Shades of Grey -Special

BDSM-Sex Interview: BDSM-Autorin Victoria Dohle

Frau mit Handschellen

PETRA.de: Mit “Aye, aye, Sir! – BDSM und ein Schiff, völlig normal oder?” erschien 2014 Ihr erster Roman. Worum geht es grob?

Victora Dohle: Es geht um eine submissive Frau, die bereits seit einiger Zeit mit ihrem Herrn zusammenlebt und von ihm die Möglichkeit bekommt, für eine Woche auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten. Sie ahnt nicht, dass ihr Herr dabei mehr im Sinn hat, als das bloße Arbeiten und erlebt an Bord zahlreiche durchaus prickelnde und erotische Überraschungen. Es ist eine Liebeserklärung an D/s als Lebensweise, also ein Leben, in dem das Machtgefälle zwischen Dom und Sub über das reine Spiel hinaus besteht und sich mehr auf Unterwerfung und Demut konzentriert als das reine SM-Spiel.

Frau mit Fessel
BDSM – fesselnde Lust

Ist BDSM durch Romane wie "Shades of Grey" gesellschaftsfähiger geworden?

Das denke ich schon. Wie mit so vielen Themen, über welche die Allgemeinheit wenig weiß, entsteht durch "Shades of Grey" allerdings ein verdrehtes Bild von BDSM, denn die Romanreihe zeigt nur einen kleinen sehr soften Bereich der großen Bandbreite von BDSM. Aber es ist gut, dass durch den Erfolg der Bücher in der Öffentlichkeit nicht mehr sofort die Nase gerümpft wird, wenn die Bezeichnung BDSM oder Sadomasochismus fällt.

Was hat Sie dazu bewegt, Bücher zu schreiben? Was möchten Sie mit Ihren Publikationen erreichen?

Ich lese selbst sehr gern und habe eine blühende Fantasie. Da lag es nahe, ausgedachte Geschichten zu schreiben – davon träume ich schon sehr lange. Angefangen habe ich damit, meinem Herrn persönliche Geschichten zu schreiben und zu schenken. Als Liebesbeweis und Dankeschön für all die schönen Jahre, die ich bisher mit ihm verbringen durfte. Ich freue mich, wenn meine Geschichten Menschen zum Träumen bringen, sie fesseln  – und natürlich auch erregen. Wenn ich dazu noch ein paar Denkanstöße und Anregungen für die eigene BDSM-Beziehung geben kann, umso besser.

Stützen sich Ihre Geschichten auf Erlebtes? Was inspiriert Sie?

Ich schreibe ausgedachte Geschichten, die nicht direkt etwas mit Selbsterlebtem zu tun haben, aber natürlich fließen eigene Erlebnisse und Erfahrungen in abgewandelter Form mit ein. Aber meist basieren meine Geschichten eher auf Fantasien, die mir im Kopf herumschwirren. Dinge, die ich als Kopfkino toll finde, aber nicht unbedingt genau so real erleben möchte. Manchmal inspiriert mich auch ein Blogartikel, ein Gespräch mit Freunden oder ein Diskussionsbeitrag in BDSM-Foren, zu diesem Thema eine Geschichte zu schreiben.

Auf Ihrer Homepage sagen Sie, dass Sie Ihre devote Neigung schon seit Ihrer Kindheit spüren. Wie alt waren Sie?

Das war zum Anfang der Pubertät, da war ich 11 oder 12 Jahre alt.

Wie haben Sie sich damals gefühlt? Waren Sie ein typischen Mädchen?

fussfetisch

Als typisches Mädchen würde ich mich nicht bezeichnen. Ich spielte viel mit Jungs und war für sie eher so der Kumpeltyp. Als ich älter würde, schämte ich mich für die komischen Gefühle und erzählte niemandem davon. Ich hielt mich für krank, für pervers und nicht normal.

Wie hat sich Ihre devote Neigung im Laufe der Jahre (vom Jugendlichen- bis Erwachsenenalter) entwickelt? Wie haben Sie diese ausgelebt?

Ausgelebt habe ich meine Neigung die ersten 30 Jahre gar nicht. Ich wollte sie nicht, empfand mich als unnormal. Internet gab es damals noch nicht und mit jemandem darüber sprechen kam für mich nicht in Frage. Ich habe versucht, es zu verdrängen und zu ignorieren.

Im Alter von 31 Jahren trauten Sie sich Ihre Neigung auszuleben. Was war Ihr Beweggrund für Ihren Mut?

Das lag vor allem an der zunehmenden Verbreitung des Internets. Ich habe irgendwo gelesen, dass meine Neigung einen Namen hat (BDSM) und habe im Internet gezielt danach gesucht. Als ich feststellte, dass es unzählige Menschen mit ähnlichen Neigungen gibt und diese das als ganz normal empfinden, fasste ich den Mut, mit meinem Ehemann darüber zu sprechen und erste Gehversuche mit ihm in diesem Bereich zu unternehmen.

Seit über 10 Jahren leben Sie in einer glücklichen 24/7-D/s-Beziehung. Wie haben Sie Ihren Partner kennengelernt?

Das war Zufall. Mein Mann verlor nach ein paar zarten Versuchen das Interesse an BDSM, so dass ich die Möglichkeit einer Online-Erziehung in Betracht zog. Ich meldete mich in einer Yahoo-Gruppe namens „Novizinnen-Sklavinnen“ an und schaltete dort eine Suchanzeige nach einem passenden Dom. Er war der erste, der darauf reagierte. Eine 24/7-Beziehung war allerdings damals nicht geplant.

Hatte er seine (dominante) Neigung schon entdeckt bevor Sie ein Paar wurden?

