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Urlaub Reisetipp Schweden

Billy ist ein Design-Klassiker für uns. Und Pippi Langstrumpf ist längst zurück in unserer Welt, weil unsere Kinder sie so lieben wie wir einst. Zeit für Schweden also. Unsere Autorin Stefanie Lindenberger und ihre Familie wollten einmal im Leben Mittsommer feiern, ohne Möbel zu brauchen …
Stockholm
  

Es kommt der Tag, da wird das Leben schwedisch. Ob man es nun will oder nicht. Bei mir ist das ganz früh passiert, vier war ich oder fünf. Ich weiß noch genau, wie die rotwangigen Gesichter strahlten von Tjorven und Pelle und Nisse. Toll fand ich das, wie die drei von den Felsen auf Saltkrokan ins Meer sprangen. Diese kleine Insel, das war mein Traumsommerwunderland. Jetzt ist meine Tochter vier. Wir sind nördlich von Göteborg, in Lysekil, Westschweden. Es ist der 21. Juni. Mittsommer. Aus der kleinen Felsenbucht Alevik wabern Akkordeonklänge zu uns rauf. Frauen und Kinder singen dazu. Durch einen Holzbogen betreten wir den Festplatz direkt am Meer. „Warum haben alle Kinder Blumen im Haar und ich nicht?“, fragt meine Tochter Carla und macht diese Stirnfurche, die immer zeigt, dass sie gerade die Welt nicht so ganz versteht. Ich ziehe eine Kamillenblume aus der Wiese und stecke ihn mit einer Haarspange fest. „Jetzt hast du auch welche“, sage ich. Aber da steht sie schon vor dem Mittsommerbaum. Die schwedischen Kinderlieder versteht sie auch wieder nicht. Aber die Stirnfurche ist weg. Alle tanzen im Kreis. Das kann sie auch.

Mittsommer, jene magische Nacht, in der die Sonne im Norden nicht untergeht. Ich wollte das immer mal erleben – ohne am Ende an einer Kasse zu stehen und wieder den Beutel mit 100 Teelichtern zu bezahlen. Wie ist der wahre Mittsommer? In Westschweden Tradition am Nachmittag und Party am Abend. Gegen 18 Uhr machen im Hafen von Lysekil die ersten Boote mit Partypeople fest. Die Buden eröffnen, Musik wird aufgedreht. Die weiße Nacht beginnt. Das Ganze wirkt wie eine Mischung aus Karneval, Loveparade und Hamburger Hafengeburtstag. Nur kleiner, putziger, relaxter, schwedisch eben. Wir fahren mit der Linienfähre rüber nach Fiskebäckskil auf der Insel Skaftö. Hier kleben die bunten Holzhäuser wie hindekoriert auf den rauen Steinen. Am Ende einer Bilderbuchstraße liegt ein kleiner Yachthafen. Und das zauberhafte „Brygghuset“. Da bestellen wir frischen Fisch. Alle Gäste sind hübsch angezogen, trinken guten Wein. Gegen 23 Uhr fällt noch sanftes Licht durch die Fenster ins Restaurant. Unser Kind schläft selig auf einer kleinen Bank. Mein Mann bestellt Wein nach. Schön, unsere erste schwedische Mittsommernacht.

Am nächsten Morgen besteigen wir ein Taxiboot. Felix, 18, fährt uns auf den verzweigten Wasserstraßen durch den Grundsund rund um Gullholmen. Nach jeder Biegung wird das Insellabyrinth romantischer, idyllischer, einsamer. Felix ist hier aufgewachsen, kennt jeden Stein und jeden zweiten Bootshausbesitzer. Er erzählt vor Partys und Sommertagen mit seinen Freunden auf den Inseln. Hier gehört Schweden den Schweden. Typischer geht’s nicht. Am Ende zahlen wir lächelnd. Wir haben selten in eine bessere Bootsfahrt investiert.

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