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Star-Styling Interview mit Dita Von Teese

Die US-amerikanische Vertreterin des New Burlesque, Dita Von Teese, ist Covergirl, Aktmodell und Schauspielerin. Diese Vielseitigkeit findet sich auch in ihrem Stil wieder.
Dita Von Teese
  

Andrew Threlfall: Als wir uns das letzte Mal trafen, war das in einem winzigen Raum, fast wir eine Gefängniszelle.
Dita Von Teese: Haha, ja, ich erinnere mich. Hmmm, vielleicht hätten wir Handschellen tragen sollen!

Schön wär’s... hahaha! Erzähl mir, wie ein Tag wie heute sich bei Dir abspielt, besonders in Bezug darauf, da heute Deine Show fotografiert wird.
Ich bin sehr vorsichtig, wenn es darum geht, meine Shows fotografieren zu lassen, denn sie sind für mich sehr persönlich und ich stecke viel Geld, Zeit und Aufwand in jede einzelne Show. Ich bin sehr pingelig was mein Image angeht. Ich muss darauf achten, was ich esse und mache viel Pilates, um so gut auszusehen. In Form zu bleiben wird schwerer je älter ich werde, besonders weil ich so viel reise.

Wie hast du „Dita“ erschaffen?
Der eigentliche Grund, warum ich angefangen hab mit Make-up zu experimentieren und mir die Haare zu färben, war, dass ich mich für nicht konventionell schön hielt. Ich passte nicht in eine bestimmte Form. Ich glaube, viele meiner Fans empfinden auch so über sich selbst. Für mich hat die Kühnheit, zum Beispiel einer Marlene Dietrich, eine riesige Rolle gespielt. Sie hat ein sehr starkes Image und war sich dessen bewusst, schon vor dem Zeitalter der Stylisten. Marlene hatte auch einen sehr mutigen Stil, sie war zum Beispiel die erste Frau die ständig Hosen trug.

Was bedeutet Dir der Akt des Striptease? Das Konzept. Es ist ja ein zentraler Teil Deiner Karriere.
Nun, ich denke, ich war immer schon bezaubert von der Idee, ein Showgirl zu sein und einer der Gründe warum ich mich zu Striptease und Burlesque hingezogen fühlte war, dass es meiner Meinung nach einen anderen Blickwinkel hat als die traditionellen Konzepte von weiblicher Sexyness. Für mich ging es mehr darum, dass die Frau Macht hat und die Kontrolle über das, was sie tut. Sie gibt was sie geben möchte und hält gleichzeitig zurück, was sie zurückhalten will. Mir gefiel schon immer die Idee meine eigene Show zu kreieren. Ich liebe es mein eigener Regisseur, Produzent, Choreograph und Stylist zu sein.

Wir haben schon einmal darüber gesprochen, dass Du vielleicht eines Tages zur Schauspielerei wechseln willst. Wie denkst Du derzeit darüber?
Ich bekomme dauernd Angebote. Aber meine vielen Shows und das damit verbundene Reisen haben mir bisher im Weg gestanden. Ich müsste meinen Terminplan komplett leeren und für lang andauernde Dreharbeiten zur Verfügung stehen. Und derzeit bin ich mit dem Martiniglas schon für das ganze nächste Jahr ausgebucht. Mir ist mein Job auf der Bühne sehr wichtig und ich bin im Moment nicht bereit, das alles aufzugeben.

Ich könnte mir Dich gut in einem Film wie „Mulholland Drive“ vorstellen. Unter der Regie des großartigen David Lynch.
Das ist genau die Art von düsterer Materie und die Art Regisseur die mich ansprechen würden.

Auch berühmte Schauspielerinnen wie Marilyn Monroe haben gestrippt. Und sie hat für Präsident Kennedy gesungen. Was würdest Du tun, wenn Präsident Obama Dich performen sehen wollte?
Ich glaube nicht, dass es jemals dazu kommen würde. (lacht)

Hast Du jemals eine Anfrage abgelehnt, weil sie Dir zu sexuell anzüglich war?
Soweit ich mich erinnere nicht. Einige Anfragen waren ziemlich verrückt, besonders ein paar der Privatfeiern auf Yachten für die ich gebucht wurde. Aber es gab noch keine zu abgefahrenen Wünsche.

