Stars

Interview Im Gespräch mit Schauspieler Jürgen Vogel

Er ist nicht nur lässig, er sagt auch kluge Dinge. Zum Beispiel über Gesichtsbehaarung – und über den Zeitpunkt, wann man sich als Frau sofort vom Acker machen sollte. Ein Gespräch mit dem Schauspieler Jürgen Vogel
Jürgen Vogel im Interview
   

Das können nicht viele Männer. Wir reden über die Gabe, eine Runde von zehn, fünfzehn Frauen dazu zu bringen, wie aus einem Munde „Finde ich gut“ zu sagen. Normalerweise schreit immer eine „Was? Der? Bloß nicht.“ Nur bei dem Schauspieler und sechsfachen (!) Vater Jürgen Vogel nicht. Da sind sich alle einig. Dabei ist der inzwischen 46- Jährige nicht sonderlich hübsch oder über die Maßen studiert. Es ist vielleicht – ja, von seinem unverschämt durchtrainierten Körper einmal abgesehen, aber das wollen wir hier außen vor lassen – diese Gabe, auf eine sehr einfache Art sehr richtige Dinge zu sagen. Und natürlich Vogels Vorliebe für schräge Rollen und seine präzisen Charakterdarstellungen. In seinem neuen Film, der Verfilmung von Charlotte Roches Roman „Schoßgebete“ (siehe Kasten nächste Seite), spielt er den Ehemann einer hysterischen Frau, einen, der die Ruhe behält, wenn sie mal wieder durchdreht. Wir trafen den gebürtigen Hamburger zum Gespräch – und waren hinterher schwer beglückt. Warum genau? Weil die Welt nur noch halb so kompliziert wirkt, wenn Jürgen Vogel sie erklärt ...

PETRA: In „Schoßgebete“ spielen Sie den Ehemann einer neurotischen Frau. Die ist schrecklich! Warum mag man eine so hysterische Person?

Männertypen
Die moderne Männlichkeit

Jürgen Vogel: Ich hab die lieb. Das Tolle an der Figur ist, dass sie nicht nur neurotisch ist, die hat auch ein gutes Herz. Das ist eine warme Frau und keine blöde, berechnende kalte Person. Sie möchte vor allem für ihn alles toll machen. Weil sie sich selbst so anstrengend findet. Und sie denkt, sie müsste ihrem Mann etwas schenken, damit er bei ihr bleibt. Das ist urromantisch.

Trotzdem kann man nicht behaupten, dass „Schoßgebete“ ein Liebesfilm ist...

Es ist schon ein Film darüber, wie eine Beziehung funktionieren kann. Ich finde es aber interessanter, dass der Film aus weiblicher Sicht erzählt wird. Das ist selten.

Verkörpert Georg aus dem Film eigentlich den Prototyp eines modernen Manns?

Wieso?

Immerhin hat er einen Vollbart und viel Verständnis für Frauen.

Ob so ein Bart einen zum modernen Mann macht? Eine Freundin von mir meinte gerade, dass sie glaubt, dass die Männer unter den Bärten eigentlich echt hässlich sind. Aber mit den Bärten sähen die ganz cool aus.

Aber doch nicht jeder!

Na ja, es ist immer schwierig, wenn etwas bei allen angekommen ist. Das ist wie mit Leggings.

Wie bitte?

Na ja, die sah ich vor zehn Jahren in New York das erste Mal und dachte: „Wow, alter Schwede, wie sehen denn hier die Mädels aus? Superschön.“ Aber gleichzeitig dachte ich: „Hm. Wenn das nach Deutschland kommt...“ Und inzwischen ist es richtig schlimm geworden – jetzt siehst du überall Leggings. Auch bei Frauen, bei denen man nicht sofort sagen würde: „Hey, ich kauf dir jetzt Leggings, sieht bestimmt super aus.“ Oft hat es nichts mehr mit dem zu tun, weswegen es mal erfunden wurde.

Promotion
Anzeige
1 von 3
Schlagworte
Interview | Lifestyle | Stars
Autor
Wiebke Brauer