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Star-Talk Anne über "Les Misérables" und die Opfer, die sie bringen musste

In "Les Misérables" porträtiert Anne Hathaway auf ergreifende Weise das Schicksal ihrer Figur Fantine. Im Interview spricht sie über den Filmprozess und die emotionale Anstrengung, die diese Rolle sie gekostet hat.
Anne Hathaway
  

Es ist unglaublich, wie echt Du in diesem Film wirkst.

Anne: Danke. Als ich "Les Misérables" das erste Mal sah, war ich war sieben Jahre alt, und meine Mutter spielte ein Fabrikmädchen. Eine echte Verbindung zu dem Stück empfand ich aber erst später, als ich meine Mutter als Fantine sah. Sie war die Vertretung und ich durfte mit auf die Bühne. Ich habe so tief für sie empfunden, obwohl ich sehr jung war. Ich wusste damals noch nicht, was eine Seele ist, aber ich glaube wirklich, dass in dieser Nacht meine Seele mit der Musik verschmolz. Natürlich wusste ich nicht, dass sie in mein Leben zurückkehren und so eine bedeutende Rolle einnehmen würde. Als ich die Rolle erhielt, hatte ich also sofort Mitgefühl mit diesem Charakter und eine Sehnsucht, die Wahrheit der Fantine wiederzugeben. Als ich schließlich mit der Recherche begann, besonders als es um das emotionale Leben der Sex-Sklaven ging, erfuhr ich, was diese Wahrheit ist. Ich musste nicht irgendwelche traurigen Gedanken über mich selbst herbeirufen – ich musste mich nur auf die Realität ihrer Leben und ihres Leidens konzentrieren.

Anne Hathaway in Les Misérables
Wie hat es sich angefühlt, dein Haar zu schneiden?

Anne: Es war sehr gruselig. An dem Tag, als wir die Szene drehen wollten, bereuhte ich fast, Tom Hooper (dem Regisseur, Anm. d. Red.) den Vorschlag gemacht zu haben. Ich habe gezittert. Aber eigentlich war es ein Segen, weil meine Figur so verstört darüber war, dass ich diese Emotionen ausschöpfen konnte, um den Charakter richtig zu spielen. Eine Stunde nachdem es vorbei war, war ich zufrieden damit. Ich habe es akzeptiert, wie es war. Der Aufbau der Szene war dramatischer als der tatsächliche Akt.

Wusstest Du, dass Du mit diesem Charakter so tief würdest gehen können?

Anne: Ich wusste, dass das Potential da war. Ich habe gehofft, dass ich tief in die Rolle eintauchen würde, da ich viele Schicksalsgeschichten gelesen hatte. Es gab eine Frau, die immer sagte: „Ich komme aus einer guten Familie. Ich komme aus einer guten Familie“. Ich habe einfach den Schmerz des Verlusts in ihrer Stimme gehört, dass sie nicht mehr wusste, wie ihr Leben in diese Richtung verlaufen ist. Sie hat alles verloren und prostituiert sich, um ihre Kinder zu ernähren. Sie brach in Tränen aus, als sie mit dem Journalisten sprach. Ich werde das nie vergessen, obwohl sie ihr Gesicht bedeckt hatte, um ihre Privatsphäre zu wahren. Es war die größte Geste absoluter Verzweiflung, die ich je gesehen habe. In dem Moment sagte ich: „Das ist Fantine. Sie existiert. Dies wird keine erfundene Perfomance. Sie exisitiert und sie lebt in unserer Welt und ich muss diesem Leiden gerecht werden, indem ich die Wahrheit zeige“. Ich habe mir keine andere Option gelassen. Ich konnte die Wahrheit nicht leugnen.

Anne Hathaway in Les Misérables
Wie sehr wolltest Du diese Rolle?

Anne: Wirklich sehr. Ich wollte mit dem Film involviert sein, da meine Mutter diese Rolle gespielt hat. Die Rollen waren mir alle sehr vertraut, allerdings dachte ich nie, dass ich „I Dreamed A Dream“ singen würde. Als ich herausfand, dass das die einzige Rolle war, für die ich vorgeschlagen wurde, dachte ich: „Super, ich werde Fantine sein.“

Du opferst sehr viel für die Kunst, indem Du zum Beispiel deine Haare abgeschnitten und viel Gewicht verloren hast. Was würden Sie noch für die Kunst tun?

Anne: Ich habe das was ich getan habe nie als Opfer gesehen. Es war Schauspielerei, also habe ich mir dafür nicht zu sehr auf die Schulter geklopft. Ich habe nie emotional darüber empfunden, so wie Fantine es tut. Meine Regel ist, wenn es nicht zurückwächst, schneide ich es nicht. Also verlor ich nicht wirklich alle meine Zähne. Die Sache ist die – wenn du nicht bereit bist, deine Haare abzuschneiden, abzunehmen und wie ein Idiot beim Singen auszusehen, dann bedeutet dir die Rolle wahrscheinlich nicht genug. Wenn du wirklich leidenschaftlich an eine Sache rangehst, denkst du nicht: „Ist das sicher? Ist das eine gute Idee?“ Es gib keinen Zweifel.

Dein Kollege Hugh Jackman scheint, als ob er unendlich viel Energie hat und stets gut gelaunt ist.

Anne: Ja. Er ist die stärkste Person die ich kenne, und trotz seiner Leichtigkeit nimmt er alles was er angeht 100% ernst und gibt alles dafür. Es ist einfach angenehm, ihn um sich zu haben.

"Les Misérables" DVD

Die DVD erscheint am 27. Juni 2013

War es einfach von Catwoman auf Fantine umzusteigen?

Anne: Ich habe gemerkt, dass sie sich ähnlicher sind als ich dachte. Sie sind beide Kämpferinnen. Sie sind beide unglaublich stark. All das physische Training das ich durchmachen musste, um Selina Kyle ("The Dark Knight Rises", 2012) zu spielen, stärkte mich auch mental und machte mich disziplinierter, und das brauchte ich, um Fantine zu spielen. Selina schafft es, von den Umständen auszubrechen die sie unterdrücken. Fantine hat diese Instinkte nicht.

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