Viele Deiner Fans kleiden sich wie Du oder tragen Make-up wie Du. Einige lassen sogar Schönheitsoperationen vornehmen, um Dir ähnlicher zu sehen. Geht Dir das manchmal zu weit?
Nein, gar nicht. Es gibt sogar viele transsexuelle „Ditas“. Mir ist klar, dass es auf der ganzen Welt viele Burlesque Tänzerinnen gibt, die ich inspiriert habe. Aber es ist genug Platz und Möglichkeiten für uns alle. Ich ermutige Dita Imitatoren auf der ganzen Welt dazu, weiter zu machen, da ich glaube, dass wir alle genug Geld damit verdienen können. Sie sollten aber nicht meine Show eins zu eins kopieren. Es ist gut, um die Ecke zu denken und ich habe schon vor langer Zeit gelernt, dass nur jemand anderen nachzumachen niemanden weiterbringt.

Hast Du so angefangen?
Absolut. Ich sah Anfang der 90er wie eine Kopie von Betty Page aus. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich meine eigene Persönlichkeit entwickeln muss, wenn ich irgendetwas erreichen will. Aber es freut mich sehr, dass Burlesque insgesamt eine Art Wiederauferstehung erfährt.

Dein Stil hat einen starken Pariser Einschlag. Findest Du, dass die Pariser Frauen den glamourösesten Stil der Welt haben?
Es ist ein Mythos, dass die Pariser Frauen alles über Fashion wissen! Ich liebe die Geschichte der Stadt und sie ist wunderschön aber ich glaube nicht, dass Pariser Frauen den gleichen Stilsinn haben wie eine Marlene Dietrich! Neulich erst habe ich zu jemandem gesagt: „Ehrlich gesagt warte ich immer noch darauf das zu finden, was ich mir unter Pariser Frauen vorgestellt habe. Die Frauen in Paris ziehen sich sehr locker an und ich warte immer noch darauf, dass mir eine im Coco Chanel Look über den Weg läuft.“ Wenn ich an die derzeitigen Glamour-Ikonen denke, kommt davon keine aus Paris.

Woher kommen denn die Mode-Trendsetter heute, wenn nicht aus Paris?
Ich glaube die schickeren Frauen kommen aus den USA oder London und gehen nach Paris, verlieben sich in die Stadt und machen sich den Mythos der Pariser Femme Fatale zu Eigen. Wenn Du den Look magst kannst Du ihn dir aneignen und wirst dann noch pariserischer, als die Pariser Frauen.

Wie stark hat sich die Burlesque Szene in den letzten 20 Jahren verändert?
Es gibt jetzt viel mehr männliche Performer. Und Frauen in allen Formen und Größen. Sogar Leute ganz unterschiedlichster Religionen, selbst Mormonen aus Salt Lake City machen jetzt Burlesque, zum Beispiel die „Slippery Kittens“. Ich bin schon seit ein paar Jahren mit den Mädchen aus der Underground Burlesque Szene in Kontakt und habe gesehen wie die sich entwickelt hat. Ich denke, es ist ein Nachteil, dass viele Menschen nicht davon wegkommen, mich als Mainstream zu sehen. Dabei liebe ich es, dass Frauen auf der ganzen Welt sich dem Gefühl von Glamour hingeben, egal welche Kleidergröße sie tragen, egal wie alt, schwer oder klein sie sind.

Als Symbol für die ganze Szene gesehen zu werden findest du also problematisch?
Ja, sehr. Ich bin oft unter Beschuss von Leuten im Business, wenn ich etwas sage, mit dem sie nicht übereinstimmen. Aber ich versuche, diplomatisch zu bleiben. Ich wollte nie ein Aushängeschild sein. Aber ich versuche, über die Geschichte des Burlesque zu sprechen, respektvoll damit umzugehen und den Leuten zu vermitteln, wie es zu dem geworden ist, was es heute ist. Viele Leute wissen zum Beispiel gar nicht, dass es einen großen historischen Unterschied zwischen britischem und amerikanischem Burlesque gibt.

Wozu gehörst Du?
Zum amerikanischen Burlesque. Das Strippen, das laszive Tanzen, das Herumwirbeln von Quasten, die Performance auf der Bühne mit einem Live-Orchester, das ist alles eine sehr amerikanische Erfindung.