Erotische Literatur
Erotische Lektüre

Er hatte bereits einige Erfahrung in kurzen Spielbeziehungen gesammelt, als er mich kennenlernte.

Wie muss man sich eine typische 24/7-D/s Beziehung vorstellen? Können Sie uns grob einen Tagesablauf schildern?

Eine typische 24/7-D/s-Beziehung gibt es nicht, da jeder dieses anders definiert. In erster Linie wird sie dadurch definiert, dass das Machtgefälle zwischen Dom und Sub immer besteht, über einzelne Sessions hinaus. In unserer persönlichen Definition sieht es so aus, dass mein Herr natürlich nicht 24 h an 7 Tagen in der Woche die Peitsche schwingt. Wir leben nicht mal zusammen. Aber es bedeutet, dass ich mir seiner Macht jederzeit bewusst bin. Und er jederzeit auf mich Zugriff hat, wenn er dies möchte. Und das mögen wir beide sehr.

Ein Tagesablauf von uns gestaltet sich im Grunde genauso, wie bei Menschen ohne BDSM-Neigung. Wir kümmern uns um unsere Familie und unseren Job. Wenn wir uns dann sehen, muss nicht zwangsläufig BDSM stattfinden, manchmal unterhalten wir uns einfach nur. Aber eine SMS von ihm kann diesen Alltag jederzeit durchbrechen, indem er mir Befehle erteilt, die ich dann ausführen muss.

Sind Sie im Alltag immer Sub? Gibt es konkrete Situationen, in denen Sie dennoch Dominanz zeigen können / wollen?

Ich bin in meinem Alltag niemals Sub. Sub bin ich ausschließlich in Gegenwart meines Herrn oder wenn ich in seiner Abwesenheit Befehle von ihm ausführe. Ich würde mich als alltags-dominant bezeichnen, denn außerhalb der Beziehung mit meinem Herrn regele ich meinen Alltag selbst. Menschen, die mich gut kennen, bezeichnen mich sogar als „Macher“. Genau da liegt für mich der Reiz meiner D/s-Beziehung. Bei meinem Herrn muss ich nicht stark sein, keine Entscheidungen treffen und mich nicht verstellen. Ich kann mich fallen lassen und fühle mich geborgen, es ist der Gegenpol zu meinem Alltag. Bei ihm darf ich schwach sein. Ich liebe es.

Schließen Sich Submissivität und Selbstbewusstsein gegenseitig aus?

Im Gegenteil. Um sich jemandem in aller Konsequenz hingeben zu können, benötigt man ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein. Man braucht innere Stärke, um sich demütigen lassen zu können, ohne daran zu zerbrechen. Loslassen erfordert Mut. Natürlich gibt es auch schüchterne Subs, aber die meisten, die ich bisher kennengelernt habe, stehen im Alltag ihre Frau.

Sich einem Herrn zu unterwerfen bedeutet keine Selbstaufgabe, daher ist es mit Selbstbewusstsein sehr gut vereinbar. Die meisten Doms schätzen es sogar, wenn ihre Sub eine selbstbewusste Persönlichkeit besitzt.

Welche Wünsche und Ziele haben Sie als Autorin?

Mein Ziel ist, die Schriftstellerei zu meinem Hauptberuf zu machen. Ich muss keinen Bestseller schreiben, das ist im BDSM-Bereich auch eher unwahrscheinlich, aber ich möchte so erfolgreich werden, dass ich davon leben kann.

Ich möchte mein Blog weiter ausbauen, noch viele Artikel zu gängigen BDSM-Fragen dort veröffentlichen und eines Tages in einem Sachbuch zusammenfassen. Außerdem plane ich gerade ein Podcast begleitend zum Blog.

BDSM-Toys für Anfänger

Und privat? Wünschen Sie sich weiteren Familienzuwachs?

Familienzuwachs möchte ich keinen mehr. Ich habe einen fast erwachsenen Sohn, das reicht mir vollkommen. Im Grunde habe ich alles, was ich mir wünsche. Ich habe einen wunderbaren verständnisvollen Partner, der zudem meine sexuelle Neigung teilt und ich arbeite daran, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Ich wünsche mir, gesund zu bleiben und noch sehr lange Bücher schreiben zu können.

Zum Schluss: Was raten Sie Frauen, die sich nicht trauen, Ihre Neigung auszuleben?

Ein BDSM-Forum kann eine gute erste Anlaufstelle sein, wenn man sich bewusst ist, dass sich dort (wie in anderen Foren auch) neben netten Menschen auch zahlreiche Idioten herumtreiben. Also bitte nicht den gesunden Menschenverstand ausschalten. Die Neigungen erstmal online ausleben per Chat ist eine Möglichkeit, sich langsam heranzutasten, den dominanten Partner kennen zu lernen und dabei kaum ein Risiko einzugehen. Wenn man sich dann besser kennt und herausgefunden hat, was genau man eigentlich mag, kann man erste Schritte real machen.

Am allerwichtigsten ist, dass nicht überall wo Dom draufsteht auch Dom drin ist. Ich will damit sagen, dass es viele selbsternannte Doms gibt, denen es an dem nötigen Verantwortungsgefühl und der nötigen Reife fehlt, eine submissive Frau zu führen und zu leiten. Es ist also anfangs ein gewisses Misstrauen und eine gewisse Zurückhaltung durchaus angebracht. Online und anonym ist daher eine gute Möglichkeit, die ersten zaghaften Schritte in der bunten Welt des BDSM zu unternehmen.

Weitere Informationen zu BDSM-Autorin Victoria Dohle und ihren Publikationen finden Sie hier!

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BDSM | Erotik | Lust | Sex