreifbar machen würde. Ein Album, alles geschafft, alles erreicht und tschüss! Aber ich habe es trotzdem gemacht. Ich denke, ich werde in Zukunft andere Musiker produzieren. Leute, die Hilfe brauchen. Und dann pick ich mir die Rosinen raus und in zehn Jahren gibt es ein Comeback-Album. So „Thriller“-like, das all umhaut.

Dann ist „Melodie“ also dein letztes Album?

Vielleicht für lange Zeit, ja... aber wer weiß!

In deinem Song „Vielleicht“ wirfst du viele Fragen auf. Bist du ein nachdenklicher Mensch?

Nein. Ich zerbreche mir nicht immer den Kopf. Viele Leute überlegen zu viel. Alle schmieden große Pläne, sind durchdacht und plötzlich sind sie alt und müssen feststellen, dass sie ihren Traum immer noch nicht gelebt haben. Und dann gibt’s die, die schon mit 18 Jahren ihre eigene Kunstausstellung haben. Die vielleicht dann nicht den großen Gewinn bringt. Aber sie haben ihr Ding durchgezogen. Gemacht ist besser als nicht gemacht.

Auf welchen Song der neuen Platte bist du am meisten stolz?

Auf „Traum“. Weil die Rap-Parts echt gut geworden sind.

Dein größtes musikalisches Vorbild?

Notorious B.I.G.. Es gibt doch mittlerweile diese Hologramme, oder? Dann würde ich gerne mal mit ihm auf der Bühne stehen.

Sehen Sie hier hinter die Kulissen des Cro-Interviews!

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