Wo lebst Du jetzt?
Die Hälfte der Zeit in Los Angeles, die andere Hälfte in Paris. Mein Französisch ist zwar nicht sehr gut, aber ich bin schon besser geworden. Ich liebe die Stadt und habe dort viele Freunde, trotzdem warte ich immer noch auf die moderne Version von Coco Chanel! Ich habe früher mit einem französischen Wörterbuch in der Hand gekocht. Die Franzosen sind wirklich sehr frech und sexy. Ich liebe die Schönheit der Stadt, die Geschichte und finde es toll, an diesem Punkt in meinem Leben im Ausland zu leben. Ich habe ein paar Mal Carla Bruni getroffen und sie ist wirklich eine sehr gute französische First Lady. Sie ist so hübsch. Ich versuche immer neue Sachen auszuprobieren und meine Grenzen zu überschreiten. Aber ich liebe auch Amerika und werde immer auch dort einen Teil meiner Zeit verbringen.

Du bist in der Vergangenheit bezichtigt worden, in bestimmten politischen Punkten anti-amerikanisch zu sein. Musst Du jetzt mehr aufpassen?
Ich habe das Gefühl, dass egal was ich sage, es immer jemanden geben wird, der es falsch auffasst. Also sage ich einfach was ich denke und akzeptiere die Kritik. Ich mache meine Kunst und will der Welt zeigen, was ich tue, aber es gibt immer irgendjemanden dem es nicht gefällt.

Hat schon mal jemand angefangen sich auszuziehen, während Du in einem Club performt hast?
Nein, das habe ich noch nie gesehen. Aber manchmal versuchen Leute zu mir auf die Bühne zu kommen. Besonders, wenn es um Fetische geht.

Hast Du manchmal Angst oder fühlst Dich bedroht?
Naja, es gibt immer und überall merkwürdige Leute. Ich bin selbst ein bisschen merkwürdig! Ich würde mich wahrscheinlich vor mir selbst in Acht nehmen. Aber ich bin nicht paranoid. Und wenn ich doch mal in eine unangenehme Situation komme, merke ich das sehr schnell und verschwinde. Es ist mir aber sehr wichtig, meine Fans zu treffen und ihre Hände zu schütteln. Ich liebe sie. Besonders, wenn sie mir selbstgebastelte Karten oder Briefchen geben.

Achtest Du auf andere „Glamour Girls“, besonders auf Frauen wie Katie Price?
Ja, ich habe nichts gegen das was sie tut. Aber ich glaube das hat keinen Einfluss darauf, wie das Publikum mich sieht, wenn ich mich in einem Martini-Glas ausziehe. Wenn Leute denken wollen, dass das was ich tue billig ist und in die gleiche Kategorie gehört, sollen sie doch.

Du musst einen riesigen Schrank voll wundervoller Schuhe und Kleider haben.
Das tue ich. Ich bekomme so viele tolle Vintage Kleider zugeschickt. Hunderte wirklich. Und ich bin da ganz furchtbar, weil ich sentimentale Erinnerungen an meine Klamotten knüpfe und nie etwas wegschmeiße. Aber manchmal spende ich Kleider für einen guten Zweck. Ich liebe Lady Gaga im Moment. Sie ist geradezu die Essenz von Glamour und versucht nicht nur hübsch auszusehen. Wir kennen uns ziemlich gut und ich finde sie großartig. Sie ist wie ein lebendiges Kunstwerk und kann in den kommenden Jahren Madonna Konkurrenz machen, was Musik und Style angeht. Aber zu unserer Lebzeit wird es nur eine Madonna geben. Mit ihrem „Testify My Love“ Video hat sie alle möglichen Grenzen überschritten, bevor irgendjemand anderes es sich getraut hat.

Wo verbringst Du normalerweise Weihnachten?
Im Schnee. In Idaho, wo der Großteil meiner Familie lebt. Es ist so schön dort.

Wie verbringst Du den Valentinstag?
Ich trete jeden Valentinstag auf. Es ist ein wichtiger Abend. Es ist so romantisch und ich liebe es die Leute mit meiner sexy Show in die richtige Stimmung für später zu versetzen.

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