Reisetipps

Urlaub Reisetipp Westberlin

Tschüs, Prenzlauer Berg! Lange kamen alle Trends aus den hippen Vierteln im Osten der Stadt – nun mausert sich die Gegend rund um den Ku’damm wieder mächtig. Nichts wie hin da!
KaDeWe in Westberlin
  

High Heels klackern über den breiten Bürgersteig des Kurfürstendamms, die Frau trägt eine große schwarze Brille auf der Nase und in der Hand schlichte Einkaufstüten. Ein Porsche röhrt vorbei, ein Pulk von Touristinnen schnattert, es riecht nach Baustaub und Veränderung – ausgerechnet hier! Dabei hieß es noch vor zehn Jahren, dem Boulevard im Westen der Stadt gehe jeder Coolnessfaktor flöten. Von wegen: Im Monatstakt eröffnen hier neue Luxusläden. Gerade hat die Edel-Jeans-Boutique 14 oz im denkmalgeschützten Haus Cumberland eröffnet, einige Wochen zuvor zog gegenüber das Luxuslabel Bottega Veneta ein, auch Giorgio Armani und Dolce & Gabbana geben sich wieder die Ehre. Keine Frage, Westberlin is back. Als Modemekka, Inspirationsquelle und kultureller Schmelztiegel.

Der Mythos Ostberlin

Iggy Pop und David Bowie in Berlin

Iggy Pop und David Bowie in Berlin

Dabei weht lange Zeit nur eine Nachricht zu uns herüber: im Westen nichts Neues. Kein Wunder, denn im Nachwende-Taumel zogen fast alle Galerien, Bars und Künstler in die hippen Ost-Bezirke. Dort roch die Luft nach Aufbruch und kreativem Neuland, aus Vierteln wie Schöneberg und Charlottenburg kamen keine Trends mehr. Als wäre der Westen von der Geschichte abgeschnitten. Doch wie es scheint, weht nicht nur ein frischer Wind aus Westen, es gibt auch viele Kreative, die sich an goldene Zeiten zurückerinnern. David Bowie veröffentlichte im März sein neues Album, die erste Single "Where Are We Now?" war eine Hommage an seine zwei Jahre in Westberlin, an seine Zeit in der Schöneberger Hauptstraße 155, wo er zwischen 1976 und 1978 mit Iggy Pop wohnte. Der vom Rest der Welt isolierte Westen in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren – das war eine Zeit starker Symbole: Bowie im Lederblouson, der Heroin-Chic von Christiane F., die Lederjacken der Punk-Frauen und später die Neonfarben in der Diskothek Dschungel nahe dem KaDeWe. Eigentlich kein Wunder, dass man nun zurückblickt: Es erscheinen Bücher über die Feierkultur in Berlin wie Wolfgang Müllers "Subkultur Westberlin 1979–89", und pünktlich zu den Berliner Filmfestspielen kündigte eine Produktionsfirma die Verfilmung von Bowies Berlin-Zeit an.

Wiederbelebung eines ehemaligen In-Labels

Andreas Murkudis

Der Concept Store von Andreas Murkudis. Er zog mit seinem Laden in den Westen.

"Das Interesse am Westen hat viel mit der Bowie-Platte zu tun", sagt Kostas Murkudis, Modedesigner und seit Jahren überzeugter Charlottenburger (West). Der 53-jährige Modedesigner arbeitet nach Stationen bei Helmut Lang und Balenciaga nun für das Label Closed. In den frühen 80ern, als die Menschen vor dem Dschungel Schlange standen, galt Closed als erste Designer-Jeansfirma. 1992 ging die italienische Marke pleite, ein Hamburger Konsortium kaufte die Markenrechte – und machte Closed wieder zum In-Label. Seine erste Closed-Kollektion zeigte Murkudis im Januar anlässlich der Berliner Fashion Week. Viel Lob erntete er für schwarze Damen-Lederjacken, die dank der Ellbogen-Nähte an Motorradjacken erinnerten. "Das hätte auch damals gut in die Zeit gepasst", gibt er zu. Und ja, er hätte sich mit Closed gedanklich in die Ära seiner Jugend begeben, als er mit weißer Lederhose, schwarzem Sakko, weißem Hemd und dünnem Lederschlips zu Visage und Fad Gadget tanzte. "Ich war ein Popper", lacht er.

Promotion
Anzeige
1 von 2
Schlagworte
Kultur | Lifestyle | Reise | Urlaub
Autor
Ulf Lippitz