Reisetipps

Reisetipp Frühling in Sevilla

Diese Reise beginnt mit dem ersten sonnigen Samstag des Jahres und endet in einem Flamenco-Kleid – auch wenn PETRA-Autorin Andrea Tapper gar nicht auf die Tanzfläche wollte.
Sevilla
   

Okay, auch in Spanien herrscht Krisenstimmung. Doch die Spanier schaffen es immer noch, stilvoll durch den Tag zu kommen. Helena Jiménez lässt das Taxi an der Plaza del Salvador stoppen. Eine Woche lang bin ich mit der 35-jährigen Kauffrau unterwegs in Sevilla. Auf dem Platz stehen Trauben schöner Menschen: junge Männer in Business-Klamotten, Frauen in Strick-Minis, Familien mit Kinderkarren. Eine Demo? „Aber nein“, sagt Helena, „am Samstagnachmittag kommen wir auf ein 'caña' her. Das hat sich so eingebürgert, auch wenn seit der Euro-Krise das Geld nicht mehr so locker sitzt.“

Mann Gitarre
Ein caña, ein Bier, ist von bescheidener Größe. Kaum 0,1 Liter passen ins Glas, dafür trinkt man zwei oder drei. Erstens war das schon immer so in Sevilla – zweitens hält es die Stimmung in der andalusischen Stadt auf einem sympathischen Level. An diesem ersten warmen Sevilla-Samstag erlebe ich, was die Einheimischen hier so lieben. Wir ziehen von der Plaza weiter auf ein paar Tapas ins Altstadtviertel Santa Cruz, danach geht es über den Fluss Guadalquivir bis auf die Club-Straße Calle Betis. Helena beginnt, mir von der Stadt und ihrer großen Leidenschaft zu erzählen: Sie tanzt Flamenco, auf Avantgarde-Partys genauso wie gemeinsam mit Freunden zu Hause. „Flamenco gehört für uns zum Leben wie für die Engländer die Pubs“, sagt die Spanierin. „Es ist keine Folklore, sondern Drama. Alltagsdrama.“ Hm, denke ich, das muss sie mir genauer erklären. Helena schiebt mich in die Gassen der verwinkelten Altstadt und redet weiter.

Flamenco ist in Sevilla ein Muss

Als Erstes lerne ich: Flamenco ist ein Mix aus dem Orient und Europa, und auch Sevilla spiegelt als Stadt diese Melange wider: Das blank gewienerte Straßenpflaster mit Pferden und Kutschen und die Kirchen stehen für die christliche Seite. Die bunten Steinmosaike, die sich überall finden, zeugen von der arabischen Vergangenheit. Die Kathedrale vereinigt wiederum beide Kulturkreise – der Giralda-Turm an der Kathedrale diente einst als Minarett. Erst später wurde es mit Glocken zum Kirchturm umfunktioniert.

Wir wandern vom Stadtteil Santa Cruz ins Viertel Triana. Hier entdeckt man eine muntere Kneipenszene, Flamenco live gibt’s in schrägen Clubs wie im Madrugá. Bis spät in die Nacht schlendern wir über die Calle Betis, wo sich eine Kneipe an die nächste reiht. Die Kellner der Lifestyle-Bar Terraza Capote stellen schon im Februar die Tische ins Freie, DJs legen unter Palmen auf. Das Gebäude, das heute den Trend-Club Buddha del Mar beherbergt, war einst ein Bahnhof, heute wird hier moderner Flamenco gespielt. „Soul-Flamenco“, wie von der Gruppe Pitingo, ist eben auch clubtauglich, meint Helenas Freundin Claudia Navarro, die wir abends treffen. Als Tochter 4 eines Gastarbeiters in Frankfurt aufgewachsen, spricht Claudia fließend Deutsch. Sie arbeitet im Flamenco-Museum Museo del Baile und lädt mich für den nächsten Tag ein, sie dort zu besuchen. Ich sage gerne zu – und falle kurze Zeit später ins Bett.

Am nächsten Morgen heißt es: Auf ins Museum! Aufgebaut wurde es von Sevillas Tanzlegende Cristina Hoyos – mit viel Liebe zum Detail. Die Ausstellung zeigt jede erdenkliche Facette des Ausdruckstanzes – vom „Farruca“, dem ursprünglich ernsten Männertanz, der bis heute von Frauen in Hosen getanzt wird, bis zum fröhlichen „Alegría“-Ballett mit Mädchen in Pünktchenkleidern.
 Im Museum entdecke ich Sounds und Requisiten, nachgebaute Künstlergarderoben und jede Menge moderne Kunst: Es ist ein Ort, an dem man ganz in die Welt des leidenschaftlichen Tanzes eintauchen kann. An der Kasse des Museumsshops sitzt Keiko, eine 32-jährige Japanerin, die „hängen geblieben“ ist, weil sie sich „in die Stadt und den Flamenco verliebt“ hat, wie sie sagt. Ein wenig verstehe ich das jetzt schon.

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